Rennlegenden und Hollywoodstars teilen Ihre Erinnerungen an Le Mans

Was war Ihre erste Erinnerung an Le Mans? Wir haben Rennlegenden, Hollywood-Stars und andere Petrolheads am Wochenende beim 24-Stunden-Rennen nach Ihren ganz persönlichen Kindheitserinnerungen an Le Mans gefragt – und spannende Antworten erhalten.

Die 24 Stunden von Le Mans sind eine Legende und gehören zu den gnadenlosesten Rennen der Welt. Seit der ersten Ausgabe im Jahr 1923 bis heute hat der Langstreckenklassiker nichts von seiner Faszination verloren. Es ist und bleibt der Kampf von Mensch und Technik gegen die Zeit. Wer mit dem Rennsport in Berührung kommt, der kommt auch an Le Mans nicht vorbei. Und jeder, der einmal dabei war am Circuit de la Sarthe, hat seine ganz eigenen Erinnerungen an den Mythos Le Mans. Wir haben uns während des Rennwochenendes in der Boxengasse von Porsche und Co. nach den schönsten Geschichten umgehört.

Romain Dumas

Der Porsche-Pilot Romain Dumas – der diesjährige Sieger der 24 Stunden von Le Mans – erinnert sich noch sehr gut an das erste Mal, als er von Le Mans hörte: „Ich bin hier ganz in der Nähe zur Schule gegangen und war mit 16 Jahren dass erste Mal beim 24-Stunden-Rennen dabei. Wir haben uns ein Ticket für die Haupttribüne gekauft und dort auch übernachtet.“ Für den jungen Romain war damals der mehrfache Le-Mans-Sieger Henri Pescarolo der Held schlecht hin. Dass er viel später, im Jahr 2001, selbst einmal die 24 Stunden absolvieren sollte, davon konnte Dumas nur Träumen. „Es war eigentlich ein Zufall, dass ich 2001 für Yokohama in Le Mans in einem Porsche 911 GT3 RS an den Start ging. Die Japaner suchten noch händeringend nach einem Fahrer und fragten mich – so wurde der Traum meiner Jugend wahr.“ In diesem Rennen sollte Romain Dumas gemeinsam mit seinen Teamkollegen Gunnar Jeannette und Philippe Haezebrouck in einer Regenschlacht den siebten Platz in der Gesamtwertung belegen. Dies brachte dem Franzosen seinen Ruf als „Rainmaster“ ein. 

Brendon Hartley

Einen ganz anderen Bezug hat der erst 27-jährige Brendon Hartley, der sich 2015 mit dem Porsche-LMP1-Team die Gesamtsieg der WEC-Rennserie sichern konnte. „Es ist mir fast schon peinlich, aber ich habe mich mit den 24 Stunden von Le Mans erst auseinandergesetzt, als ich wußte, dass ich für Porsche hier starten werde.“ Für den Neuseeländer gibt es keinen Grund, sich zu schämen – belegt er doch mit seinem fahrerischen Können, dass er mittlerweile ein echter Le-Mans-Profi ist. Bei der Vorbereitung auf seinen Einsatz in Le Mans wählte das Talent den wohl besten Weg: „Ich habe mir den Film Le Mans mit Steve McQueen immer wieder angesehen und war fasziniert von der einzigartigen Atmosphäre dieses Ortes“. 

Mark Webber

Hartleys Teamkollegen Mark Webbers erste richtige Erinnerung an Le Mans waren die Rothmans-Porsche 956, die 1982 mit Ickx/Bell und 1983 mit Schuppan/Haywood/Holbert bei den 24 Stunden siegten. Webber hätte sich damals niemals träumen lassen, einmal selbst in einem Porsche zu starten: „Als Teenager kann man sich nicht vorstellen, einmal am Steuer eines Le-Mans-Rennwagens zu sitzen oder in der Formel 1 zu fahren“, verrät uns Mark Webber. Als Ausgleich zum Rennsport liebt es der Australier übrigens, mit dem Fahrrad oder seinem Porsche 356 „Knickscheibe“ auszufahren. 

Hans-Joachim ‘Strietzel’ Stuck

Der zweifache Le-Mans-Sieger Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck ist derweil ein alter Le-Mans-Hase und kann sich noch sehr gut an seine erste Erfahrung auf der Rennstrecke erinnern: „Das war 1969, als ich das Rennfahren anfing. Damals schwärmte mir mein Vater, der lustigerweise nie in Le Mans gefahren ist, vom 24-Stunden-Rennen vor. Von diesem Moment an wollte ich unbedingt einmal in Le Mans starten.“ Schon sechs Jahre später, im Sommer 1975, konnte Stuck sich bereits auf einem BMW 3.0 CSL seinen ersten Le-Mans-Sieg sichern. Seither teilt der erfolgreiche Rennfahrer die Begeisterung für den 24-Stunden-Klassiker mit seinem Vater. Auch an die Gedanken, die ihm Sekunden vor dem Start durch den Kopf gingen, kann sich „Strietzel“ noch gut erinnern: „Jetzt bin ich da in dem Sauhaufen, dachte ich mir. Im Vergleich zur Formel 1 geht es hier ja sehr chaotisch zu. Man reist am Montag an und bleibt für eine ganze Woche. Das Qualifying fand in der Nacht statt. Aber das Alles macht Le Mans ja gerade aus.“. 

Dr. Oliver Blume

Der motorsportbegeisterten CEO von Porsche, Dr. Oliver Blume, kann sich zwar nicht daran erinnern, wie alt er war, als er zum ersten Mal die 24 Stunden von Le Mans als Rennen wahrgenommen hat – doch er weiß noch genau, was ihn damals faszinierte: „Ich fand es fantastisch, dass ein Autorennen auch in der Nacht stattfinden kann. Und ich erinnere mich, wie mich die rasend schnell vorbeiziehenden Lichter der Rennwagen beeindruckten.“ Doch auch für den Porsche-Chef war es der Film „Le Mans“ mit Steve McQUeen, der seine Begeisterung für das französische Rennen erst richtig entfachte. „Es hat mich einfach beeindruckt, wie ein Film, in dem eigentlich nicht gesprochen wird, diese ganz besondere Stimmung des Rennens transportierte. Diese Stimmung macht für mich Le Mans auch heute noch immer ein Stück weit aus. Und daher ist es schon etwas ganz Besonderes, dieses Rennen gemeinsam mit einer Rennlegende wie Hans-Joachim Stuck zu erleben.“

Patrick Dempsey

Für den Hollywood-Schauspieler und Rennstallbesitzer Patrick Dempsey begann dagegen alles mit einem Spielzeugauto: „Ich war ungefähr acht Jahre alt und bekam ein Matchbox-Model des Porsche 917-10 geschenkt. Ich wollte wissen, wo dieses Auto seine Rennen fährt und lernte, dass es neben meiner Version noch weitere gab und diese in einem gewissen Le Mans starten. Ich war von Langstrecken-Rennen also schon früh fasziniert und wollte immer einmal die 24 Stunden fahren, bis ich 2009 tatsächlich das erste Mal in Le Mans an den Start ging. Was für ein unglaubliches Erlebnis das war!“ Der US-Schauspieler erfüllte sich noch einen weiteren Traum und startete 2013 mit seinem eigenen Rennteam Dempsey Racing in Le Mans. Er verpasste einen Podiumsplatz nur um Haaresbreite. „Als ich das erste Mal als Rennfahrer die Boxengasse in Le Mans entlang ging, war ich überwältigt von der Atmosphäre. Teil dieser Renngeschichte zu sein ist unbeschreiblich“. 

Andy Wallace

Der Brite Andy Wallace gewann das 24-Stunden-Rennen 1988 mit dem legendären Silk Cut Jaguar. Für den Le-Mans-Sieger waren Bell und Ickx die Helden seiner Jugend und es war etwas ganz Besonderes, gegen sein Idol im Rennen anzutreten. Seinen ersten Ausflug nach Le Mans unternahm Wallace allerdings schon früher: “Ich war zwölf Jahre als, als ich gemeinsam mit meinem Vater für 35 Pfund im Bus von London nach Le Mans fuhr. Ich wollte versuchen, dass ganze Rennen im wachen Zustand zu erleben – ich war sogar quasi gezwungen, da wir keine Übernachtungsmöglichkeit gebucht hatten. Ich erinnere mich, dass ich auf der Tribüne sitzend einschlief.“ Auch an seinen ersten Start kann sich der in Oxford geborenen Rennfahrer noch sehr gut erinnern: „Es gab 1988 keine Testing und auch keine Schikanen auf der Mulsanne-Geraden. In der ersten Runde  dürfte ich so 320 Sachen auf dem Tacho gehabt haben,  als ich von einem Jaguar und einem Mercedes überholt wurde. Ich wusste nur: In der nächsten Runde muss ich das genauso machen!“ 

Der Rennsport entwickelt sich weiter, jedes Jahr starten Rennwagen mit noch neuerer Technik. Doch letztlich sind es solche persönlichen Erinnerungen, die den 24 Stunden von Le Mans ihre mystische Aura verleihen, von der das Rennen bis heute nichts verloren hat. 

Fotos: Porsche Motorsport, Getty Images, LAT Archive, Jaguar

Was ist Ihre erste Erinnerung an Le Mans? Was haben Sie am Circuit de la Sarte schon erlebt? Schreiben Sie uns Ihre ganz persönliche Le-Mans-Geschichte (wenn möglich mit einem Schnappschuss von damals) an [email protected] - die schönsten Anekdoten veröffentichen wir im Magazin.