BMW 5er Touring: Neues Raumprogramm

Im September kommt der neue BMW 5er Touring zu den Händlern. Classic Driver hat den optisch entschärften Raumtransporter auf Praxistauglichkeit, Fahrfreude und Effizienz getestet.

Als BMW Ende der Achtzigerjahre den ersten 3er Kombi präsentierte, rieben sich die BMW-Anhänger verwundert die Augen. BMW und Kombi, das schien damals nicht zusammenzupassen. Es folgten zahlreiche 3er und 5er mit dem praktischen Heck, das nach BMW-Philosophie jedoch mehr zum Transport von Weinkisten und Golfbags als für Malereimer und Kühlschränke gedacht war. Heute sind Touring Modelle aus dem Modellprogramm kaum mehr wegzudenken. Rund 50 Prozent aller Neuzulassungen des BMW 5er entfielen in der Vergangenheit auf den Kombi. Tendenz steigend. Auch bei dem aktuellen Modell der 5er Baureihe legt BMW nun zeitnah eine Touring-Version nach.

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Im Vergleich zum kantig-charakteristischen Vorgänger hat BMW-Designchef Adrian van Hooydonk das neue Modell stilistisch deutlich entschärft. Und natürlich ist dabei kein Handwerkerkombi entstanden, sondern ein elegant gestylter Mehrzweckwagen, der vor dem Baumarkt ebenso eine gute Figur abgibt, wie vor der Oper. Dazu korrespondiert auch die Ausstattung des Touring. So verfügt das aktuelle Modell über die von dem Vorgänger bekannte teilbare Heckklappe, die zum einen elektrisch, zur Gänze aber auch manuell nur im oberen Glasbereich zu öffnen ist. Dabei kann die Bedienung des elektrischen Öffnungsmechanismus entweder vom Innenraum oder an der Klappe selbst erfolgen. Ein sensibler Sensor stoppt den Vorgang, sollte einmal etwas den Öffnungswinkel der Klappe kreuzen.

Zusätzliche Überraschungen hält der 5er Touring im 560 Liter großen variablen Gepäckabteil parat. Details, wie etwa die an einer Aluminiumschiene befestigten verschiebbaren Verzurrösen, eine 12-Volt-Steckdose im Kofferraum oder die im Verhältnis 40:20:20 teilbare Rücksitzbank, deren Entrastmechanismus sich auch vom Kofferraum aus bedienen lässt, zeugen von hoher Praxistauglichkeit. Daneben bietet der 5er Touring unter dem mit edlem Velours ausgekleideten Ladeboden ein weiteres Fach zur Unterbringung von Kleinkram. Auf eine ausziehbare Ladefläche, wie man sie etwa bei Audis Avant-Modellen vorfindet, verzichtete man nach BMW-Angaben bewusst, da dieses System eine weitere Einschränkung der ohnehin nicht gerade üppigen Ladehöhe bedeutet hätte.

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Dass der 5er Touring trotz aller praktischen Begabung ein typischer Fahrwagen à la BMW ist, belegt der mit der Limousine identische Antriebsstrang. So kann der Kombi sowohl mit den beiden Sechszylinder-Benzinmotoren mit 204 PS (523i) und 306 PS (535i), als auch mit dem 245 PS starken Sechszylinder-Turbodiesel mit Common-Rail-Einspritztechnologie bestellt werden. Zusätzlich kommt der aus den kleineren BMW Modellen bereits bekannte Vierzylinder Dieselmotor mit 184 PS zum Einsatz, der den rund zwei Tonnen schweren Tourings binnen 8,3 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt.

Trotz des nominell kleinen Hubraums von nur zwei Litern wirkt der BMW mit dem Aggregat keineswegs untermotorisiert, wenngleich man keine allzu großen Erwartungen an die Fahrdynamik stellen sollte. Speziell auf der Autobahn verlangt das Mithalten auf der linken Spur bisweilen ein Herunterschalten des serienmäßigen Sechsganggetriebes in den vierten oder fünften Gang. Den Leistungsverzicht dankt der kleine Diesel, der getreu der BMW Efficient Dynamik Philosophie auch über eine Start-Stopp-Anlage (nur Schaltgetriebe-Version) sowie über bedarfsgerecht gesteuerte Nebenaggregate verfügt, mit zeitgemäßer Sparsamkeit. Bei ersten Testfahrten konsumierte der 520d nur 6,4 Liter Diesel und emittiert nach Herstellerangaben lediglich 137g/km CO2.

In der Preisgestaltung ist diese neue Bescheidenheit noch nicht angekommen: Mindestens 42.600 Euro sind für einen BMW 520d Touring nach München zu überweisen. Das Topmodell, der 553i Touring kostet ohne Sonderausstattung knapp 53.000 Euro fällig. Gönnt man sich das ein oder andere verführerische und für die Fahrzeugklasse eigentlich obligate Extra, wird kaum ein 5er Touring unter 55.000 Euro das Werk in München verlassen. Und damit dürfte dann auch dem letzten Zweifler klar werden, dass BMWs Touring-Modelle nicht primär zum Transport von Farbeimern und Zementsäcken dienen sollen.

Text: Sven Jürisch
Fotos: BMW


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