Deus Ex Machina: Maschinen für die Gods of Cool

Ist Deus Ex Machina eigentlich die lässigste Werkstatt der Welt? Der Custom Motorcycle Workshop aus Sydney baut derzeit nicht nur die heißesten Vintage-Bikes – im kreativ-chaotischen „Deus Temple of Enthusiasm“ entstehen auch Rennräder und Surfboards für Anarcho-Ästheten, Nostalgie-Punks und postmoderne Easy Rider.

Die Kirche der Braungebrannten, Bärtigen, Langhaarigen und Ölverschmierten befindet sich in einem zweistöckigen Art-Déco-Komplex in Camperdown, einem Vorort von Sydney. 2005 gründete Dare Jennings hier seine Motorradmanufaktur Deus Ex Machina sowie den dazugehörigen „Temple of Enthusiasm“ – eine geräumige Werkstatt-Halle mit angeschlossenem Café, Shop, Galerie und Designstudio, die heute als Hangout für australische Petrolheads, Surfer und Hipster jedweder Prägung dient. Jennings hatte mit der Surfwear-Marke Mambo viel Geld verdient und wollte sich ganz seiner Leidenschaft für Motorräder widmen. Doch die modernen Modelle erschienen ihm seelenlos und uninspiriert. Selbst die einst so rebellischen Marken wie Harley-Davidson und Ducati folgten mit ihren Maschinen nur noch den Verwertungsprinzipien von Controlling und Marketing. Zusammen mit drei Gleichgesinnten – einem Grafikdesigner, einem Stuntman und einem erfolgreichen Motorradhändler – verwirklichte sich Jennings deshalb seinen Traum einer unabhängigen Marke.

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Dabei ist Deus Ex Machina kein Produzent von Motorrädern im klassischen Sinn, sondern viel mehr ein Ort, an dem verschiedenste kreative Ströme zusammenfließen und Neues entsteht. Oder besser gesagt Altes. Denn die modernen Maschinen von Yamaha, Kawasaki, Triumph und Harley-Davidson, die im „Temple of Enthusiasm“ von fachkundigen Spezialisten bearbeitet werden, sehen letztendlich oft aus, als wären sie direkt aus den 1940er Jahren herübergebeamt worden. Die visuellen Codes und ästhetischen Grundsätze, nach denen das Deus-Universum funktioniert, stammen ursprünglich aus Japan. In Tokyo hatte Jennings erstmals Jugendliche gesichtet, die ihre modernen Motorräder möglichst authentisch und mit beeindruckender Liebe zum Detail wie klassische Brit-Bikes oder alte amerikanische Flat-Track-Maschinen hergerichtet hatten. Andere Kids wiederum verfolgten den sogenannten „Rat Style“, bei dem die Motorräder so schlecht wie nur irgendwie möglich verbastelt und auf Patina getrimmt wurden. Jennings importierte die japanischen Custom-Trends nach Australien – und hatte Erfolg.

Natürlich könnte man auch die echten Klassiker von Triumph, Norton oder BMW verkaufen – doch die sind für das junge Klientel zu teuer, dazu technisch anfällig und nicht geeignet für den täglichen Einsatz. Die Customizer von Deus Ex Machina dagegen machen sich die fortgeschrittene Technik und Leistungsstärke moderner Motorräder zu Nutze und kombinieren sie frei nach dem Motto der postmodernen Kollage mit klassischen Elementen und Motiven der Pop-, Punk- und Surfkultur. „Man kann bei uns in der Werkstatt auch morgens um elf anrufen, um sich über japanische Wasserfarb-Malerei der Vorkriegszeit zu unterhalten“, scherzt Jennings mit Blick auf den holistischen Anspruch von Deus Ex Machina.

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Allen Beteiligten – dem Team wie den Kunden – geht es schließlich um ihren ganz persönlichen Objekt-Fetischismus. Und der zeigt sich in vielen Ausprägungen. Neben den Motorrädern, die im „Temple of Enthusiasm“ wie sakrale Kunstwerke ausgestellt werden, findet man auch italienische Singlespeed-Rennräder, limitierte Custom-Surfboards, Kunstwerke des japanischen Künstlers Rockin’ Belly Jean und zahllose T-Shirts, Jacken, Biking-Boots und Accessoires. Hauptsache, es macht Spaß und sieht gut aus. Als Firmenwagen und Work Horse dient Jennings übrigens ein Jaguar D-Type – als alltagstaugliche Replika, versteht sich. Die Authentizität entsteht bei Deus schließlich erst im Auge des Betrachters.

Weitere Informationen unter www.deus.com.au.

Text: Jan Baedeker
Fotos: Deus Ex Machina

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