Bonhams Rétromobile 2009: Bugatti Surprise

Im Rahmen der Rétromobile in Paris wird Bonhams am 7. Februar einen außergewöhnlichen Scheunenfund versteigern: Der Bugatti Type 57S Atalanté von 1937 stammt aus dem Besitz des britischen Rennfahrers Francis Curzon und war die letzten 50 Jahre unter Verschluss. Bonhams erwartet, für den unrestaurierten Bugatti einen Preis zwischen 2,75 und vier Millionen Euro zu erzielen.

In den vergangenen Wochen ist der „Mystery Bugatti“ weltweit durch die Schlagzeilen gewandert. Kaum ein Magazin, kaum eine Tageszeitung, die sich die Geschichte vom wertvollen Garagenfund hätte entgehen lassen. Gerade kurz vor Weihnachten passte die Story ins redaktionelle Konzept. Dabei ist das „Dornröschen“ für die Kenner der Szene nicht wirklich eine Überraschung. James Knight, der für das Auktionshaus Bonhams die Automobil-Abteilung leitet, behauptet den Wagen bereits seit Jahren zu kennen – und freut sich deshalb umso mehr, ihn jetzt bei der Rétromobile-Auktion unter den Hammer zu bringen.

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Um den enormen Wert des Scheunenfundes zu verstehen, muss man zunächst einen Blick auf die Historie werfen. Die sportliche Baureihe des Bugatti Type 57S basierte auf dem gekürzten Chassis des Type 57 und wurde von einer Kompressor-Variante des legendären 3,3-Liter-Achtzylinder-Reihenmotors getrieben. Im Jahr 1936 galt der T57S als das schnellste Serienauto der Welt. Gleichzeitig war die Sportserie aber auch höchst exklusiv: Die Karosserien der 42 gebauten Exemplare fielen sehr unterschiedlich aus, Karosseriemanufakturen wie Gangloff, Corsica und Bertelli realisierten atemberaubende Coupé- und Cabrioformen. Den größten Ruhm ernten heute die drei 57SC Atlantic Coupés, die Jean Bugatti selbst entwarf sowie das – ebenfalls vom Werk gestaltete – Atalante Coupé, das nun zum Verkauf steht.

Um dem Bugatti Type 57S ein zeitgenössisches Pendant entgegenzusetzen, müsste man die kompromisslose Performance eines Ferrari 599 GTB mit der Exklusivität und Aura eines Rolls-Royce Phantom verbinden. Um in den späten 1930er Jahren einen Type 57S zu erwerben, musste man also nicht nur über genügend Sportsgeist, sondern auch die entsprechenden Mittel verfügen. Francis Richard Henry Penn Curzon, der fünfte Earl Howe, hatte bereits 1931 am Steuer eines Alfa Romeo in Le Mans gesiegt, zudem beste Kontakte zu Bugatti in Molsheim – und damit beste Voraussetzungen. 1936 bestellte er seinen Bugatti Typs 57S, ein Jahr später registrierte er ihn in England.

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Im Jahr 1945 trennte sich Curzon von seinem Bugatti, zu einem damals äußerst stattlichen Kaufpreis von 2.000 Pfund. Bis 1955 welchselte das Atalante Coupé mit der Chassis-Nummer 57502 mehrmals den Besitzer, dann übernahm Dr. Harlod Carr die Sorgepflicht. Carr fuhr den Wagen bis in die frühen 1960er Jahre und parkte ihn dann mit nur 26.284 Meilen auf dem Tacho in seiner Garage, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 2007 die Zeit überdauerte. Ein wenig staubig zwar, aber unbeschadet und unberührt.

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Für den klassischen Automobilmarkt ist die Versteigerung von Curzons Bugatti 57S Atalante, vor allem der zu erzielende Preis, ein wichtiges Signal. Generell gilt die Bonhams-Frühlingsauktion zur Pariser Rétromobile als Stimmungsbarometer für das folgende Jahr. In Pebble Beach war im Sommer 2008 ein restaurierter Bugatti 57SC Atalante für rund sechs Millionen Euro versteigert worden. Ob derartige Summen auch noch nach dem Finanzcrash im Herbst zu erzielen sind, wird sich zeigen. Gegenüber den Banken und Aktienfonds hat ein Bugatti als Anlageobjekt – und einzigartiges wie zeitloses Kunstwerk – jedenfalls an Attraktivität gewonnen.

Den Bugatti Type 57S Atalante und alle weiteren Angebote der Auktion finden Sie im Internet unter bonhams.com.

Text: Jan Baedeker
Fotos: Bonhams



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