BaselWorld 2011: Uhren-Neuheiten von Alpina bis Zenith




Classic Driver Uhrenfachmann Gisbert L. Brunner hat sich auf der weltgrößten Uhrenmesse in Basel umgeschaut und stellt Ihnen die tickenden Trends von Alpina bis Zenith vor.

Alpina Startimer Pilot

Für das mehr als logische Zurück zur Fliegeruhrentradition hat Alpina gleich zwei renommierte Partner gefunden: den Flugzeugbauer Cessna Aviation und die Fluggesellschaft PrivatAir. Damit möchte CEO Peter C. Stas die eher sportiv-abenteuerlich ausgerichtete Uhrenmarke unter dem Dach von Frédérique Constant auf eine breitere Plattform stellen. Zur Startimer Pilot Collection gehört auch ein Automatik-Chronograph, limitiert auf 8.888 Stück. Die 44 Millimeter im Durchmesser verkörpern beim Stahlgehäuse einen Kompromiss zwischen einst üblichen Maßen und zum gegenwärtigen Trend Uhren in zivileren Dimensionen anzubieten. Das aus dem Hause Selitta stammende Kaliber SW 500 ist gegenüber der Normalversion so modifiziert, dass sich der 30-Minuten-Totalisator bei der 3 befindet.
Blancpain Villeret Demi-Fuseau Horaire

Der chinesische Philosoph Konfuzius war der Auffassung: „Wenn die Begriffe sich verwirren, ist die Welt in Unordnung.“ Für solch eine begriffliche Irrfahrt sorgt in diesem Jahr Blancpain. Denn die neue Villeret Demi-Fuseau Horaire wird als eine Halbsavonnette präsentiert. Denn nur das Vorhandensein eines Scharnierbodens rechtfertigt diesen Terminus nicht. Richtig hingegen liegt die Uhrenmarke mit einem Zeitzonen-Dispositiv, das auch in Indien funktioniert. Der zentrale Stundenzeiger lässt sich per Multifunktionskrone in Halbstunden-Schritten verstellen. Auch die Korrektur des mit der zentralen Lokalzeit verknüpften Datums ist möglich. Kosmopolitisch einfache Handhabbarkeit gewährleistet der selbst entwickelte Zusatzmechanismus des Automatikkalibers 5254DF. Insgesamt sorgen die 321 verbauten Teile des Uhrwerks, unter Anderem für eine Gangautonomie von 72 Stunden. Unterhalb der Zwölf wird die Heimatzeit indiziert, gekoppelt mit einer Tag-Nacht-Anzeige bei der Neun. Mit von der Partie ist ferner eine Gangreserveanzeige. Besäße die Rotgoldschale noch einen vorderen Sprungdeckel mit Guckloch, wäre sie auch in der Tat eine Halbsavonnette.
Breitling Montbrillant 01 Limited Chronograph

Wer die lange Breitling-Geschichte kennt, verbindet den Namen Montbrillant mit den Anfangsjahren der Uhrenschmiede. In La Chaux-de-Fonds entstanden seinerzeit zukunftsweisende Erfindungen: 1942 wurde die per Drehlünette bedienbare Rechenscheibe als Hilfsmittel für Piloten vorgestellt, die den Umgang mit unterschiedlichstem Zahlenmaterial beherrschen mussten. Insofern verbindet die aktuelle Montbrillant-Edition das Zurückliegende mit der Gegenwart: Neuestes Mitglied der Kollektion ist der Montbrillant 01 Limited Chronograph im unverfälschten Retrolook. Das hauseigene Automatik-Kaliber B01 debütierte 2009 anlässlich des 125. Firmenjubiläums. Zeitintervalle bis zwölf Stunden misst der Stopper mit Achtelsekunden-Präzision. Schaltradsteuerung und Vertikalkupplung gehören zu den technischen Features. Der neue, COSC zertifizierte Zeitmesser ist auf 2.000 Exemplare in Stahl und 200 Stücke in Rotgold limitiert.
Chanel J12 Chromatic

Das Ergebnis der Gleichung: Armbanduhren + Chanel = J12. Das Uhrenjahr 2011 steht im Zeichen einer brandneuen Kollektion unter dem Motto Verbindung von Zeit und Material. Das Material, legiert aus Titan und Keramik, entstammt einer Kooperation mit einem japanischen Spezialisten. Diese spezielle Mixtur ergibt eine Härte, welche lediglich nur durch die Durabilität von Saphir übertroffen wird. Zudem bestechen die Uhren der neuen Kollektion durch einen, Chromatic getauften Effekt, bei dem die Oberflächen durch ein raffiniertes Spiel mit Reflektionen sein Aussehen im Laufe des Tages verändert. Ohne ein spezielles Polierverfahren, das Chanel von der Oberflächenbearbeitung knallharter Saphire mit Hilfe von Diamantpulver abgeleitet hat, wäre die neue Uhrenlinie eine Illusion geblieben. Die Polierkunst erbringt Farbigkeit gepaart mit Farblosigkeit sowie Leichtigkeit und Härte zugleich. Aus sieben Modellen mit Durchmessern von 33, 38 und 41 Millimetern besteht die erste Kollektion. Wer gerne Eta-Automatik möchte, muss sich eine der beiden größeren Varianten ans Handgelenk schnallen. Zusätzliche Aufwertung bringen runde oder baguetteförmige Diamanten.
Chronoswiss Balance

Eine rückspringende Anzeige verwendete Chronoswiss erstmals 1996 beim Modell „Delphis“. Die neue Balance besitzt gleich zwei der neudeutsch retrograd genannten Indikationen. Der Name des neuen Chronographen macht deutlich, dass Gerd-Rüdiger Lang ein ausgewogenes Zifferblattdesign anstrebte. In diesem Sinne finden sich die retrograden Indikationen symmetrisch zu beiden Seiten der durch die Technik des verbauten Eta 7750 vorgegebenen Totalisatorenachse. Links pendelt der Sekundenzeiger zwei Mal pro Minute. Die rechte Seite des typischen Chronoswiss-Zifferblatts aus massivem Sterlingsilber gehört dem am Monatsende hüpfenden Datumszeiger. Technischen Umbau-Beistand leistete der Mechanik-Spezialist La Joux-Perret. Als Gehäusematerial offeriert Chronoswiss Edelstahl oder Rotgold.
Corum Golden Bridge

Dass Corum seinen Debütanten des Jahres 1980 Golden Bridge taufte, kam nicht von ungefähr. Sein filigranes Handaufzugswerk spannte sich tatsächlich wie eine Brücke durch das transparente Gehäuse. Die Aufwertung durch einen Selbstaufzug konnte nach drei Jahrzehnten nur noch eine Frage der Zeit sein. Die Techniker hätten natürlich einen kleinen Rotor einbauen können, haben sich aber – zugunsten des puristischen Designs – für eine bewegliche Platin-Schwungmasse entschieden. Das vier Gramm wiegende Bauteil bewegt sich linear hin und her. Die Entwicklung des neuen, aus insgesamt 194 Komponenten bestehenden Kalibers CO-313 nahm vier Jahre in Anspruch. Seine Zugfeder speichert Energie für rund 40 Stunden und die konventionelle Schraubenunruh vollzieht stündlich 28.800 Halbschwingungen. Platine und die Brücken sind aus massivem, farblich auf das Gehäusematerial abgestimmtem Gold gefertigt und machen dem Modellnamen alle Ehre. Lediglich 130 Exemplare in Rot- und 70 Stücke in Weißgold will Corum 2011 fertigen.
Ebel Classic Sport Chronograph

Ihr 100. Firmenjubiläum kann jede Uhrenmarke nur einmal feiern. Ebel zelebriert diesen ehrenvollen runden Geburtstag 2011. Dazu passende Uhren sollen das ganze Jahr über vorgestellt werden, also auch noch im Herbst. Zur Baselworld debütiert unter anderem der „Classic Sport Chronograph”, dessen Stahlgehäuse mit 41 Millimetern Durchmesser vergleichsweise zivile Dimensionen besitzt und deshalb auch von Damen getragen werden könnte. Vor allem die Ausführungen mit bunten Kautschukbändern dürften dem Verlangen der holden Weiblichkeit entgegen kommen. Die breite Farbpalette orientiert sich an aktuellen modischen Trends. Mechanische Uhrwerke spielen bei Armbanduhren wie diesen eine eher untergeordnete Rolle. Ebel hat sich für das Quarzkaliber Ronda 5030D entschieden, weil die Achse des 30-Minuten-Zählers und des kleinen Sekundenzeigers nur knapp über dem Zifferblatt-Zentrum liegt und so der Eindruck eines klassischen Chronographen entsteht.
Hamilton Pan Europ

Der weltweit erste Modul-Chronograph mit Mikrorotor-Selbstaufzug, Kaliber 11, datiert auf das Jahr 1969. Zur dahinter stehenden Arbeitsgemeinschaft gehörte neben Breitling, Büren, Dubois-Dépraz und Heuer auch Hamilton. Letztgenannte Marke stellte 1971 einen Armband-Chronographen mit diesem Uhrwerk vor. Sein Name „Pan Europ“. An besagtes Jahr und den stilistisch zur Epoche passenden Stopper erinnert das markante Retro-Modell mit 30-Minuten-Zähler bei der Drei, Fensterdatum bei der Sechs und Tachymeterskala zum Ermitteln von Durchschnittsgeschwindigkeiten. Während das blaue Zifferblatt-Zentrum und die tonneauförmige Edelstahlschale mit blauem Glasrand dem Original weitgehend entsprechen, verkörpern das von der Schwester Eta eigens entwickelte Automatikkaliber H31, 45 mm Gehäusedurchmesser, Wasserdichtigkeit bis 100 Meter und kratzfestes Saphirglas den unumgänglichen Tribut an die Moderne.
Heritage Watch Manufactory Tensus

Hinter der Heritage Watch Manufactory mit Sitz in Neuchâtel steckt primär deutsches Kapital. Das erst im September 2010 gegründete Familienunternehmen verfolgt hehre Ziele. Mit Hilfe des deutschen Uhrmachers Karsten Fraesdorf sollen mechanische Uhrwerke besonderer Bauart auf hohem handwerklichem Niveau entstehen. Der Anfang ist mittlerweile gemacht. Die im Rahmen der Basel World vorgestellte Kollektion der chronometrischen Upperclass umfasst drei Modelle mit unterschiedlichem Anspruch. Sozusagen im Mittelfeld bewegt sich die Tensus mit nur vier Zeigern, von denen drei die Zeit und der vierte die verbleibende Gangreserve darstellen. Für fünf konstruktive Aspekte des 38,8 mm großen und sieben mm hohen Handaufzugskalibers 880 mit 55 funktionalen Steinen hat HWC mittlerweile Patente angemeldet. Zu den Besonderheiten des 300-Komponenten-Oeuvre gehört ein neuartiges Doppelfederhaus-System für ca. 60 Stunden Gangautonomie. Eine so genannte Sequax Dreifach-Anker-Hemmung mit doppeltem Hemmrad kooperiert mit einem ebenfalls neuartigen Konstantkraft-Antrieb. Will heißen, die vom Zugfederduo zugelieferte Antriebskraft und damit auch die Schwingungsweiten der 16 mm großen Vivax-Unruh mit Breguetspirale bleiben über rund 55 Stunden auf weitestgehend gleichem Niveau. Von Hochfrequenz sind Uhrwerke wie diese weit entfernt. 2,5 Hertz oder stündlich 18.000 Halbschwingungen reichen für eine Ganggenauigkeit angeblich spürbar besser als die offizielle Chronometernorm.
Hermès Arceau Temps Suspendu

Hand aufs Herz! Wer hat noch nicht davon geträumt, die Zeit ein wenig anhalten zu können. Bedauerlicherweise versagen hier selbst blitzschnelle Computer. Zum Trost gibt es die Arceau Temps Suspendu. Die neue Armbanduhr aus der Maison Hermès lässt zumindest der Fiktion freien Lauf. Auf Knopfdruck bewegen sich die Zeiger für Stunden und Minuten brav in eine unwirklich v-förmige Position neben der Zwölf. Dort verharren sie, bis die Neugier siegt. Ein weiterer Knopfdruck genügt, und die Hände der Zeit begeben sich blitzschnell ins wahre Leben zurück. Das ausgeklügelte Hin und Her zwischen Zeit und Nichtzeit ist dem Atelier GENevois d’HORlogerie zu verdanken. Im Hermès-Auftrag entwickelte Agenhor einen Zusatzmechanismus, angetrieben vom Automatikkaliber Eta 2892-A2. Er besteht aus 147 Teilen und besitzt gleich drei retrograde Indikationen: je eine für Stunden, Minuten und Datum. In Stahl ist die auf Wunsch zeitlose Uhr unlimitiert zu haben. Die Rotgold-Version beschränkt sich auf 147 Exemplare.
Hublot Oceanographic 4000

Bei Hublot folgt seit Oktober 2009 ein Rekordmonat auf den vorigen. Das soll natürlich so weitergehen. Wachstumspotenzial wohnt der Oceanographic 4000 inne, einer 48 Millimeter großen Taucheruhr, die den Gang unter Wasser bis zu 4.000 Meter Tiefe problemlos aushalten soll. Getreu der auf Fusion fußenden Markenphilosophie besteht die Schale aus mehreren Materialien. Sandgestrahltes Titan für Lünette und Gehäusekorpus bewirkt ein geringes Gewicht. Der Drehring zur Indikation der verbleibenden Tauchzeit. befindet sich im Gehäuseinneren und lässt sich mit Hilfe einer zweiten Krone einstellen. Obwohl Hublot sich längst zur echten Manufaktur gemausert hat, tickt in diesem Boliden noch zugekaufte Mechanik. Das Automatikkaliber HUB 1401 verfügt über 42 Stunden Gangautonomie, erzeugt durch einen Schwermetall-Rotor und das zugehörige Getriebe.
Longines Twenty-Four Hours

Ein Blick auf die legendäre Longines Lindbergh aus den 1930er Jahren genügt, um die engen Luftfahrt-Bezüge der Marke zu verdeutlichen. Die Tradition setzte sich in den 1950er Jahren durch die Belieferung der Swissair als offizielles Zeitinstrument der eidgenössischen Luftfahrtlinie fort. In Form der Twenty-Four Hours feiert diese reinrassige Pilotenuhr ihr Comeback. Der 47,5 Millimeter große Edelstahl-Zeitmesser verfügt über ein 24-Stunden-Zifferblatt, das viele neugierige Blicke auslösen dürfte. Den Mittag durchwandert der Stundenzeiger nämlich in der südlichen Zifferblatt-Hemisphäre. Folglich ist das Ablesen ein wenig gewöhnungsbedürftig. Mechanik ist für Retrouhren dieser Art ein Muss: Longines verbaut das 16½-linige, auf einer Eta- Automatik basierende Kaliber L.704.2 mit Fensterdatum, vier Hertz Unruhfrequenz und 48 Stunden Gangautonomie.
Louis Vuitton Tambour

Das Einzigartige an der weißgoldenen Tambour von Louis Vuitton besteht in ihrem Mix aus analoger und digitaler Anzeige. Der leuchtend gelbe Zeiger lässt sich bei Fernreisen mit Hilfe zweier Drücker in Stundenschritten vor- oder rückwärts auf die jeweilige Ortszeit umstellen. Die 24 Stunden am Heimatort stellen insgesamt zwölf drehbare Würfel dar. Bezogen auf ihre Zifferblatt-Position sind sie mit Zahlen bedruckt. Derjenige bei der Eins trägt vorne die Ziffer 1 und auf der gegenüberliegenden Seite die Zahl 13. Die beiden anderen Flächen sind neutral bedruckt. Um 14 Uhr dreht der 13-Würfel auf „neutral“ und bei der 2 erscheint die 14. Somit zeigen sich im Laufe des Tages der Reihe nach alle 24 Stunden in digitaler Form. Hinter der ausgeklügelten Mechanik agiert eine Eta-Automatik, die auch das Fensterdatum antreibt. Die stählerne Spin Time gelangt unlimitiert in die Boutiquen der Luxusmarke.
Maurice Lacroix Masterpiece Roue Carrée Seconde

Mit dem Roue Carrée landete Maurice Lacroix 2010 einen rasch ausverkauften Hit. Die Cuvée 2011 versteht sich als Variante jener Armbanduhr mit vorne sichtbarer Kombination aus quadratischem und kleeblattförmigem Rad mit spezieller Verzahnung. Das Masterpiece Roue Carrée Seconde besticht durch beschleunigte Rotationen. Das durchbrochene Quadrat bei der 6 dreht einmal pro Minute um seine Achse. Die Schweizer Fachhochschule in Le Locle und Michel Vermot, Leiter der Entwicklungsabteilung für Uhrwerke bei Maurice Lacroix, waren an der Konstruktion des ungewöhnlichen Räderwerks maßgeblich beteiligt. Der Motor des Ganzen, das Handaufzugskaliber ML 156 zeigt sich durch den Sichtboden des 43 Millimeter großen Stahlgehäuses. Im Gegensatz zur ersten Roue Carrée –Edition bringt die Manufaktur den neuen Zeitmesser unlimitiert auf den Markt.
Omega Speedmaster Professional Co-Axial Chronograph

Mit dem 44,5 Milimeter großen Speedmaster Professional Co-Axial Chronograph findet die Kaliberstrategie des Hauses Omega ihre Fortsetzung. 9.300 nennt sich das neue, 32,5 mm große und 7,6 mm hohe Automatikkaliber, bei dem technische Innovation groß geschrieben wird. Die koaxiale Ankerhemmung gehört dabei zu den Markenspezifika. Das komplexe Hemmrad fertigt Omega in fotolithographischer LIGA-Technologie. Für das gesamte Oeuvre braucht es weitere 328 Bauteile, daruner die schwarze Unruh mit variablem Trägheitsmoment und eine Siliziumspirale. Beide vollziehen unter einer stabilen Brücke stündlich 28.800 Halbschwingungen. Energie für mehr als 60 Stunden Gangautonomie pumpt ein beidseitig wirkender Kugellagerrotor in zwei DLC (Diamond Like Carbon) beschichtete Federhäuser. Zum Chronographen: Die Verbindung zum Uhrwerk stellt eine vertikale Reibungskupplung her. Einem klassischen Schaltrad obliegt die Steuerung der Funktionen. Intuitives Ablesen der gestoppten Zeitintervalle gewährleisten koaxial angeordnete Zählzeiger bei der Drei. Für Einsteiger gibt es Edelstahlgehäuse, finanziell Fortgeschrittene erhalten Versionen in Gold oder Platin.
Oris Big Crown X1 Calculator

Der neue Oris Chronograph aus der nostalgisch anmutenden Big Crown Kollektion erinnert an ein Ereignis, welches am 14. Oktober 1946 um 10:18 Uhr die Welt bewegte: den ersten Überschallflug der Bell X-1. Die Edelstahlschale des Big Crown X1 Calculator bringt 46 Millimeter zwischen die Backen einer Schieblehre. Dem nassen Element widersteht es bis zu drei Atmosphären Wasserdruck. Ums eigentliche Zifferblatt dreht eine Rechenscheibe, die sich per Drehlünette bedienen lässt. Beim Uhrwerk geht Oris keine Experimente ein: Das bewährte Automatikkaliber Eta 7750 ist in punkto Zuverlässigkeit und Funktionalität über alle Zweifel erhaben.
Patek Philippe Aquanaut Travel Time

Die neueste Reise-Armbanduhr von Patek Philippe besitzt genau genommen zwei Väter: Da ist zum einen die 1997 vorgestellte Sportuhr namens Aquanaut, welche mit der Referenznummer 5060 A jüngere Käufergruppen ansprechen sollte. Die zweite Wurzel heißt Travel Time. Hierbei handelt es sich um eine klassische Armbanduhr mit zwei Stundenzeigern. Die 2011er Synthese nennt sich logischer Weise Aquanaut Travel Time. Die Genfer Manufaktur hat ihr die Referenznummer 5164 gegeben. Ihr 40,8 Millimeter messendes Stahlgehäuse mit Schraubkrone verträgt Wasserdrücke bis zu 12 Atmosphären. In der linken Gehäuseflanke befinden sich zwei Drücker. Wer von Frankfurt nach New York fliegt, muss nach dem Landen den unteren sechs Mal betätigen, um die dortige Zeit vor Augen zu haben. Bei Reisen gen Osten tritt der obere Drücker in Aktion, um den zweiten Stundenzeiger vorwärts schreiten zu lassen. Die Heimat-Stunden bleiben davon ebenso unberührt, wie die Minuten. Praktisch sind zwei kleine Fenster in der unteren Zifferblatthälfte. Mit einem Blick bieten sie Aufschluss über Tag- oder Nachtstunden. Zeitbewahrende Manufaktur-Mechanik ist für Patek Philippe Selbstverständlichkeit. Sie spannt den Federspeicher automatisch und trägt die Bezeichnung 324 SC FUS.
Rado D-Star

Bei Rado hat fortan Matthias Breschan das Sagen. Neben anderen Neuheiten setzt der gebürtige Österreicher auf die Linie D-Star. Der auf 1.111 Exemplare limitierte Chronograph in schwarz huldigt der puristisch ausgerichteten Designphilosophie des Hauses. Seine leicht ovale Schale besteht aus kratzfester Keramik. Aus Saphir wurden die Chronographendrücker und die Krone gefertigt. Zuverlässigkeit und Funktionalität gewährleistet das modulare Automatikkaliber Eta 2894-A2. Die Chronographen-Kadratur befindet sich direkt unter dem schwarzen Zifferblatt mit außen liegender Tachymeterskala. Der Chronographenzeiger in kontrastierendem Rot sticht sofort ins Auge. Ein Kautschukband hält den Stopper sicher und komfortabel am Handgelenk.
TAG Heuer Carrera Mikrograph

Im Jahr 1914 startete Charles-A. Heuer eines der wohl ehrgeizigsten Entwicklungsprojekte der Uhrengeschichte. Von seinen Uhrmachern wollte er Stoppuhren mit fünf- oder gar zehnfacher Messgenauigkeit für Sport, Wissenschaft und Militär entwickelt wissen. Einige Monate später lagen die ersten Exemplare auf dem Tisch des Chefs. Gerade einmal drei Sekunden benötigte der zentrale Sekundenzeiger für einen Sprint über 360 Bogengrade. Möglich machte dies eine Unruh, die stündlich 360.000 Halbschwingungen vollzog. Daraus resultierte die Hundertstelsekunden-Stoppgenauigkeit des am 2. Oktober 1916 patentierten Mikrograph. An diese Tradition knüpfte bereits das 2006 vorgestellte Modul-Calibre 360. Neuester Repräsentant dieser Spezies Zeitmesser ist eine komplette Neuentwicklung, die logischer Weise den Namen Carrera Mikrograph trägt. Das integriert aufgebaute Uhrwerk mit Schaltradsteuerung besteht aus insgesamt 396 Komponenten. Für die Zeit- und die Stoppfunktion sind zwei Federhäuser sowie zwei getrennte Schwing- und Hemmungssysteme zuständig. Ersteres ist auf vier Hertz Unruhfrequenz und 42 Stunden Gangautonomie ausgelegt. Letzteres oszilliert 12,5 Mal so schnell, was 50 Hertz entspricht. Eine derart hohe Frequenz benötigt sehr viel Energie, weshalb der zentral angeordnete Hundertstelsekunden-Stoppzeiger ohne Nachtanken maximal 90 Minuten am Stück läuft. Die völlig eigenständig entwickelte und in eigener Manufaktur gefertigte Mechanik lässt sich durch den transparenten Gehäuseboden bei ihrer Arbeit beobachten.
Tudor Heritage Advisor

Tudor, die kleine Schwester von Rolex präsentiert den Heritage Advisor, einen Mix aus alt und neu. Die Geburtsstunde des 34 mm großen Vorbilds schlug 1957, damals ausgestattet mit einem Handaufzugswecker von der Rohwerkeschmiede AS. Auch 2011 bleibt Tudor seiner Philosophie treu, keine eigenen Uhrwerke zu verbauen. Ausdruck eines moderaten Zeitenwandels ist jedoch die Verwendung eines exklusiv entwickelten und gefertigten Alarmmoduls, auf dessen Vorderseite einer Eta-Automatik residiert. Neben der Zeit lassen sich vom Zifferblatt auch die aktuell verbleibende Gangreserve und der Schaltzustand des Weckers ablesen. Bei der Sechs findet sich noch ein Zeigerdatum. Der Durchmesser des bis 10 Atmosphären wasserdichten Stahlgehäuses ist auf zeitgemäße 42 mm gewachsen.
Zenith Stratos

Der Polforscher Roald Amundsen vertraute seine kostbare Zeit Uhren von Zenith an. Der schwedische Abenteurer Johan Ernst Nilson wird es seinem Vorbild gleich tun, wenn er sich ab 30. März 2011 während eines Jahres zu Fuß, per Segelschiff, per Fahrrad sowie mit Skiern und Gleitschirm vom Nord- zum Südpol begeben wird. Für das so genannte Pole2Pole-Projekt hat Partner Zenith eine Sonderserie der neuen Uhrenlinie Stratos kreiert. Im schwarzen Gehäuse aus dem leichten Werkstoff Alchron kommt natürlich das El Primero-Kaliber zum Einsatz. Der 1969 vorgestellte Stopper mit fünf Hertz Unruhfrequenz besitzt in diesem Fall zusätzlich eine Temposchaltung. Will heißen: der Chronograph lässt sich mit einem Knopfdruck aus dem Lauf heraus nullstellen und unverzüglich wieder starten. Die markante Schale mit Drehlünette sowie Saphirgläsern vorne und hinten widersteht dem nassen Element bis zu zehn Atmosphären Druck. Ausdruck der auf 500 Exemplare limitierten Sonder-Edition Stratos Pole2Pole ist das Expeditions-Logo im Feld des 12-Stunden-Totalisators.


Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Hersteller


Gisbert L. Brunner beschäftigt sich seit 1964 mit Armbanduhren, Pendeluhren und Präzisionszeitmessern. Während der Quarzkrise in den 1970er Jahren wächst die Liebe zu den anscheinend aussterbenden mechanischen Armbanduhren. Ein leidenschaftliches Sammelhobby führt ab den 1980er Jahren zu zahlreichen Artikeln und Büchern über dieses Metier.