Daimler Telematik: Willkommen in der Daten-Wolke

Daimler Telematik: Willkommen in der Daten-Wolke

Man wird sich den Begriff merken müssen: Always On. Für Mercedes ist er so etwas wie das Leitmotiv für das total vernetzte Auto von morgen, das den von zuhause, vom Büro und nicht zuletzt vom Smartphone gewohnten uneingeschränkten Internet-Zugang nun auch im Fahrzeug bereitstellt. Inzwischen ist die Telematik zum zentralen Informations- und Entertainmentportal im Auto gereift.

Schon für die neue B-Klasse kann die jüngste Weiterentwicklung von des Multimedianavigationssystems Comand Online geordert werden. Sie verwendet das intelligente Handy als Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Internet, und mit der neuen Facebook-App debütiert auch das soziale Netzwerk im Automobil. Damit rücken zwei einst getrennte Welten nah zusammen.

Gemeinsam mit rund 50 anderen Entwicklern arbeitet Thomas Bock in der Mercedes-Denkfabrik in Palo Alto, im Herzen von Silicon Valley, und wie er selbst sagt, nur einen Katzensprung entfernt von den Konzernzentralen von Google und Facebook. Die Nähe zu den Giganten des interaktiven Internets blieb nicht ohne Folgen. Neben Googles „Street View“ oder „Lokale Suche“ war der nächste Schritt, das größte soziale Netzwerk im Auto einzubinden. Über die Facebook-App lässt sich zum Beispiel von unterwegs die Route an die eigene Pinnwand posten und so Freunden mitteilen. Im Interesse der mobilen Sicherheit bietet das Menü allerdings fertige Textmöglichkeiten an.

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Der Zugang zum Netz via Mobiltelefon wird drahtlos durch Bluetooth hergestellt. Der ebenfalls neue Daimler-Vehicle-Backend-Server sorgt nicht nur dafür, dass die Applikationen an die Benutzeroberfläche im Auto angepasst sind, sondern übernimmt auch das regelmäßige Update oder die Neuinstallation aller Apps. Damit orientiert sich der Hersteller nicht nur an den rasanten Entwicklungszyklen der Endgeräte aller Art, sondern nutzt auch das gewaltige Potenzial des Cloud-Computing, der Servergestützen virtuellen Datenwolke, die Daten und Informationen aller Art, Bilder und Musik immer und überall zugänglich macht.

Die gesicherte Datenübermittlung geschieht zudem über eine geschützte Internet-Verbindung per VPN (Virtual Private Network). Nach der B-Klasse wird die jüngste Generation von Comand Online, die auch über eine optimierte Spracheingabe verfügt, auch bei der C-Klasse, dem SLK sowie der M-Klasse eingeführt werden. Wer das optionale Mulitmediasystem im vollen Umfang ordert, muss allerdings rund 2.600 Euro investieren.

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Mitte 2012 debütiert eine andere Anwendung, die ebenfalls das Smartphone ins Zentrum der Telematik rückt. Mit dem iPhone Interface Plus bietet Mercedes den Fans des Apple-Handys eine Option, die nicht nur die Rechenleistung des Mobiltelefons nutzt. Die Ästhetik der kultigen Benutzeroberfläche lässt sich so mit dem Fahrzeugdisplay verbinden, dass die bekannten Animationen wie der auch vom iPod bekannte Coverflow für Musiktitel auftauchen. Dazu wird das Handy, für das es im Handschuhfach eine Halterung gibt, nach einem einfach zu handhabenden Plug & Play-Verfahren mit dem Fahrzeug verbunden. Wie bei Comand Online lässt sich mit dem zentralen Dreh- und Drücksteller auf der Mittelkonsole im Menü navigieren. Selbstverständlich gibt es auch eine eigens designte Mercedes-Applikation, die in Apples App-Store heruntergeladen werden kann. Mit dieser Neuentwicklung, die in der günstigeren Kompaktklasse als Option eingeführt wird, zielen die Stuttgarter bewusst auf die sogenannten Digital Natives, jene Generation der Mitte der achtziger Jahre Geborenen, die mit dem Internet und seinen Möglichkeiten aufgewachsen sind und online leben.

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Aber es gibt da auch noch die Digital Immigrants. Damit sind jene „Emigranten“ ausgemacht, die die längste Zeit im Offline-Modus gelebt haben und sich erst allmählich mit dem Always On-Zustand, der vorher den Geeks und Nerds vorbehalten war, anfreunden. Sie schätzen Bedienkomfort und intuitiv zu erfassende Oberflächen. Aber vermutlich nicht nur sie wird es erleichtern, dass Mercedes-Benz 2013 die sogenannte Near Field Communication (NFC) einführen wird. Dieser internationale Funkübertragungstandard ermöglicht den kontaktlosen Austausch von Daten über kurze Strecken. Damit ist die Verbindung nicht nur sicher, es entfällt auch das umständliche Eingeben von Passcodes, wenn beispielsweise zwei Geräte im Auto miteinander kommunizieren sollen. Bei diesem Pairing genannten Vorgang wird wie Bharat Balusubramanian, Leiter Produktinnovationen und Prozesstechnologien, erklärte, dann nur noch das NFC-fähige Handy gegen die entsprechende Oberfläche gehalten und die Verbindung ist hergestellt.

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Dazu passt eine weitere Entwicklung, die Smartphone und Auto noch besser vernetzt: der MirrorLink. Diese ebenfalls standardisierte neue Verbindungsart sorgt auch bei Comand Online dafür, dass die Display-Inhalte des Mobiltelefons wie spiegelbildlich auf den Bildschirm des Fahrzeugs übertragen werden.

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Zu den weiteren vielfältigen Möglichkeiten der neuen Telematik gehören aber auch schon klassisch anmutende Fahrzeuginformationen wie Tankinhalt und Service-Intervalle, die zuhause vom PC abgefragt werden können. Gleichzeitig sollen sich auch bestimmte Anwendungen ebenfalls aus der Ferne vorkonfigurieren lassen. Schon jetzt kann man via Comand Online zuhause ausgewählte Routen an das Fahrzeug-Navigationssystem schicken.

Text: Alexandra Felts
Fotos: Daimler