Classic Driver's Guide to the Moon: Wie man einen Lunar Rover fährt

Sie sind auf der Suche nach einem echten „Scheunenfund“? Unberührt sollte er sein, unrestauriert und von der Zeit vergessen? Dann ist der Lunar Rover Ihr Automobil. Nur drei Exemplare sind bekannt. Einziger Nachteil: Sie stehen auf dem Mond.

 

Und in diesem Fall gilt das Angebot ausschließlich für Selbstabholer. Doch die beschwerliche Anreise sollte nicht schrecken – denn der im NASA-Sprech als LRV bezeichnet, allgemeinhin als Mond-Buggy bekannte Weltraumwagen ist definitv eine Automobilikone der Neuzeit. Entwickelt wurde das Lunar Rover Vehicle in den frühen 1970er Jahren für die amerikanischen Apollo-Programme 15, 16 und 17. Am 30. Juli 1971 wurde der gerade einmal 208 Kilogramm schwere Lunar Rover von den Apollo-Astronauten David Scott und James Irwin zum ersten Mal auf der Mondoberfläche zusammengesetzt. Von der Erde aus betrachtet wirkt die Jungfernfahrt wenig spektakulär: Gerade einmal 13 km/h erreicht der Buggy bei voller Beschleunigung. Und selbst die bescheidene Spitzengeschwindigkeit können die Astronauten nicht ausfahren – die Mondoberfläche mit ihren Kratern ist nicht eben genug. Auch konnten die Batterien nicht nachgeladen werden. Und um den Raumfahrern im Falle einer Reifenpanne die Rückkehr zum Mond-Modul zu Fuß zu ermöglichen, war zudem von der Kommandozentrale in Houston die Reichweite beschränkt worden.

 

Classic Driver's Guide to the Moon: Wie man einen Lunar Rover fährt
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Für die Astronauten, die sich auf der Erde gerne mit ihren Big-Block-Corvettes auf der Viertelmeile maßen, muss die Buggy-Fahrt wie in Zeitlupe vergangen sein. Und dennoch beschrieben Scott und Irwin den holprige Ritt später als ein außergewöhnliches Erlebnis – auf dem Mond ticken die Uhren eben etwas anders. Die unbemannten Erben des LRV, die heute auf dem Mars ihre Runden drehen, fahren übrigens noch deutlich langsamer und legen – mit der Agilität einer Galapagos-Schildkröte – gerade einmal fünf Zentimeter pro Sekunde zurück. Im Fahrtenbuch vermerkten die Astronauten eine Fahrtzeit von drei Stunden und zwei Minuten und eine zurückgelegte Entfernung von 17 Kilomteren. Auch die amerikanische Öffentlichkeit mochte die Mond-Buggys: Nachdem die Aufmerksamkeit nach Apollo 11 etwas nachgelassen hatte, war das neue Raumfahrtprogramm plötzlich wieder en vogue. Für die Wissenschaft war der Lunar Rover ebenfalls ein willkommener Helfer – mit ihm ließ sich allerlei Forschungsgerät auf dem Mond herumchauffieren. Sogar das Doppelte seines Eigengewichts konnte das LRV bewegen

 

Classic Driver's Guide to the Moon: Wie man einen Lunar Rover fährt

Um auch bei drastischen Temperaturunterschieden und im Vakuum zu funktionieren, hatten die Ingenieure ein hoch komplexes, nahezu unkaputtbares System konstruiert. Den Lunar Rover zu fahren, war laut einem NASA-Handbuch von 1972 jedoch recht einfach: „Der Mission Commander steuert das Fahrzeug ganz ähnlich wie ein Automobil auf der Erde, allerdings benutzt er einen T-förmigen Steuerknüppel, der mehr an die Steuereinheit eines Flugzeugs denn an ein Lenkrad erinnert.“ Mit dem Steuerknüppel konnte man Beschleunigen, Bremsen und Lenken: Drückte man ihn nach vorn, wurde man schneller. Zog man ihn an sich heran, wurde man langsamer und aktivierte drei Sekunden nach dem Halt schließlich die Park-Position. Um Rückwärts zu fahren, musste man zudem einen Rückwärts-Knopf drücken. Das iDrive von BMW ist schwieriger zu bedienen. Zudem war der Lunar Rover mit Kompass, Höhenmesser, Tachometer (bis 20 km/h), Reichweitenmesser, Sonnenschattenmesser, sowie zahlreichen weiteren Monitor- und Warnsystemen ausgestattet, die noch heute mit jeder Mittelklasse-Limousine mithalten können.

Nachdem die drei Exemplare ihre Aufgabe erfüllt hatten, wurden Sie auf dem Erdtrabanten zurückgelassen, um zu verstauben – oder auch nicht, denn es gibt dort oben ja keinen Wind, der den Staub verteilen könnte. So wartet das ungewöhnliche Trio vakuumkonserviert auf seine Abholung. Neben der Abholung gibt es allerdings noch ein weiteres Problem – den Preis. Die Entwicklungsfirma Boeing erhielt 1971 für den ersten Lunar Rover bereits 38 Millionen US-Dollar von der NASA. Wir tippen deshalb ganz stark auf „Preis auf Anfrage“.

 

Weiterführende Links

Sie möchten im Ernstfall vorbereitet sein? Das NASA-Handbuch zum Lunar Rover Vehicle 3 von 1971 finden Sie unter www.hq.nasa.gov.

 

 

Fotos: Getty Images