Snapshot, 1959: Eine Flasche Pastis – und jeder Bugatti erstrahlt wie neu!

Warum ein Vermögen in die Restaurierung eines alten Bugatti investieren, wenn man sich die hochwohlgeborene Rostlaube auch mit einer Flasche Pastis schöntrinken kann? Diese Philosophie schien in den 1960er Jahren auch der kanadische Künstler Jean-Paul Riopelle zu verfolgen.

Im Paris der späten 1940er Jahre galt Jean-Paul Riopelle als „Wilder Kanadier“ und lebenslustiger Bohemien. Er umgab sich mit André Breton, Alberto Giacometti, Samuel Beckett und anderen Künstlern der Avantgarde, seine vom Surrealismus inspirierten Action Paintings waren weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Auch jenseits der Kunst liebte Riopelle es stürmisch – Affären, Trinkgelage und schnelle Autos gehörten zu seinem Lebensstil. Zeit seines Lebens besaß er zahlreiche Klassiker, doch besonders die exklusiven Modelle von Bugatti aus Molsheim hatten es ihm angetan. Ein Bugatti 57 Cabriolet mit Karosserie von Letourneur et Marchand und ein Bugatti Typ 57 C Cabriolet von Gangloff gehörten zu seinem Fuhrpark. 1957 schrieb eine kanadische Journalistin, die Jean-Paul Riopelle porträtierte, er rase in seinem Bugatti mit jener Ausgelassenheit und Waghalsigkeit durch die Straßen von Paris, die man auch in seinen Bildern spüre. Auf dem Bild, das der Fotograf Loomis Dean zwei Jahre später für das Magazin LIFE einfing, schien sich der Zustand der Bugatti rapide verschlechtert zu haben – oder hatte Riopelle den Wagen nach einem Unfall kurzerhand zur Bar umfunktioniert?

Fotos: Loomis Dean/The LIFE Picture Collection/Getty Images