Concours d'Elegance in Schwetzingen 2006

Rund 200 klassische Automobile im Barockgarten des Schlosses Schwetzingen stimmten den Wettergott am vergangenen Wochenende milde. So konnten die knapp 20.000 Besucher des 5. European Concours d'Elegance bei Sonnenschein oder zumindest trockenem Wetter die große Vielfalt in aller Ruhe bewundern. Den begehrten Titel ‚Best of Show’ erhielt in diesem Jahr ein Mercedes-Simplex, Baujahr 1904.

„Ein Concours d'Elegance muss zum Flanieren einladen“, so Organisator Johannes Hübner, „deshalb haben wir neben einer großen Vielfalt an Marken und Typen vor allem auch auf gute Musik und Unterhaltung geachtet.“ Insgesamt 74 Automarken der Baujahre zwischen 1904 und 1980 waren in Schwetzingen vertreten, darunter alle je gebauten Monteverdi-Sport-Typen und alle Konstruktionen von Erich Bitter.

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Stars der Show gab es viele: Das Publikum wählte den Bugatti T 38 Grand Sport zu seinem Favoriten, obwohl der American LaFrance des Auto und Technik-Museums Sinsheim mit 46-Liter-BMW-Flugmotor immer wieder dumpf grollend um die Gunst der Zuschauer buhlte. Die hochkarätige Jury fochten derartige Muskelspiele nicht an, sie bewertete strikt nach Originaltreue und Zustand. Der favorisierte Mercedes-Simplex, Baujahr 1904, von Bernd Füsting aus Berlin hätte um ein Haar seinen Sieg verpasst, denn nach den strengen FIVA-Regeln muss jeder Sieger mit eigener Kraft auf's Podest fahren. Anstelle von Füsting, der in Berlin bleiben musste, traute sich der ‚Bugattiste’ Jean Lapp das Fahren zu, assistiert von DEKRA-Juror Klaus-Peter Bender, der zuvor in einer Telefonkonferenz mit Füsting das Anwerfen und Fahren des komplizierten Simplex gelernt hatte. Das Nachsehen hatte dadurch der traumhafte Hispano-Suiza H 6B mit Hibbard und Darrin-Karosserie der Schweizer Familie Haller – sie hätten den ‚Best of Show’ Titel sicher in der Tasche gehabt, wenn der Simplex-Tourer nicht in Gang gekommen wäre.

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Bester Lancia um die ‚Trofeo Centennario Lancia’ wurde ein Flaminia 3 C Zagato prima seria, der noch 1960 erfolgreich an der Lüttich-Sofia-Lüttich-Fahrt teilgenommen hatte. Von den drei extrem seltenen Ferrari 212 von Mario Bernardi machte schließlich das Vignale-Coupé mit Rennvergangenheit aus dem Jahr 1951 das Rennen, obwohl gleich zwei Nash Healey aus der gleichen Periode ihm das Siegen sichtlich schwer machten.



Leider ohne Trophäe blieb ein perfekt restaurierter Citroen 2 CV, obwohl er der geheime Liebling von Organisator Hübner war: „Wir möchten bewusst Meilensteine der Geschichte in perfektem Zustand zeigen“, erklärte Hübner, „die müssen nicht immer von automobilem Adel sein. Doch die Jury entscheidet unabhängig, das ist unabdingbar.“ Das Jurorenteam mit DaimlerChrysler Design-Präsident Prof. Pfeiffer, Designern wie Tom Tjiaarda (USA), Hideo Kodama (J), Jorge Ferreyra (ARG), Anatole Lapine und andere Branchen-Größen im Team mit Dominik Fischlin (FIVA), Experte Peter Kaus oder Daniel Lapp (F) hätten sich da wohl auch schwerlich reinreden lassen. Sie wurden sich auch untereinander einig, die erstmals verliehene Trophäe „Homme d'Honneur“ für besonders ehrenvolle Verdienste um das Automobil an Tom Tjiaarda zu vergeben, welcher der Geschichte u.a. solche Klassiker wie den Chevrolet Rondine und den Fiat 124 Spider Pininfarina geschenkt hat.

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Der 5. European Concours d'Elegance war aber auch gesellschaftlich ein voller Erfolg: zur Jury zählten auch Designerin Gaby von Oppenheim und Wessel von Loringhoven und man sah an diesem Wochenende viele bekannte Persönlichkeiten aus Automobilismus und Gesellschaft in Schwetzingen, die teilweise, wie Toyota Marketingchef Dr. Hartmann, privat mit dem Motorrad vorbeikamen oder, wie Michelin-Pressechef Becki, mit der Familie erschienen.



Die Vielfalt des Programms reichte von zahlreichen Lancia-Raritäten im Rahmen des Jubiläums, über die Präsentation des BMW 328-Stromlinienwagens vom Freiherr von Fachsenfeld und eine ganze Reihe extravaganter Peugeot aus den 30er-Jahren, bis hin zu aktuellen Bentley- und Lamborghini-Kreationen, die vom Hause Forstner aus Stuttgart präsentiert wurden. Zwischen den kraftstrotzenden Stieren aus Sant’Agata präsentierte die Classic Driver Fotografin Nanette Schärf ihre neuesten Werke.

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Die Bildausstellung war das Ergebnis einer Woche Aufenthalt im Heimatland der italienischen Stiere – oder die Klärung der Frage: Was haben Murciélago und Co. mit den Kirchenfenstern, Haustüren, Arkaden und vielen weiteren, automobilfremden Objekten Bolognas gemeinsam. Der zweite Teil der Ausstellung widmete sich einem ausrangierten Lamborghiniwerkskittel, der in den Händen unserer Fotografin ganz neue Bedeutung erhielt – was wäre da passender als ein Bolero des „Matadors-Kittel“! Das Interesse an der Ausstellung war rege und so erntete die Künstlerin großartige Komplemente wie: „…ihre Bilder lassen einen mit einem Schmunzeln auf den Lippen die Fahrt spüren, riechen und schmecken. Das ist was ich in meinem Lamborghini fühle…!“



Ein automobiles Kunstwerk präsentierte der Isdera-Gründer Eberhard Schulz: In Schwetzingen enthüllte er erstmals seinen riesigen „Autobahnkurier“ mit 16 Zylindern und rund 600 PS. Weitere Details zu diesem spektakulären Fahrzeug erfahren Sie bei Classic Driver! Am Ende waren sich alle einig: Beim 6. European Concours d'Elegance in Schwetzingen, am Wochenende des 31. August bis 2. September 2007, sind wir wieder dabei!



Unsere Fotografin Nanette Schärf hat die schönsten Impressionen der Veranstaltung mit ihrer Kamera eingefangen. BITTE KLICKEN SIE HIER ZUR GROSSEN BILDERGALERIE!

Alle Platzierungen des 5. European Concours d'Elegance finden Sie unter www.oldtimer-gala.de in der Rubrik „Neuigkeiten/News“.

Text: Classic Driver
Fotos: Nanette Schärf


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