Bugatti & Ferrari: Treffen im Burgund



Nachdem die Tore des Bugatti-Werks für immer geschlossen wurden, wussten viele Bugatti-Kunden nicht so recht, für welche Automarke sie sich entscheiden sollten. Allerdings zeichnete sich dann relativ schnell, ab welcher Hersteller sie sich zuwenden würden – nämlich für die damals noch sehr junge Firma Ferrari. Doch anfangs gab es keinen Club in Frankreich, der beide Automarken und ihre Besitzer vereinte. Der einzige Zusammenschluss von Bugatti und Ferrari Enthusiasten war ein kleiner französischer Ableger der Bugatti and Ferrari owner´s of Great Britain. Es war es nur eine Frage der Zeit, bis sich ein vollwertiger französischer Club formierte. Dies war die Geburtsstunde des „French Bugatti and Ferrari Owner´s Club“. Zu den Treffen kamen Besitzer von Bugatti und Ferrari gleicermaßen anwesend. Das war in den sechziger Jahren.


250 GT TdF, 375 MM Belinetta PF, 250 GT Berlinetta SWB, Ferrari 250 MM Spider Vignale


Im Laufe der Zeit entwickelte sich Ferrari allerdings zu einem schnell wachsenden Unternehmen, dessen Produktionszahlen stetig anstiegen. Dieses Wachstum wirkte sich negativ auf den Zusammenhalt beider Marken unter einem französischen Clubdach aus, so dass im April 1967 der „Club des propirétaires de Bugatti“ und ein Jahr später der „Club des propirétaires de Ferrari“ gegründet wurden. Trotz dieser Aufspaltung waren einige der Gründungsmitglieder in beiden Clubs vertreten. Unter anderem Paul Badre, Pierre Bardinon, Jess Pourret und Philippe Vernholes.



In den Jahren 1968 bis 1974 gab es auch Treffen der Clubs, bei denen sowohl Ferrari als auch Bugatti anwesend waren. Doch 1974 endeten diese gemeinsamen Treffen. Dreißig Jahre später hatten die Mitglieder des „Club Bugatti France“ die Idee, wieder ein gemeinsames Treffen beider Marken zu planen.



Der „Club Bugatti France“ hat diese Idee in die Tat umgesetzt. Vom 3. bis zum 6. Juni folgten cirka 80 Besitzer aus Frankreich, Belgien, Groß Britannien, den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz und Spanien der Einladung, sich mit Ihren Bugatti und Ferrari auf den Weg nach Beaune im Burgund zu machen. Es war schon eindrucksvoll, diese vielen Bugatti Typ 22, 30, 35, 35B, 35C, 37, 37A, 40, 43, 44, 57 und 57S bei der Einfahrt in das „Hospices de Beaune“ zu bestaunen. Nicht minder atemberaubend waren die Ferrari die der Veranstaltung beiwohnten. Modelle wie: 250 GT Berlinetta SWB, 250 GT Lusso, 250 California Spider, 250 GT TdF, 500 TR, 375 MM, 166 MM Barchetta Touring, 212 Inter Barchetta Touring, 250 MM Spider Vignale, 275 GTB, 365 GTB/4 Daytona, 330 GTC und viele andere.



Der Startschuss für die Rallye fiel am 4. Juni vor dem Hotel Panorama, das auch gleichzeitig Herberge für die meisten Teilnehmer und ihrer mobilen Schätze bot. Den ersten Rallyetag führte die edle Karawane etwa 200 Kilometer durch reizvolle Landschaften. Nach einigen Minuten passierten die Fahrer das berühmte Chateau de la Rocheport. Das Anwesen von Regnier Pot, Ritter des Goldenen Vlieses und Haushofmeister des Herzogs von Burgund, Philippe le Hardi. Diese zum Ende des 17. Jahrhunderts gebaute Burg wurde während der französischen Revolution 1789 zerstört und blieb dann verlassen. Später wurde dann gekauft und mit Akribie erneut im Stil des 15. Jahrhunderts wieder errichtet.



Das Mittagessen wurde im wunderschönen Chateau de La Ferte serviert, bevor die Tour nach einem schönen, erlebnisreichen Tag zu Ende ging. Das Abendprogramm fand im Chateau du Clos de Vougeot statt.


Bugatti Type 37


Der Tourplan für den Samstag sah eine weitere Ausfahrt von 200 Kilometern Länge in nord-westliche Richtung vor. Wieder wurden die Teilnehmer an eindrucksvolle Landschaften und Orte geführt. Darunter: La Bussiere und Chateauneuf, ein hübsches kleines Dorf mit einer Burg, gelegen an einem Gebirgsausläufer. Die das Dorf dominierende Burg ist im 12. Jahrhundert von Philippe Pot Seigneur von La Rochepot erbaut und im 15. Jahrhundert erweitert worden. 1936 wurde die Burg dem französischen Staat von der Familie De Vogüe gestiftet. Eine kurze Verweildauer ermöglichte es den Fahrern, die Burg zu besichtigen oder einen Drink in einem der kleinen Cafes zu sich zu nehmen. Es ist unnötig zu erwähnen, wie großartig die geparkten Ferrari und Bugatti vor der Kulisse dieses Ortes auf die Zuschauer wirkten. Diese Eindrücke erklären auch die Herzlichkeit mit der die Wagen begrüßt wurden. Man sah viele Köpfe unter Motorhauben verschwinden, den Motor bestaunend und vernahm den Ausruf: "Belle Voitures".



Pause vorbei! Die Tour wird fortgesetzt! Die Route führt am Chateau de Commarin vorbei. Diese im 12. Jahrhundert gebaute Burg, wurde im 15. Jahrhundert zur Festung umgebaut, die mit sieben Türmen und einem tiefen Burggraben bewehrt wurde. Zwischen 1710 und 1720 wurde das Chateau umgebaut, wobei viel Wert darauf gelegt, wurde auch den mittelalterlichen Stil beizubehalten. Seit dem 18. Jahrhundert, ist dieses Kleinod im Besitz der Familie De Vogüe. Hier entstand auch eine spektakuläre Fotostrecke, die Sie in der Fotogalerie weiter unten betrachten können – mit bestem Dank an die Familie De Vogüe, die dieses Shooting ermöglichte.


Bugatti Type 57 Atalante



Nur eine Stunde später, nach kurzer Fahrt erreichte die Karawane Chateau de Thoisy la Berchere zum Mittagessen. Diese Burg wurde im 11. Jahrhundert erbaut und im 15. Jahrhundert von italienischen Künstlern neu erbaut. Auch bot sich wieder das Bild der aneinandergereihten Ferrari und Bugatti, die vor dem Schloss geparkt wurden – einer teuren Perlenkette gleich.

Die Tagestour endete wieder in Beaune via Missery, Percy sur Thil, Semur en Auxois, Posanges, Pont de Pany, Vallee de l´Ouche, Detain, Burant und Savigny les Beaune. Die Abendveranstaltung fand im Caves de l´Abbaye statt.

Der letzte Tag der Veranstaltung begann mit einer Ausfahrt in nördliche Richtung durch ländliche Ortschaften wie Nuits Saint G und Changey mit einer kurzen Unterbrechung in dem berühmten Ort Cote d´Urcy. Diese Strecke war in den 50er und 60er Jahren bekannt als das Urcy-Bergrennen. Dieses Bergrennen belegte zu dieser Zeit in der Liste der europäischen Bergrennen, gemessen an der Anzahl der Zuschauer, der Anzahl der teilnehmenden Wagen und dem internationalen Ruf bei Rennfahrern, den ersten Platz. In Urcy starteten viele Ferrari ( 250 GT TdF, SWB Berlinetta, Carlifornia, GTO....) neben anderen bekannten Marken.



Die Bugatti-Ferrari Wiedervereinigung fand ihr Ende auf der ehemaligen Formel 1 Grand-Prix-Strecke Dijon-Prenois. Dort hatten die Teilnehmer vor dem Abendessen noch einige Runden zu drehen. Doch dann war es Zeit "Auf Wiedersehen" zu sagen.

Diese Veranstaltung war ein herausragendes Ereignis. Ein großes Dankeschön an den French Bugatti Club für die Idee und Umsetzung einer großartigen Veranstaltung. Ich möchte persönlich Marc Gosselin und seinem gesamten Team danken, die sehr gute Arbeit geleistet haben. Auch bedanke ich mich bei meinem Freund Pierre Coquet für seine liebenswürdige Unterstützung.



Text & Bild: Helmut Schnug / Classics in Camera
Aus dem Englischen: J. Philip Rathgen