Buchtipp: Dean Jeffries

Typen wie ihn gibt es nur in Kalifornien: In den 1950er Jahren war Dean Jeffries einer der Ersten, die Flammen und Rallyestreifen auf Indy-Rennwagen und Hot Rods lackierten. Berühmt wurde er jedoch durch seine wilden – und heute noch legendären - Spezialanfertigungen für Hollywood. Nun hat Motorbooks dem Custom Car Designer und Stunt Koordinator ein äußerst vergnüglicher Bildband gewidmet.

Dean Jeffreys wurde 1933 in South Central Los Angeles als Sohn eines Automechanikers geboren. Doch das Handwerk seines Vaters erschien ihm bereits als Kind ein wenig zu „ölig“ – weitaus mehr Faszination übte ein Karosserie- und Lackierbetrieb in der Nachbarschaft aus, in dem der junge Jeffries seine Nachmittage verbrachte. Mit 17 Jahren wurde er vom Militär eingezogen und nach Deutschland versetzt. Hier sah er zum ersten Mal Männer, die ihre Motorräder mit Schmucklinien und anderen Motiven verzierten. Zurück in Los Angeles begann er, die im amerikanischen als „Pinstriping“ bezeichneten Karosserie-Dekorationen zum Geschäft zu machen. Einer der ersten Kunden war James Dean, auf dessen Porsche 550 Spyder er „Little Bastard“ schrieb – jenen Spitznamen, den Dean am Set von „Giganten“ erhalten hatte. Auch Steve McQueen und Elvis Presley gehörten zu seinem Klientel. Mitte der 1950er Jahre fertigte Jeffries auch sein erstes „Custom Car“ auf Basis eines günstig eingekauften Porsche Carrera, dem er eine komplett neue Frontpartie ansetzte.

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Über den Rennfahrer und Indy-500-Gewinner Troy Ruttman, der in der selben Straße wohnte, kam Jeffries mit dem Motorsport in Kontakt. Bis in die frühen 1960er Jahre bemalte er zahllose Indy-Rennwagen, in einer Saison gingen 21 von 33 Autos mit Grafiken von Jeffries an den Start. Auch Carroll Shelby, der 1962 gerade mit seiner ersten Cobra aus Europa zurück kam, wurde auf den erfolgreichen Pinstripper und Karosseriebauer aufmerksam. Jeffries überarbeitete die Cobra, optimierte und lackierte die Aluminium-Karosserie – doch Shelby hatte noch kein Geld, um die Arbeiten zu bezahlen. Auf der Suche nach einem Investor wurde die neue Cobra auch zu Ford transportiert. Nach einer ersten Testfahrt war Ford begeistert, wollte jedoch noch weitere Exemplare zu sehen bekommen. Also verbrachte Jeffries die Nächte in der Lackiererei, um jeden Morgen eine offensichtlich neue Cobra zu präsentieren. Nach der fünfen Variante hatte Ford genug gesehen und stieg ein.

Seinen Durchbruch als Customizer feierte Jeffreys dagegen, nachdem er aus zwei Vorkriegs-GP-Maserati, die im Garten seines Stiefvaters vor sich hin rotteten, einen ultra-futuristischen Hot Rod zusammenbastelte – den Mantaray. Mit einem Sieg bei der Oakland Roadster Show und der Titelgeschichte im Hot Rod Magazine hatte Jeffreys seine Ziele erreicht. Doch es fing gerade erst an. Ein Film- und Fernsehproduzent hatte den Mantaray gesehen und 1964 für die Teenie-Komödie „Bikini Beach“ auserkoren. Doch Frankie Avalon, der Hauptdarsteller, war kaum in der Lage, eine Automatik zu fahren – geschweige denn einen Maserati-Grand-Prix-Rennwagen mit Handschaltung. So saß letztlich Dean Jeffries am Steuer – und knüpfte in den Drehpausen die ersten Kontakte in Filmgeschäft. Kurze Zeit später fertigte Jeffries von Autos über Trucks und Boote bis hin zu Flugzeugen alles, was in Hollywood gebraucht wurde.

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Wer zwischen den 1960er und 1980er Jahren die amerikanische Film- und Fernsehlandschaft verfolgt hat, dürfte zumindest eine von Jeffries Kreationen kennen. Zu den berühmtesten Custom Cars gehörte etwa das Monkeemobile, die Black Beauty aus der TV-Serie „The Green Hornet“, der Moon Buggy aus dem James-Bond-Spektakel „Diamonds are Forever“, den Trolley für die Comic-Verfilmung „Who Framed Roger Rabbit?“ sowie eine ganze Reihe von Dune Buggies, die Jeffries in allen Farben und Formen produzierte. Auch für die Entwicklung des Batmobils für die Sechzigerjahre-TV-Serie war Jeffries ursprünglich eingeplant, doch als dieser nicht schnell genug reagierte, bekam George Barris den Job. Mit Barris verbindet Jeffries im Übrigen eine geradezu filmreife Hassbeziehung: So gibt es kaum ein Hollywood-Mobil aus den letzten 50 Jahren, bei dem die beiden nicht um die tatsächliche Urheberschaft streiten. Auch die Gegensätzlichkeit der Charaktere – der Selbstdarsteller Barris, der zurückgezogene Jeffries – wäre die perfekte Grundlage für eine Leinwandfassung im Retro-Stil.

Ob Drehbuch-Autor oder Petrolhead – wer sich genauer mit der Legende Dean Jeffries auseinander setzen möchte, kommt an Tom Cotters Bild-Biografie „Dean Jeffries: 50 Fabulous Years in Hot Rods, Racing & Film“ nicht vorbei. Das englischsprachige Buch ist bei Motorbooks erschienen und kann über den Online-Shop des Verlages direkt bestellt werden.

Text: Jan Baedeker
Fotos: Motorbooks



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