Henry Segrave, Gentleman Driver

Wer nach einem Vorbild für den archetypischen Gentleman Driver sucht, sollte einen Blick auf das Leben des Major Sir Henry Segrave werfen.

Geboren in den USA, besaß Segrave eine amerikanische Mutter und einen irischen Vater. Aufwachsen sollte Segrave jedoch in Ireland, in Eton ausgebildet und von der Armee eingezogen werden, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Nachdem er im Nahkampf stark verwundet wurde, kam Segrave als Kampfpilot zur Royal Flying Corps. Das alles geschah noch vor seinem 21. Geburtstag.

Erster Brite, der in einem britischen Rennwagen einen Grand Prix gewann

In der Nachkriegszeit gab ihm seine übereifrige Attitüde den nötigen Spin für den Rennsport, der ihm half, das Auftaktrennen der 200 Meilen von Brooklands im Jahr 1921 zu gewinnen. Noch bedeutungsvoller jedoch war sein Triumph bei Grand Prix von Frankreich im Jahr 1923, den er als erster Brite mit einem Rennwagen "Made in the UK", einem Sunbeam, gewann. Segrave blieb der Marke noch viele Jahre treu und stellte etwa im Jahr 1926 seinen ersten Geschwindigkeitsrekord auf. Seine Ladybird, ein Vierliter-Sunbeam-Tiger, erreichte auf dem Strand des englischen Southport 152 Meilen pro Stunde, gut 245 km/h.

Unaufhörliche Rekordjagd

Doch Segraves Ruhm war nur von kurzer Dauer – sein Rekord wurde sechs Wochen später von dem Waliser J.G. Parry-Thomas, der ihn um ganze 17 Meilen pro Stunde toppte, gebrochen. Doch der unbeugsame Segrave sollte noch im selben Jahr sowohl den Rekordhalter Parry-Thomas, als auch Sir Malcolm Campbell wieder übertreffen, als er als weltweit erster Mensch die 200-Meilen-Barriere (320 km/h) durchbrach. Sein Geschütz war ein über 1.000 PS starker Sunbeam „Mystery“.

Segrave und der Golden Arrow

Das Auto, mit dem Segrave am meisten in Verbindung gebracht wird, ist jedoch der eindrucksvolle Golden Arrow. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich diesem Wagen als Kind im Jahr 1969 das erste Mal im Beaulieu National Motor Museum begegnete. Die wahre Bedeutung dieses Exponats - nämlich dass Segrave vierzig Jahre zuvor mit diesem Wagen eine Rekord-Geschwindigkeit über 370 km/h in Daytona erreicht hatte - war mir nicht bewusst, doch der schiere Anblick des Golden Arrow war so eindrucksvoll, dass ich den Raketenwagen nicht mehr vergessen sollte. Es war übrigens der letzte Versuch des Helden, einen Geschwindigkeitsrekord auf Land aufzustellen: Segrave wurde Zeuge des tödlichen Unfalls von Lee Bible, der mit seinem Triplex Special fast 320 km/h am Ormond Beach in Florida fuhr und dabei verunglückte. Der Unfall passierte nur zwei Tage, nachdem Segrave seinen neuen Rekord aufgestellt hatte.

Vom Land auf’s Wasser

So wendete sich Segrave dem Wasser zu, um sein Verlangen nach Geschwindigkeit zu stillen. Schon nach kürzester Zeit machte er sich einen Namen, indem es ihm als erstem nach neun Jahren wieder gelang, den US-Speed-König Garfield Wood in einem Powerboat-Rennen zu schlagen. Ironischer Weise triumphierte er in genau dem Boot, das schließlich seinen Untergang bedeuten sollte: Nur drei Jahre, nachdem er  sich von der Rekordjagd auf dem Land verabschiedet hatte, kam er in seinem über 3.600 PS starken Powerboat namens Miss England II um’s Leben. Zuvor hatte er auf dem Lake Windermere zwei Läufe in einer Rekord-Durchschnittsgeschwindigkeit von 98,76 Meilen pro Stunde absolviert. Sein Todestag war Freitag, der 13 Juni. Segrave starb im Alter von 33 Jahren.

Fotos: Getty Images / Rex

Dieser Artikel ist Teil der Serie Gentleman Drivers,  die freundlicherweise von EFG International präsentiert und unterstützt wird.