Phillips versteigert Ikonen des Möbeldesigns in New York

Nicht nur klassische Automobile und Uhren, auch Vintage-Möbel erzielen derzeit immer neue Höchstpreise. Am 9. Juni 2015 kommen beim Auktionshaus Phillips einige außergewöhnliche Stücke unter den Hammer. Wir haben den Katalog durchgesehen.

Eames, Jacobsen, Panton, Prouvé – noch nie zuvor waren die Meister des Mid-Century-Designs so beliebt wie heute. Und niemals waren ihre Möbel so begehrt. Doch oberhalb des „Vintage-Massenmarktes“, auf dem die in großen Stückzahlen produzierten Fiberglas-Stühle und Indutrielampen gehandelt werden, gibt es eine Szene von anspruchsvollen und wohlhabenden Sammlern, die sich nur für die besonders seltenen und wirklich bedeutenden Stücke der Designgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts begeistert. Eines der Auktionshäuser, dass sich auf diese exklusiven Klassiker spezialisiert hat, ist Phillips – der nächste „Design Sale“ in New York steht bereits für den 9. Juni im Kalender.

Die Stars der Auktion

Wer den Katalog durchblättert, taucht ein in eine Welt zwischen Design und Kunst, zwischen Möbeln und Skulpturen. Und einmal mehr ist es den Auktionsspezialisten gelungen,  die wirklich besonderen Entwürfe aufzuspüren. Die Stars der Auktion sind zwei paar Sessel: Das petrolfarbene „Ambassador“-Duo wurde von Jean Royère um 1955 entworfen und wird auf 220.000 bis 280.000 US-Dollar geschätzt. Die beiden dunkelgrünen, sanft geschwungenen Mohair-Armsessel aus den 1950er Jahren mit Füßen aus Buchenholz stammen von Carlo Mollino und standen einst im Acotto House in Turin, sie sollen zwischen 180.000 und 240.000 Dollar kosten. Deutlich älter, für seine Zeit aber äußerst eigenwillig und modern gestaltet, ist derweil das geschwärzte Kabinett von Edward William Godwin, das aus den 1870er Jahren stammt, höchstwahrscheinlich bei Collinson & Lock in London gefertigt wurde und von Phillips auf 80.000 bis 120.000 Dollar geschätzt wird.

Exzentrische Stücke

Zu den ungewöhnlichen Stücken der Auktion zählen auch Poul Hennignsens Grand Piano aus Stahl und Plexiglas (um 1931, geschätzt auf 80.000 bis 120.000 Dollar), Serge Mouilles skulpturales Glastischchen „Vrillée“  (circa 1962, 80.000 bis 120.000 Dollar) und die erst 2006 von Studio Job entworfene Ebenholz-Bank „Persihed“, in die per Lasergravur geschnittene Tierskelette aus Ahornholz eingelassen wurden (65.000 bis 85.000 Dollar). Die letzte Grenze zwischen Indutriedesign und Kunst, soweit man diese denn bei dieser Auktion überhaupt ziehen kann, überschreitet schließlich der japanische Designer Nendo mit einer Acryl-Arbeit aus seiner Serie „Scatter Shelf“, die wohl kaum jemals als Regal zum Einsatz kommen wird.

Zwischen Design und Kunst

Zu unseren Favoriten im Katalog zählen derweil Arne Jacobsens Lounge Chair „The Ox“, der um 1966 bei Fritz Hansen in Dänemark produziert wurde und auf 35.000 bis 45.000 Dollar geschätzt wird, und Hans J. Wegners eleganter Swivel Chair (circa 1955, 15.000 bis 20.000 Dollar). Auch die 1958 von Charlotte Perriand für die Cité Cansado in Mauretanien entworfene Mahagoni-Bank mit ihren orangefarbenen Kissen (12.000 bis 18.000 Dollar) oder das lindgrüne Armchair-Trio von Gianfranco Frattini würden sich in der Classic Driver Redaktion mehr als gut machen.

Unsere Favoriten

 

Nur gegen das Daybed von Gio Ponti – ein Prototyp für die „Casa Adatta“ in Mailand aus den frühen 1970er Jahren für rund 6.000 bis 8.000 Dollar – hätte unser Herausgeber wohl aus berufsethischen Gründen ein paar Einwände.

Der Phillips Design Sale findet am 9. Juni 2015 ab 14.00 Uhr in der 450 Park Avenue, New York statt. Den gesamten Katalog der Auktion finden Sie im Classic Driver Markt.