Diesel: Audis Rennbenzin

Mit dem Audi R10 TDI haben die Ingolstädter am vergangen Wochenende Rennsportgeschichte geschrieben. Vor einer Rekordkulisse von 235.000 Zuschauern holten die Werkspiloten Frank Biela, Emanuele Pirro und Marco Werner den wohl wichtigsten Le Mans-Sieg für Audi. Es war der erste Triumph eines dieselbetriebenen Rennwagens bei einem 24-Sunden-Rennen! Der zweite Audi-Rennwagen, pilotiert von Dindo Capello, Tom Kristensen und Allan McNish, gelang nach einem turbulenten Rennen mit Rang drei ebenfalls der Sprung auf das Podium.

Der Sieg des Audi-Teams war, abgesehen von den gewöhnlichen Strapazen eines Langstreckenrennens, kein Pappenstil. Beide R10 kämpften teilweise mit heftigen technischen Problemen. So erfolgte ein außerplanmäßiger Boxenstopp in der Nacht um 3:47 Uhr, als sich das Team Joest nach einem Problem mit dem fünften Gang für einen Getriebewechsel entschied. Dafür benötigten die Monteure allerdings nur knappe 10 Minuten!



Der R10 TDI des Teams Capello/Kristensen/McNish, Startnummer 7, lag in der Anfangsphase in Führung, ehe im Verlauf der vierten Stunde die Injektoren auf der rechten Seite des V12 TDI Triebwerks gewechselt werden mussten. Auf Rang 16 zurückgefallen, kämpften sich Capello, Kristensen und McNish mit den schnellsten Rundenzeiten im Feld wieder bis auf Rang drei nach vorne, obwohl es in der Nacht und in den frühen Morgenstunden weitere Rückschläge gab. Durch eine Kollision mit einem GT1-Fahrzeug löste sich der Unterboden und wegen eines defekten linken Turboladers, der gewechselt werden musste, verlor die Startnummer 7 insgesamt fast eine Stunde an der Box. Dass sie es dennoch auf das Podium schafften, verdankten sie nicht zuletzt ihren Mechanikern, die sämtliche Reparaturen ebenfalls in Rekordzeiten ausführten.



Was die 650 PS starken V12-TDI-Rennwagen letztendlich so erfolgreich machte, war der geringe Durst ihres Triebwerks. Im Schnitt mussten die Audi-Piloten nur alle 14 Runden an die Box, um 90 Liter Diesel nachzutanken. Die Konkurrenz, wie beispielsweise die Zweitplatzierten Eric Helary, Franck Montagny and Sebastien Loeb im Pescarolo-Judd C60 (Startnummer 17), mit Ottomotoren musste deutlich früher an die Boxen. Le Mans-Rekordsieger Tom Kristensen fuhr mit 3.31,211 Minuten nicht nur die schnellste Runde des Rennens, sondern war gleichzeitig der erste Pilot, der am Steuer eines LM P1-Sportwagens 16 Runden mit einer Tankfüllung schaffte. Mit 380 Runden gelang Audi zudem ein neuer Distanzrekord.



Platzierungen

1. Biela/Pirro/Werner (Audi R10 TDI) 380 Runden in 24h 04min 47.325sec
2. Helary/Montagny/Loeb (Pescarolo-Judd) -4 Runden
3. Capello/Kristensen/McNish (Audi R10 TDI) -13 Runden
4. Gavin/Beretta/Magnussen (Chevrolet) -25 Runden
5. Minassian/Collard/Comas (Pescarolo-Judd) -28 Runden
6. Enge/Piccini/Turner (Aston Martin) -30 Runden

Text: Jan Richter
Fotos: Audi



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