BMW 550i GT: Designtour nach Kopenhagen

Der BMW 5er GT ist ein innovatives Raumkonzept – aber was fängt man bloß mit ihm an? Man fährt zum Beispiel zum Design-Shopping nach Kopenhagen, der europäischen Hauptstadt des guten Geschmacks.

Kurz hinter Flensburg weist ein unscheinbares Schild am Rande der A7 die Autofahrer auf den Grenzübertritt hin. Willkommen in Dänemark. Auf den ersten Blick ändert sich nichts. Plattes Land unter bleischwerem Winterhimmel, das bekannte nordische Ensemble defiliert vor großen bayerischen Panoramascheiben. Ähnliche Lebenswelten also – und doch gibt es Unterschiede. So spielt Ästhetik im Leben der Dänen eine viel größere Rolle als bei den norddeutschen Nachbarn mit ihrem Hang zur bisweilen drögen, maritimen Gemütlichkeit. Das skandinavische Land blickt auf eine große gestalterische Tradition zurück. Und das Erfolgslabel „Danish Design“ steht weltweit für einen unaufgeregten, klaren und zeitlosen Funktionalismus. Entsprechend groß ist das Bewusstsein für gute Form: Während Schulkinder in Deutschland die Modellportfolios der Autohersteller herunterbeten, können dänische Pennäler die Namen klassischer Lampen- oder Stuhlmodelle im Schlaf aufsagen. Sogar die kriminelle Szene in Dänemark hat sich mittlerweile auf Design-Diebstahl spezialisiert – und lässt bei Wohnungseinbrüchen oft nur eine ganz bestimmte Deckenlampe mitgehen.

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„Vor allem der Zapfen von Poul Henningsen ist bei Langfingern äußerst begehrt“, erklärt Søren Schøllhammer von Louis Poulsen, dem vielleicht bekanntesten dänischen Leuchtenproduzent, bei unserem ersten Zwischenstopp. „Schließlich sind besondere Exemplare wie die goldene Jubiläumsedition der Lampe PH Zapfen bis zu 80.000 Euro wert.“ Die Fabrik von Louis Poulsen liegt in dem kleinen Ort Vejen, auf halben Weg zwischen Hamburg und Kopenhagen. Hier werden auch zahlreiche neue Lampenmodelle gefertigt, doch vor allem die mitunter fast 90-jährigen Klassiker von Arne Jacobsen, Verner Panton, Louise Campbell oder eben Poul Henningsen erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Ob Sterne-Restaurants, Behörden oder Wohnzimmer, überall findet man die gleichen Lichtspender. Auf die Frage, warum die Dänen sich derart für Lampendesign begeistern können, verweist Schøllhammer auf das skandinavische Wetter. Wer lange und dunkle Wintermonate im Haus verbringt, hat zwangsläufig viel Zeit, sich mit der Ästhetik der Beleuchtung zu befassen.

Weiterfahrt über den Großen Belt in Richtung Kopenhagen und Gelegenheit, auch das Interieur unseres Reisewagens einem Stilcheck zu unterziehen. BMW hat den 5er GT im vergangenen Jahr als Mischwesen aus SUV, Limousine und Kombi auf den Markt gebracht – und dafür auch Unverständnis geerntet. Nicht jeder treue Kunde konnte dem supervariablen Multifunktionskoloss auf Anhieb etwas abgewinnen. Und auch wir standen der bayerischen Chimäre mit gesunder Skepsis gegenüber. Noch einen Alleskönner, der alles ein bisschen, aber nichts richtig beherrscht – so der Tenor in der Redaktion. Doch hier, im entspannten Fluss des dänischen Autobahnverkehrs, schwinden die Vorbehalte. Sicherlich, mit seinen sandfarbenen Einzelsitzen, den hohen Scheiben und dem großen Multifunktionsdisplay erinnert die Inneneinrichtung ein wenig an die Shuttles aus „Raumschiff Enterprise“. Doch die erhöhte Sitzposition gefällt und schafft Überblick, während praktische Helferlein wie Head-Up-Display, Tempomat mit Abstandswarnung und Spurhalteassistent die Reise derart komfortabel machen, dass man als Fahrer ab und an das Fenster öffnen und sich mit einem Schub frischer Luft bei Konzentration halten muss.

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Alternativ hilft auch ein kurzer Tritt auf das Gaspedal, um alle Passagiere zu wecken. Schließlich ist unser BMW 550i GT mit seinem 407 PS starken Twin-Turbo-V8 das stärkste Modell der Reihe. Raues Sportwagenfeeling lässt die geschmeidige Achtgang-Automatik dennoch nicht aufkommen, was angesichts der strengen dänischen Geschwindigkeitslimits eher Segen als Fluch verheist. Trotz seiner Größe umgibt den BMW 5er GT übrigens nicht die martialische Rammbock-Aura eines BMW X6, die Formgebung ist freundlicher geraten und signalisiert ein gewisses Understatement. Für den Besuch einer fortschrittlichen Metropole wie Kopenhagen, wo sich zur Rush Hour höchstens die Fahrräder stauen und die wenigen Sportwagen im Straßenbild tatsächlich schon das Tesla-Logo tragen, sicherlich kein Nachteil.

Im Zentrum von Kopenhagen kommt man mit dem Auto nicht weit, große Teile der Innenstadt wurden zur Fußgängerzone erklärt. Die Showrooms der großen dänischen Möbelmarken liegen dagegen gut erreichbar im Freihafen der Stadt. International erfolgreiche Interieur-Firmen wie Kvradrat, Montana oder Republic of Fritz Hansen zeigen in den alten Speicherhäusern ihre neuesten Kreationen. Wer auf der Suche nach den Klassikern des skandinavischen Vintage-Designs ist, findet sein Glück dagegen eher bei Dansk Møbelkunst in der zentral gelegenen Bredgade 32 oder bei Roxy Klassik im hippen Stadtteil Nørrebro. Die Originale von Jacobsen und Co. sind mittlerweile jedoch begehrte Sammlerstücke, was die Preise schnell in die Höhe treibt. In jedem Fall eignet sich unser Allround-BMW als Design-Transporter: Wenn man die hinteren Einzelsitze elektrisch nach vorne klappt, wächst das Ladevolumen auf bis zu 1.700 Liter – was in etwa vier geschickt gestapelten Teak-Tischchen und acht PH-Pendellampen entspricht.

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Stilpuristen und Mid-Century-Pilger auf Shopping-Wallfahrt übernachten in Kopenhagen natürlich im Zimmer 606 des Radisson SAS Royal Hotel, das 1960 von Arne Jacobsen eingerichtet wurde und bis heute fast unverändert geblieben ist. Angesichts des Winterwetters haben wir uns für eine etwas behaglichere Variante entschieden und checken im wenige Meter entfernten Nimb Hotel ein. Das 2008 eröffnete Boutique Hotel mit seiner orientalischen Rückfassade zum traditionsreichen Vergnügungspark Tivoli wirkt auf den ersten Blick wie eine Kulisse aus 1001 Nacht, doch die zwölf Zimmer und Suiten im Inneren erinnern mit ihrer Kombination moderner und antiker Möbel sowie den offenen Kaminen eher an den kultivierten Stil eines Londoner Stadthauses. Abends diniert man im Hausrestaurant Herman, einem der momentan besten Restaurants der Stadt – oder man läuft ein paar Schritte in den nahe gelegenen „Meatpacking District“ von Vesterbro, wo man in unkonventionelle Restaurants wie der Kødbyens Fiskebar mit der Kopenhagener hip crowd tafeln kann.

Übrigens heißt es, der Lebensstandard in Kopenhagen sei höher als in allen anderen europäischen Metropolen. Dennoch ist die Lebenserwartung der Hauptstadtbewohner überraschend niedrig. Die Dänen wissen eben zu feiern – und wer ernsthaft ins Nachtleben eintaucht, erwacht am nächsten Morgen nur selten mit klarem Blick. Statt den Tag mit Alka-Selzer im Bett zu verbringen, hilft gegen den Copenhangover auch ein Ausflug an die See. Auch bei tristem Wetter lohnt es, sich hinters Steuer zu setzen und entlang der Küste nach Norden aufzubrechen. Der Strandvejen ist eine der bekanntesten Panoramastraßen der Region und so etwas wie die Elbchaussee von Kopenhagen: Wer über entsprechende Mittel verfügt, kauft sich ein Haus mit Blick auf den Øresund. Dabei ist man natürlich auch hier nicht vor dem allgegenwärtigen Danish Design gefeit: Das wunderbar nostalgische Jacobsen Restaurant in Klampenborg stammt – natürlich – von Arne Jacobsen. Ebenso die vielleicht bekannteste Tankstelle Skandinaviens, nur wenige Minuten entfernt. Knapp vierzig Kilometer nördlich von Kopenhagen liegt zudem eines der schönsten Kunstmuseen Skandinaviens, das Louisiana Museum of Modern Art.

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Auf der Rückreise erneut Gelegenheit zur automobilen Reflexion. Was hätten wohl die Großmeister Hennigsen und Jacobsen zum Münchener Mischwesen gesagt? Fehlende Funktionalität kann man dem Gran Turismo von BMW sicher nicht vorwerfen – kein großer Reisewagen der Konkurrenz aus Stuttgart und Ingolstadt ist derart variabel gestaltet. Auch wenn die Proportionen der massigen Karosserie aus manchem Blickwinkel etwas krude erscheinen, liegt in der Variabilität doch die Chance einer Erneuerung der Mobilität. Statt einen Kombi, eine Limousine und ein SUV in die Garage zu stellen, dürfte in Zukunft ein einziger Alleskönner genügen.

Weiterführende Links:

Hotel Nimb: www.nimb.dk
Radisson SAS Royal Hotel, Room 606: www.radissonblu.com/royalhotel-copenhagen
Louis Poulsen: www.louispoulsen.com
Republic of Fritz Hansen: www.fritzhansen.com
Kvadrat: www.kvadrat.dk
Montana: www.montana.dk
Dansk Møbelkunst: www.dmk.dk/
Roxy Klassik: www.roxyklassik.dk/
Restaurant Jacobsen: www.restaurantjacobsen.dk/
Louisiana Museum of Modern Art: www.louisiana.dk/

Text & Fotos: Jan Baedeker

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