Fünf Fragen an: Chris Porritt, Aston-Martin-Chefingenieur

Fünf Fragen an: Chris Porritt, Aston-Martin-Chefingenieur

Während sich die Produktion des superexklusiven Aston Martin One-77 ihrem Ende nähert, hatten wir Gelegenheit für ein Gespräch mit Chris Porritt, der als Entwicklungschef nicht nur die Projekte One-77 und V12 Zagato verantwortet, sondern auch regelmäßig als Fahrer beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring startet.

Herr Porritt, was war der Höhepunkt Ihrer bisherigen Karriere?

Sicherlich die Möglichkeit, den One-77 auf dem Weg von Marek Reichmans Zeichenbrett in die Produktion zu begleiten. Angesichts der Dimension des Projekts und der schwierigen weltweiten Wirtschaftslage zu Beginn der Arbeit im Jahr 2008 war es natürlich ein besonderes Erlebnis, als der Wagen keine zwölf Monate später in Nardo eine Geschwindigkeit von 354 km/h erreichte und ich endlich definitiv wusste: Das Auto funktioniert!

Warum sollte ich den Aston Martin One-77 denn kaufen – und immerhin mehr als eine Millionen Euro ausgeben?

Weil es nur äußerst wenige Exemplare geben wird. Man wird ihm nicht an jeder Straßenecke begegnen, wie es etwa bei einer Produktion von 400 Exemplaren passieren kann. Mit seinem einzigartigen Chassis, dem Motor und der Push-Rod-Aufhängung ist der One-77 ein Ereignis, das sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht wiederholen wird. Darüber hinaus verkörpert er in unvergleichlicher Weise den wahren Geist von Aston Martin, wie er hier in Gaydon gelebt wird.

Einen Sportwagen entwickeln oder auf der Rennstrecke triumpfieren – was ist befriedigender?

Rennfahren ist ein Hobby. Die Ingenieursarbeit erlaubt es mir wiederum, dieses Hobby auszuüben. Letztendlich bin ich wohl stolzer darauf, was ich als Ingenieur erreicht habe. Rennfahrer kann schließlich jeder werden, Ingenieur eher nicht.

Fünf Fragen an: Chris Porritt, Aston-Martin-Chefingenieur

Entscheiden Sie sich bitte: Ist ein Aston Martin der ultimative Sportwagen oder der perfekte GT?

Ein guter Grand Tourer ist schwieriger zu realisieren. Und ein Aston Martin sollte immer ein ultimativer GT sein, der Leistung, Komfort und Alltagstauglichkeit vereint. Je mehr Kraft und Leistung ins Spiel kommen, desto mehr muss man natürlich Kompromisse eingehen.

Wie schaffen Sie es demnach als Ingenieur, die charakteristische Marken-DNA über alle Modellreihen hinweg zu erhalten?

Das obliegt auch meinem Team, das fest in der Serienproduktion verankert ist. Und jedes Modell hat seinen eigenen Charakter. Beim DBS steht beispielsweise die Performance im Fokus, beim DB9 eher der Komfort. Im Rahmen dieser Parameter sind unsere Mitarbeiter sehr erfahren, einem Aston Martin das gewisse Etwas mit auf den Weg zu geben – schließlich kennen sie die Modellpalette auswendig. Unser ultimativer Mitarbeiter in diesem Prozess ist natürlich unser Vorstand, Dr. Ulrich Bez.

Text: Steve Wakefield
Fotos: Aston Martin