Classic Driver Leser und ihre Automobil-Highlights 2003

Das Jahr 2003 war aus automobiler Hinsicht ein absolutes Highlight. Die Hersteller überschlugen sich förmlich bei der Vorstellung neuer Modelle im Luxus-Segment. Viele neue Veranstaltungen, wie beispielsweise die Rallye Wien-Triest, konnten sich 2003 etablieren und haben nun einen festen Platz im Terminkalender. Michael Schumacher wurde erneut weltbester Fahrer in der Königsklasse des Motorsports. Classic Driver schrieb das erfolgreichste Jahr seiner Firmengeschichte.

Kurz vor Jahreswechsel fragten wir unsere Leser nach ihren ganz persönlichen automobilen Highlights des Jahres 2003. Einige der schönsten Zuschriften sehen Sie hier:

Philip Leemans schrieb...

„Track Days at the Nurburgring, 24/7 '03.

I quickly fastened my 5-point seatbelts, and we were off. The driver was fully pumped up, he had waited for this moment the whole day. After the exit of the pits, the revs went up and so were my 'chickenpocks'. The sound of that 12 cylinder is even better from the inside. The accelleration was beond my expectations, I never thought an old car could be so quick. At the straight, the revs went up to 8000 rp/m, and for three laps, I was the happiest man on the planet.

Philip Leemans, passenger in a 250 SWB Ferrari“

Jörg Maschke schrieb...

„Nun gut, da war natürlich die TechnoClassica mit wunderschönen Begebnungen, sei es aus automobiler und auch menschlicher Sicht. Die IAA war sicherlich auch nicht schlecht, besonders war dort natürlich der Blick in den Bereich Mercedes GUARD mit den gepanzerten Fahrzeugen. Das absolute Hihlight aber war der Besuch bei AMG in Afalterbach.“

Tobias Ueberschaer schrieb...

„Mein persönliches Autoerlebnis fand am Anfang des Jahres statt. Am 2. Januar 2003 habe ich mir einen Wunschtraum erfüllt und mir einen Rolls-Royce gekauft. Genauer gesagt: einen Rolls-Royce Silver Shadow I aus meinem Geburtsjahrgang 1971.

An sich hatte ich mir geschworen: nie mehr englische Oldtimer! Ein gebranntes Kind scheut das Feuer und nach dem 3. Austauschmotor in meinem XJ6 Serie 2 hatte ich es einfach satt. Lange hielt ich mich dann mit diversen Mercedes und Alfa aus den 60ern und 70ern über Wasser, aber umgedreht habe ich mich immer nach den Engländern...

Im Sommer 2002 - ich war gerade zwecks sportlicher Betätigung auf meinem Fahrrad unterwegs - kam ich an einem Autohändler vorbei, der einen 107er SL auf dem Hof stehen hatte. Ich hielt an, um mir den Wagen anzusehen, immerhin ist auch dieses Auto einer meiner Favoriten. Als ich in die Halle des Verkäufers kam, musste ich schon staunen: eine wirklich prächtige Sammlung hatte der Gute da stehen, unter anderem einen schwarzen Porsche 911-Werkstestwagen von 1984 mit über 350 PS und kaum 10.000 Kilometern, einem bildhübschen 280 SEC Flachkühlercoupe von 1968, einem Lancia Delta Integrale und einem DKW von 1936 mit Holzaufbau. Und eben einem Rolls-Royce Silver-Shadow. Genau mein Auto: 2-farbig mahagonibraun über elfenbein, mit feinem vanillefarbenen Leder, Linkslenker und einigen, wie ich mittlerweile weiß, seltenen Ausstattungsmerkmalen wie Kopfstützen vorne und von innen verstellbaren Außenspiegeln. Der Wagen stand nicht zum Verkauf.

Kennen Sie das, wenn es im Kopf anfängt zu kribbeln, wenn man fieberhaft nach Argumenten sucht, die GEGEN einen Kauf sprechen, wenn man die imaginären Diskussionen zuhause mit unschlagbaren Argumenten FÜR einen Kauf vorbereitet, wenn man die Nummer des Scheidungsanwalts heraussucht, wenn man merkt, dass man gerade dabei ist, sicherlich einen riesigen Fehler zu machen - und das alles innerhalb von 10 Sekunden?

Die Verkaufsverhandlungen zogen sich über ein halbes Jahr hin. Schließlich und endlich - am 2. Januar 2003, erwarb ich den Wagen und fuhr ihn bei strahlendem Wintersonnenwetter nach Hause.

Ich weiß: das klassische Traumauto ist der Wagen nicht - heute will jeder einen Roadster, klein, knackig und am besten ohne Dach. Ich sehe das anders. Die Kühlerfigur ist der entscheidende Punkt. Aber nicht der einzige. Die herrschaftlichen Sitze, die hohe Sitzposition, die ellenlange Motorhaube, in der sich die vorbeiziehende Umgebung wiederspiegelt. Der opulente Chromzierrat, die detailverliebte Verarbeitung, der unwiderstehliche Eindruck von Geborgenheit und Luxus, wenn man im Innenraum Platz nimmt und nur Holz, Leder und Chrom sieht. Der Duft! Der Duft von Leder, Holz und Wachs. Das Gefühl, in Buckingham-Palace zu weilen, wenn die schwere Tür sanft und sicher ins Schloß fällt. Das beruhigende Gefühl der Microschalter, die satt und solide clackend dem Benutzer signalisieren, daß sie funktionieren und auch in 200 Jahren noch funktionieren werden. Die elektrischen Goodies, die - hallo, ich bin doch in einem englischen Auto - allesamt funktionieren und Sitze, Fenster und Antenne von Geisterhand bewegen und der majestätische Gesamteindruck, dem sich keiner entziehen kann. Auch schätze ich, daß der Wagen freundlich von der Umwelt aufgenommen wird. Neid ist selten, lächelnde Gesichter sieht man oft, das Auto scheint insbesondere bei Frauen nicht schlecht anzukommen.

Und erst das Fahren: wie Urlaub! Normalerweise bevorzuge ich offene Sportwagen aus dem Stuttgarter Raum, die sicherlich viel Freude bereiten, aber anstrengend sind. Auch ist es mittlerweile schlicht und ergreifend so, dass der Neid vieler anderer Verkehrsteilnehmer die Freude am Fahren vergällt. Zuviele fühlen sich provoziert oder herausgefordert, wenn man auf der Autobahn fährt und im Rückspiegel auftaucht.

Nicht hier. Niemanden - und ich meine niemanden - stört es, wenn ich geschmeidig und majestätisch von der rechten Spur auf die linke Spur ziehe, um z.B. einen LKW zu überholen. Der Spurt von 90 auf 120 wird gemächlich zelebriert und weder M 5, noch SL, noch Calibra und Consorten wedeln mit der Lichthupe, die ausnahmslos jedes andere Auto bei einem derartigen Manöver zwangsläufig zu spüren bekäme. Eine halbstündige Fahrt mit meinem Rolls-Royce ist so entspannend wie ein halbstündiges Vollbad, ich schwöre! Ich könnte 200 fahren - aber warum sollte ich?

Der Unterhalt des Wagens war das einzige Fragezeichen auf meiner Liste. Aber Rölls`chen (so nenne ich ihn, meine Frau verdreht jedesmal die Augen - zu Recht) hat mich noch nie enttäuscht. Er wird ausgiebig gepflegt und - das ist mein Trick - quasi jeden Tag gefahren. Ich benutze das Auto täglich, um ins Büro zu kommen, manchmal besuche ich auch Kunden damit und zweimal war ich mit ihm in Südfrankreich. Das ist zwar nicht billig, aber auch nicht teuer - und der Erholungs- und Entspannungseffekt ist ohnehin nicht zu bezahlen. Was verbraucht der Wagen? Ich habe nie nachgerechnet.

Nur eines ist schade: ich kann nie hinten sitzen, dies ist schlichtweg der schönste Platz im Wagen. Meine Frau weigert sich, mich zu fahren und ansonsten lasse ich niemanden ans Steuer. Nur einmal hatte ich das Vergnügen, eine Weile im Fond zu weilen - auf den ADAC wartend, der mich zur Werkstatt schleppen mußte. Auch eine Rolls-Royce Benzinpumpe geht mal kaputt. Es war die einzige Fehlfunktion seit 20.000 Kilometern.“