Bonhams Auktion beim Goodwood Revival: Rückblick


Auktionator James Knight verkauft einen 1959er Aston Martin DB4 Series I für 145.600 Pfund.

Das Revival Meeting in Goodwood diente als überaus hochwertiger Rahmen für die Bonhams-Auktion am Freitag, den 17. September 2010. Neben mehr als 250 Automobilia-Lots waren knapp 80 Fahrzeuge im Angebot. Darunter als groß angekündigtes Highlight der hellblaue Jaguar C-Type von 1953.

Der im Vorfeld zahlreiche Anzeigen und auch den Auktionskatalog zierende, hellblaue Jaguar C-Type ging mit einem Estimate von 980.000 bis 1.200.000 Euro ins Rennen. Der Schätzpreis war verhältnismäßig niedrig gehalten, da der Jaguar sowohl bei seinem ersten Rallye-Einsatz im Jahr 1953 auf der „Soleil Cannes“ als auch bei der Mille Miglia im selben Jahr schwer verunfallte. Später diente der in einer südfranzösischen Scheune verrostende C-Type als Teileträger. Somit sind heute weder Motor noch Getriebe original. Doch trotz komplett nachvollziehbarer Historie entsprach das höchste Gebot nur 884.000 Euro, sodass Lot #360 bei der Bonhams-Auktion am 17. September unverkauft blieb. So auch zahlreiche weitere – war doch auf mehr als dreißig Fahrzeugen noch am Folgetag das Schild „still available“ zu lesen.

Zumindest war der C-Type gewissermaßen in guter Gesellschaft, gehörten doch ein Alfa Romeo 6C 1750 GT mit James Young Karosserie, ein 1959er AC Ace Bristol Roadster und ein Ferrari Daytona Coupé aus 1972 ebenso zu den unverkauften Losnummern. Ebenfalls nicht verkauft wurden der Bugatti Typ 35B (1926), der Lola T70 Mk2 Spyder (1966) und der Riley Ulster Imp Werksrennwagen (1934).

In Kauflaune war dagegen ein Insider, der sich unter anderem den silbernen Porsche 356A Speedster mit Hardtop von 1956, den Ford Mustang Shelby GT500 und einen neu aufgebauten 12-Zylinder-Flugzeugmotor zulegte, bevor er sich tags darauf in seinem Single-Seater dem Revival-Wettbewerb stellte. Zu den Verkäufen der Auktion zählte auch der einstige Austin-Healey 3000 Mk II Werks-Rallyewagen von 1962, der für 122.000 Euro zuzüglich Aufgeld versteigert wurde. Ebenso ein Aston Martin DB4 Coupé der zweiten Serie, obwohl dieser deutlich unter dem Estimate blieb (134.000 Euro plus Premium), sowie ein 1979er Lagonda mit etwas Handlungsbedarf, dessen sein Besitzer offensichtlich überdrüssig war und daher für nur 7.500 Pfund den Zuschlag erhielt.

Es gab aber auch Fahrzeuge, die teilweise deutlich über dem Schätzpreis verkauft wurden. Etwa ein herrlicher Jaguar XK 140 DHC von 1956, der seit seiner aufwendigen Restaurierung keine 1.500 Meilen gefahren wurde (141.000 Euro), sowie einen Ferrari 330 GT 2+2 von 1965 mit nur zwei Vorbesitzern (65.700 Euro) – Preise jeweils zuzüglich Aufgeld. Zu diesem kleinen Kreis der über Schätzpreis verkauften Autos zählte auch ein 1972er FIAT 500L mit Abarth 595SS Kit, der für EUR 11.700 plus Premium einen neuen Käufer fand und damit das weiter anhaltende Interesse an klassischen Kleinwagen und speziell an diesem Modell untermauerte.

Trotz des sehr internationalen Zuspruchs zum Goodwood Revival, das mit 130.000 Besuchern ausverkauft war, blieb Bonhams mit einer Automobil-Verkaufsquote von rund 60 Prozent deutlich unter den Erwartungen. Der Gesamterlös der Auktion lag am Ende bei rund 3,5 Millionen Euro. Vielleicht ist dies Anreiz genug, um sich beim nächsten Mal auf der Bieterliste einzutragen und einen Klassiker auf dem schönsten Oldtimerevent der Welt zu ersteigern, das Goodwood ohne Zweifel ist.

Der Hamburger Automobil- und Marktexperte Stephan Arensmeier (CLASSICON) stellt bei Classic Driver regelmäßig Fahrzeuge vor, die aus seiner persönlichen Sicht gute Chancen auf Wertsteigerung haben. Am vergangenem Wochenende besuchte unser Gastautor das Goodwood Revival und beobachtete die Preisentwicklung klassischer Fahrzeuge bei der Bonhams-Auktion.

Text: Stephan Arensmeier
Fotos: Classic Driver


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