Ducati Diavel: Der Teufel trägt Pirelli

Ducati Diavel: Der Teufel trägt Pirelli

Letztes Jahr präsentierte Ducati mit seinem grandiosen Modell Multistrada ein wahres Allround-Motorrad, das nicht so einfach zu kategorisieren war. Mit der neuen Ducati Diavel haben es die Italiener 2011 erneut geschafft, die Motorradwelt zu verwirren. Classic Driver hat den talentierten Power-Cruiser getestet.

Wenn man die Diavel – in korrektem Bologneser Dialekt „Devil“ – einordnen müsste, würde das in etwa so aussehen: Cruiser, Drag-Racer, Rennmaschine, Roadster. Nach einem zweiwöchigen Fahreindruck mit einem topausgestatteten, schwarz-roten Karbon-Modell ist es jedenfalls wesentlich einfacher zu sagen, was die Ducati Diavel nicht ist. Sie ist definitiv kein guter Tourer, sofern man beabsichtigt, zu zweit auf dem Bike zu reisen. Nein, die Diavel ist eher ein Cruiser – mit ihrer gezackten Marzocchi-Gabel, dem weit nach hinten gezogenen Lenker, der fließende Tank- und Karosserieform und der niedrige, löffelartige Sitzbank. Alles schließt auf einen authentischen Cruiser im amerikanischen Stil. Und glauben Sie mir, die Diavel sieht in natura noch imposanter aus als auf den Bildern.

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Oder eher Drag-Racer? Beurteilen Sie selbst. In einem unabhängigen Test von MCN beschleunigte die Diavel von Null auf 100 km/h in knapp 3,1 Sekunden. Ducati verspricht einen Sprintwert von 2,6 Sekunden, bis 160 km/h von 6,0 Sekunden und bis 200 km/h von unter neun Sekunden. So schnell in etwa wie der Bugatti Veyron. Man bedenke, dass allein ein Satz Reifen für den Veyron mit rund 12.000 Euro fast so viel kostet, wie die Basisversion der Diavel. Klar ist diese Geschwindigkeit auf einer offiziellen Straße reine Theorie. Doch da ich Zugang zu einer privaten Teststrecke hatte, kann ich nun bestätigen, dass die Beschleunigung dieses Bikes nicht weniger als explosiv ist. Dennoch lässt sich das Motorrad fast spielerisch beherrschen. Es liegt also rein am Fahrer selbst, sich in einigen Situationen im Zaum zu halten.

Die Kraft entsteht in einem 1.198 ccm großen Desmodromic-V-Twin-Motor, wie er bereits aus anderen aktuellen Ducati-Modellen bekannt ist. In diesem Fall wurde die Leistung des Aggregats jedoch auf 162 PS gesteigert. In Kombination mit dem langen Radstand, einem vergleichsweise niedrigen Gewicht von rund 210 Kilogramm und dem riesigen, 240er-Reifen auf der Hinterachse ist es kein Wunder, dass die Diavel auf der Geraden der absolute König ist.

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Rennmaschine? Die Diavel verzögert wie eine Rennmaschine. Die kraftvollen Brembo-Bremsen (mit ABS) sorgen zusammen mit den griffigen Pirelli-Reifen für konsequente Verzögerung. Die Pneus beißen sich förmlich in den Asphalt. Umso beruhigter kann man sich in Richtung Höchstgeschwindigkeit (255 km/h) wagen. Ganz bis zum Anschlag schaffe ich es nicht, das lässt die Teststrecke nicht zu. Doch ich spüre, dass die Diavel bei hohen Geschwindigkeiten Felsenfest die Spur hält. Auf Lenkeinschläge reagiert das Bike dennoch äußerst geschmeidig.

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Es steckt in gewisser Weise jedoch auch ein Roadster in der Diavel. Insofern, dass das Motorrad keine Vollverkleidung hat und man relativ aufrecht sitzt. So lässt sich die Diavel auch entspannt durch die Innenstadt bewegen, unterstützt von harmonischen Gangwechel und drei wählbaren Fahrmodi: „Urban“ für eine sanftere Beschleunigung und maximale Traktionskontrolle – die Leistung wird in dem Fall auf 100 PS gedrosselt. „Touring“ für sanfte Kraftübertragung und mittlere Traktionskontrolle bei voller Leistung. „Sport“ für maximale Performance, direkte Gasannahme und minimale Traktionskontrolle. Fast überflüssig zu erwähnen: Die Diavel klingt wie ein vollwertiges Motorrad klingen soll. Der Sound, der aus dem doppelten Auspuffrohr entweicht, ist nicht weniger als tobend laut. Wie es Ducati geschafft hat, die offiziell zugelassene Dezibel-Marke zu unterbieten, ist mir schleierhaft.

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Oder ist die Diavel doch ein Tourer? Ja und nein. Durch die aufrechte Sitzposition und den ruhigen Geradeauslauf lässt sich die Diavel entspannt auf Landstraßen und Autobahnen bewegen. Der 17 Liter fassende Tank sollte für etwa 150 Kilometer reichen, weniger also als ein vollwertiger Tourer, aber immer noch akzeptabel. Man muss allerdings in einige Accessoires investieren, wie etwa die Tank- und Heckpacktaschen und die Touring-Windschutzscheibe. Ein Ritt an die Côte d’Azur wäre somit denkbar. Jedoch nicht zu zweit. Fahrten mit einem Passagier sollten so kurz wie möglich gestaltet werden. Die sportliche Form des Heckbereichs ging klar auf Kosten der Funktion. Auch die Fußrasten sind zu klein und zu dicht am Auspuff platziert.

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Fazit: Die Ducati Diavel sieht ultra-cool aus. Sie lässt so gut wie alles andere auf Rädern hinter sich. Sie stoppt auf Kommando, lässt sich durch kurvige Straßen geradezu leichtfüßig manövrieren und vermittelt dabei stets ein sicheres Fahrgefühl. Sie ist zudem üppig ausgestattet und würde einen sicher durch Europa tragen, ohne dabei ins Schwitzen zu kommen. Darüber hinaus besitzt die Diavel eine außergewöhnliche Präsents, Charakter und Soul. Zurück zur Kategorisierung: Die Ducati Diavel ist in jedem Fall ein fantastisches Motorrad.

Der Preis für eine Ducati Diavel beträgt 16.690 Euro. Für die Karbon-Variante werden 19.690 Euro fällig. Weitere Informationen finden sich unter www.ducati.de.

Text: Tom Stewart (aus dem Englischen von Jan Richter)
Fotos: Classic Driver



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