Blaues Wunder: Ferrari 512 BB LM Silhouette

Blaues Wunder: Ferrari 512 BB LM Silhouette

Ende der 1970er Jahre entwickelte Ferrari auf Basis des 512 Berlinetta Boxer einen dramatischen Rennwagen für den Kundensport. Eines von gut zwei Dutzend gebauten Exemplaren des BB/LM wird jetzt in Pebble Beach versteigert.

Für die Scuderia Ferrari waren die Siebzigerjahre eine bewegte Formel-1-Epoche, die mit dem Comeback von Jacky Ickx begann und dem Weltmeistertitel von Jody Checkter in der Saison 1979 endete. Aber auch der Langstreckensport rückte nach zwischenzeitlicher Enthaltsamkeit wieder in den Fokus der Entwickler. Für den Einsatz in Le Mans entstanden 1978 vier private Rennversionen des zwei Jahre zuvor vorgestellten Ferrari 512 BB. Keiner der Privatiers-Rennwagen erreichte das Ziel, doch die guten Fahrwerte ermutigten die Werksabteilung für Kundensport, in Kooperation mit Pininfarina eine aerodynamisch optimierte Version mit GFK-Karosserie zu entwickeln. Mit seinem 4,9 Liter Zwölfzylinder-Mittelmotor leistete der leicht gebaute „Silhouette“ rund 480 PS bei 7.000 Umdrehungen, 25 Exemplare wurden gebaut. Doch die übermächtige Konkurrenz in Gestalt des mehr als 700 PS starken Porsche 935 sowie die anfällige Getriebetechnik machten den Ferrari-Piloten einen Strich durch die Rechnung. Höhepunkt der Baureihe war Charles Pozzis Le-Mans-Klassensieg im Jahr 1980, ansonsten blieb dem BB/LM bis zu seinem reglementbedingten Ausscheiden im Jahr 1984 ein Platz im Mittelfeld beschieden.

Blaues Wunder: Ferrari 512 BB LM Silhouette Blaues Wunder: Ferrari 512 BB LM Silhouette

Trotz der sportlichen Erfolglosigkeit kann der radikale „Silhouette“-Ferrari als Vorläufer von Ausnahmemodellen wie dem 288 GTO, F40 LM, F50 GT1 und FXX gesehen werden. Das Exemplar mit Chassisnummer 29511 verließ das Werk in Maranello im November 1979 als 13. Exemplar der Le-Mans-Baureihe. Ursprünglich rot lackiert, wurde der 512 BB LM zu seinem Erstbesitzer in New York ausgeliefert und kam in den 80er Jahren unter anderem bei Rennen in Daytona, Sebring, Lime Rock und Watkins Glen zum Einsatz. In den letzten zehn Jahren war der Wagen bei verschiedenen renommierten historischen Events zu sehen, unter anderem der „Maserati Historic Challenge“ und den „Monterey Historic Automobile Races“. Laut dem Auktionshaus Gooding & Company, das den Ferrari am 20. und 21. August 2011 im Rahmen des Pebble-Beach-Auktion in Monterey versteigert, sind Originalzustand und Historie genauestens belegt. Der Schätzpreis liegt bei 800.000 bis 1,2 Millionen US-Dollar.

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Weitere Informationen finden sich unter www.goodingco.com.

Text: Jan Baedeker
Fotos: Pawel Litwinski für Gooding & Company