Collezione Umberto Panini

Panini, bei diesem Begriff denkt jeder sofort an Sammelalben und Fußball. Die Familie Panini ist aber nicht allein für ihre Klebebildchen bekannt, sondern unter Automobilkennern vor allem für ihr einzigartiges Privatmuseum, in dem Sie liebevoll die ehemalige Maserati-Werkssammlung hüten. Wir haben kürzlich im Museumsbestand gestöbert und die 19 Maserati-Klassiker und -Prototypen vor die Linse bekommen.

Wer das Panini-Museum in Modena besucht, wird feststellen, dass es so einiges gibt, was man über die Familie Panini noch nicht weiß. Zum Beispiel, dass der Familien-Verlag auch Faksimile-Drucke von heiligen Schriften und Kinderbücher verlegt. Und, dass sich der Besuch des Museums auch kulinarisch abrunden lässt: Die Halle für die automobilen Schätze ist auf dem Landwirtschaftlichenhof „Hombre“ (www.hombre.it) der Familie errichtet, wo unter anderem Parmesan produziert und im Hofladen verkauft wird.

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Matteo Panini, Sohn des Sammlungsretters Umberto Panini, formulierte einmal sehr charmant: „Wir brauchen 300 Hektar, 500 Kühe und 19 Maserati, um den besten Käse der Welt zu produzieren und Menschen in der ganzen Welt glücklich zu machen.“ Auch die Sammlung der Landmaschinen, die Vater Umberto zusammengetragen hat, ist erstaunlich. Die wahren Schätze dieser Gattung sollen in Form von goldenen Rädern im Käsekeller lagern.

Doch zurück zu Maserati: In der glorreichen Vita der Norditaliener mit dem Tridente im Kühler gab es Zeiten, in denen außer Erinnerungen nicht viel übrig geblieben war vom Glanz vergangener Tage. Die Firma wanderte durch verschiedene Hände, die sie auf ein mehr oder weniger gehobenes Mittelmaß heruntergewirtschaftet hatten. Im Jahr 1993 übernahm Fiat die angeschlagene Sportwagenmanufaktur. Vier Jahre später wurde sie der Tochtergesellschaft Ferrari untergliedert und 2005 wieder dem Fiat Konzern direkt angeschlossen. Mittlerweile knüpft Maserati erneut an Erfolge vergangener Tage an.

Im Laufe der Aufbauarbeit des Konzerns stand die Werkssammlung 1996 kurz vor der Versteigerung. Umberto Panini schlug rettend zu und erwarb die komplette Sammlung. Der Parmigiano-Farmer dürfte die Sammlung damit vor der Zerstückelung gerettet haben. Heute würden ihm Sammler für viele seiner Prachtstücke Millionen bieten.

Vom Maserati Firmensitz im Stadtzentrum in Modena aus fahrend, erreichen wir das Panini-Museum über die Via Emilia Ovest in Richtung Westen und weiter über schmale Straßen bis in die lange Pappelallee des „Hombre“-Hofes. Dort angekommen werden wir freundlich von den Kühen begrüßt und gelangen zum Büro von Signore Matteo Panini. Persönlich führt uns Matteo zu der Halle, in der die wohl weltweit bedeutendste Sammlung steht. Hier stehen die wichtigsten Erfolgsmodelle ab 1936. Der Innenraum ist einer Bahnhofshalle nachempfunden und wurde liebevoll mit Geschichten und Anekdoten gefüllt, die den 19 unvergesslichen Maserati der ehemaligen Werkssammlung Raum spenden. Darunter außerdem weitere elegante Modelle großer Namen, so zum Beispiel ein Stanguellini Rennwagen - aus der Schmiede des Automobil verrückten Paukenbauers aus Modena, viele Motorräder, Fahrräder sowie eine feuerrote Lambretta. Auch einer der gelben Automaten, an dem früher die Klebebildchen gezogen werden konnten, ist hier untergebracht. Umberto Panini hatte einst die Maschine entwickelt, die zum Ausstanzen der Bildchen verwendet wurde. Doch seine Leidenschaft gilt eben den Maschinen, den Autos.

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Der nur 26 Mal gebaute, in europäischen Rennen äußerst erfolgreiche Maserati Tipo 6 CM von 1936 mit einem 1,5-Liter-Motor (175 PS) gewann allein dreimal die legendäre Targa Florio. Der wunderschöne A6 GCS, dessen Kühlergrill Pate für die aktuellen GT-Modelle stand, wurde von Pinin Farina auf Basis des Barchetta-Chassis entwickelt und insgesamt nur viermal gebaut. Die Mille Miglia wurde auf dem A6 GCS dreimal gewonnen. Ein weiteres Prachtstück ist der ebenfalls nur dreimal produzierte 250 F V12 Prototyp von 1957. Sieben Formel 1 Meisterschaften war er im Einsatz. Im Debütjahr 1957 holte Fangio damit den Titel und auch in vielen weiteren Grand Prix war er stets in Führung. Gleichzeitig ist es das Fahrzeug mit dem die erste Frau, Maria Teres de Filippis, einen Grand Prix bestritt.

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Der Tipo 61 und der Tipo 63 Birdcage Streamliner von 1959 bauen auf einer innovativen Rahmenkonstruktion aus 200 Stahlrohren. Der Rahmen hielt das Gewicht der Boliden niedrig und gleichzeitig das Chassis beweglicher. Diese Entwicklung war von großer Bedeutung, weltweit wurden mit beiden Modellen motorsportliche Erfolge eingefahren. Der Tipo 61 wurde 22 Mal gebaut, vom Tipo 63 sind nur vier produziert worden. Das Debütrennen des Tipo 61 im Juli 1959 hat Stirling Moss problemlos für sich entscheiden können. Auch ein Carol Shelby saß bei einigen Rennen hinter dem Volant eines Tipo 61.

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Ein absolutes Einzelstück ist der Maserati 420M/58 „Eldorado Special“, der mit ordentlich Dampf unter der Haube ausgestattet wurde. Mit einem Hubraum von 4.200 ccm leistet sein Triebwerk 410 PS. Stirling Moss katapultierte sich mit dem 420M/58 im Jahr 1958 auf den 1. Platz der 500 Meilen von Monza.

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Genauso stehen hier aber auch die kantigen Modelle der späten 60er, 70er und frühen 80er Jahre sowie Prototypen der 90er – und die müssen unbedingt erwähnt werden. Alle stehen sie hier: der Ghibli, der 4-Türer Maserati Royale, der 3500 GT Touring, der von Giugiaro entworfene Bora, der Khamsin aus der Citroën-Ära, der Mistral, der A6G/54 Allemano und der 5000 GT Allemano. Auch Einzelstücke wie der gelbe Merak Turbo, der Simun von Ghia, der wunderschöne grüne Tipo 124 von Giorgetto Giugiaro, der Barchetta Stradale und der von Marcello Gandini entworfene Chubasco, von dem auf der Galerie auch der weg zum Prototyp beschrieben wird.

Sie merken, es gibt viel zu sehen in dem privaten Maserati-Museum der Familie Panini. Wer das Museum besuchen möchte, muss sich vorher persönlich anmelden unter [email protected] und einen Termin vereinbaren.

Text & Fotos: Nanette Schärf


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