Brabus Widestar

Darf es bei Ihrem Mercedes ein wenig mehr sein? Dann sind Sie bei Brabus an der richtigen Adresse. Seit bald 30 Jahren verpassen die Bottroper den Stuttgarter Sternwagen wirksame Kraftkuren – optisch wie technisch. Neuestes Kraftwerk ist der Brabus Widestar auf Basis des aktuellen Mercedes-Benz ML 63 AMG. Und der sorgt mit 550 PS und 23 Zoll Rädern für breites Aufsehen – nicht nur an Rhein und Ruhr.

Classic Driver macht Schicht: Auf einer ungewöhnlichen „Bollerwagentour“ durch den Kohlenpott fördern wir die wahren Werte des Brabus Widestar zu Tage. Die Breitversion auf Basis des Mercedes ML 63 feierte im Frühjahr auf dem Genfer Auto Salon 2007 ihre Weltpremiere und fand prompt einen ersten Käufer: Das Showcar verkaufte sich bereits wie von selbst im Genfer Rampenlicht. Brabus legte rasch nach und stellte für Classic Driver einen frischen Widestar mit einer Handvoll Überführungskilometern auf das Werksgelände in Bottrop zur Streife durchs Revier bereit.

Brabus WidestarBrabus Widestar

Geht es nach Brabus, dann ist der Widestar „sportlich-dynamisch, exklusiv und leistungsstark“. Dank hauseigener Leistungssteigerung der Typisierung B63 S um 40 PS gegenüber dem AMG Modell fördert der Widestar immerhin maximal 550 PS, entsprechend knapp 405 Kilowatt, aus den beiden Flözen der Zylinderbänke über die Kurbelwelle und dem 4Matic-Antrieb auf den Asphalt. Brabus hat das bullige Achtzylinder-Triebwerk mit Sportluftfiltern und staudrucksenkenden Hochleistungsmetallkatalysatoren sowie einer neu programmierten Motorelektronik mit speziellen Kennfeldern für Zündung und Einspritzung ausgerüstet, allesamt eher behutsame Eingriffe gegenüber mechanischer Hubraumerweiterung und Nockenwellentausch. Dennoch zeigen diese Modifikationen Wirkung.

Brabus WidestarBrabus Widestar

Auch das maximale Drehmoment klettert: von 630 auf jetzt 650 Newtonmeter. Diese Leistungsschübe sollen unter dem Strich bewirken, dass der Brabus Widestar im Sprint auf Tempo 100 die fünf Sekunden Marke knackt und mit 4,9 Sekunden bei dieser Pflichtübung aus dem Ring steigt. Die Höchstgeschwindigkeit reicht aus, um an allen herstellerseitig begrenzten Mercedes-Benz Fahrzeugen vorbeizuziehen. Denn die sind bei 250 km/h abgeregelt. Der Widestar indes läuft laut Brabus 275 km/h Spitze. Noch einmal kurz zur Erinnerung: wir sind hier in der Fahrzeugkategorie SUV.

Brabus WidestarBrabus Widestar

Geht es nach uns, dann kommt vor diesen technischen Merkmalen zunächst einmal der optische Auftritt des Brabus Widestar. Und der ist – gelinde gesagt – wuchtig bis wild. Widestar klingt in Anbetracht 30 Millimeter Tieferlegung, ausgestellter Kotflügel, Schürzen und Türaufsatzteile wie ein Euphemismus. Der Brabus baut in seiner Optik massiver denn je in die Breite. Man hätte ihn auch Wide Watcher nennen können. Denn er ist auch dank Frontspoilerstoßstange mit den drei markant geformten Kühllufteinlässen und vier integrierten Zusatzscheinwerfern sowie einer Diffusorheckschürze und vier Chromendrohren nebst Heckspoiler nicht zu übersehen. Fahrer dieser Wuchtbrumme sollten deswegen mit einem nicht weniger robustem Ego ausgestattet sein. Wer hier nicht ausreichend Präsenz zeigt, wird vom Brabus Widestar einfach geschluckt. Wie von einem schwarzen Loch. Da wir schon beim Thema sind: Eine extra breite Garage wäre für den Eigentümer eines solchen ML auch nicht schlecht. Am besten passt sicher eine großflügelige Doppelgarage, dann bleibt neben dem Widestar noch genügend Platz für zwei Fahrräder – der CO2-Bilanz dieser Fahrzeugflotte zu liebe.



Wir fahren ab - ins Herz des Ruhrgebietes. Überraschung Nummer eins: Der Widestar läßt sich wunderbar leicht durch den Verkehr bugsieren. Er hängt brav und verläßlich am Gas, bremst sauber auf Befehl, muckt nicht herum, sondern macht in jeder Situation genau das, was der Fahrer verlangt. Der Siebengang-Automat teilt den Kraftfluß kaum spürbar in einen kraftvollen Strom. Aufgrund der optischen Präsenz des Widestar halten zudem alle anderen Verkehrsteilnehmer ehrfurchtsvollen Sicherheitsabstand. Den Rest erledigen Servolenkung und Augenmaß. Und so kommen wir spielend leicht überall durch - fast wie mit einem Brabus Smart. Überraschung Nummer zwei: Die Akustik des Widestar ist dezenter als es die Optik verheißt. Innen wie außen krawallt der Brabus nicht, sondern wummert entlang des Drehzahlbandes souverän im Baßspektrum - eine durchaus wohltönende Akustik-Massage.



Wir geben Gas: die Autobahnen im Ruhrgebiet sind zwar keine Rennstrecken, dennoch liefern sie neue Eindrücke. Der Widestar hämmert auf Schlag nach vorne. Die linke Spur ist dank martialischer Rückspiegelerscheinung längst von allen Hindernissen geräumt. Freie Fahrt. Aufgrund deutlich breiterer Spur und dem Luftfederfahrwerk folgt der Widestar sportlich und sicher zugleich dem Straßenlauf. Nur äußerst spitz und scharf gefahrene Kurven entlocken dem Widestar die sonst für Geländewagen typischen Wank- und Nickbewegungen. Die Bremsen halten zudem alles im Griff. Auf Kundenwunsch wird der Brabus Widestar mit einer Hochleistungsbremsanlage ausgestattet, die diesen Namen auch verdient. Es handelt sich dabei an der Vorderachse um eine 12-Kolben Aluminium-Festsattelkonstruktion. Vorne rotieren innen belüftete und gelochte 380 x 36 Millimeter große Scheiben, hinten stoppen immerhin 355 x 28 Millimeter große Bremsscheiben mit 6-Kolben-Festsätteln den Zweitonner mit brachialer Wirkung.

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Wir fahren ein: nach Essen in die Zeche Zollverein. Erwartungsgemäß drehen sich die Köpfe der Pottbesucher in unsere Richtung. In den Augen erkennt man große Fragezeichen. Ganz große, denn Brabus hat außen die Mercedes Markenzeichen entfernt und den vorderen Grill geglättet. Das gibt nochmals mehr Breitenwirkung. Ein besonderer Hingucker sind die speziell für die Breitversion maßgeschneiderten dreiteiligen Brabus Monoblock E Räder in der Dimension 11J x 23 mit sorgsam geschmiedeten Felgenbetten. In Kombination mit Hochleistungsreifen im Format 315/25 R 23 setzt dieses Räderwerk einen besonderen Akzent am Widestar. Im Interieur gibt es neben allen Komfortfeatures des 63er ML noch beleuchtete Edelstahleinstiegsleisten mit Brabus Logo, ein ergonomisch geformtes Sportlenkrad und lederbezogene Türaufsatzelemente als Upgrade zur Serienlederausstattung.

Brabus WidestarBrabus Widestar

Wer Brabus zudem genauer kennt, weiß, dass hier kaum ein Wunsch unerfüllt bleiben muss. Und so sind selbstverständlich auch komplette Brabus Volllederausstattungen aus einer Kombination von Mastik Leder und Alcantara erhältlich – gerne auch ergänzt um 7-Zoll LCD-Monitore im 16:9 Format mit integriertem DVD-Player in der Rückenlehne oder auch elektrisch ein- und ausfahrbare Edelholztische. Wie sagt man bei Brabus doch gleich: „As you like it!“



Unser Fazit: Eine so tief schwarze Seele hat der Widestar gar nicht. Dennoch ist er nichts für konservative „good guys“, die mit ihrem Fahrzeug zu Bankterminen vorfahren müssen oder Kunden mit ihrer angenehm kultivierten Gegenwart erfreuen wollen. Wer hingegen sein Geld im Showbiz oder Sportgeschäft verdient oder auch sonst gerne eine Spur dicker aufträgt, für den könnte die Rechnung aufgehen: Knapp 100.000 Euro für den Mercedes ML 63 und noch einmal knapp 100.000 Euro für den Breitmacher. Dann steht ein solcher Widestar nach ein wenig Wartezeit in der eigenen Garage. Wenn er denn hinein passt.

Text & Fotos: Mathias Paulokat


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