Wie die Baader-Meinhoff-Bande den Porsche von Rainer Schlegelmilch entführte

Andreas Baader war militanter Klassenfeind, Top-Terrorist der RAF – und begeisterter Sportwagenfahrer ohne Führerschein. Einen Porsche 911 Targa „enteignete“ er 1972 etwa dem Rennsport-Fotografen Rainer Schlegelmilch.

 

 

Frühsommer 1972 in Deutschland. Die Republik ist im Ausnahmezustand, überall blicken einem von den Fahndungsplakaten die grimmigen Gesichter der meistgesuchten RAF-Terroristen Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe entgegen. Am 1. Juni gelingt den Fahndern schließlich der große Fang: In einer Wohnsiedlung in Frankfurt-Dornbusch überwältigen 150 Polizisten in einem filmreifen Showdown die drei führenden Köpfe der Roten Armee Fraktion. Sichergestellt werden auch zwei anspruchsvolle Fluchtwagen – ein silberner Iso Rivolta und ein auberginenfarbener Porsche 911 Targa mit selbstgebastelten Handgranaten und Sprengsätzen im Gepäckraum. Rainer Schlegelmilch hört an diesem Tag im Radio von den Festnahmen und ein Freund scherzt: „Vielleicht ist das ja Dein Porsche?“ Im April war sein Elfer vor seiner Wohnung in Frankfurt gestohlen worden. Schlegelmilch lacht. Und vergisst die Sache – bis sich das Bundeskriminalamt bei ihm meldet.

Wie die Baader-Meinhoff-Bande den Porsche von Rainer Schlegelmilch entführte

„Die sagten nur, dass sie gerne vorbei kommen wollten, aber nicht warum“, berichtet der bekannte Rennsport-Fotograf. Ein hoher BKA-Beamter besucht Schlegelmilch, um ihn erst einmal in Augenschein zu nehmen und ihn anschließend darüber zu informieren, welcher besondere Autodieb seinen Porsche entwendet hat. Andreas Baader war damals nicht nur als fanatischer Antikapitalist bekannt, sondern auch als Lebemann mit einer Schwäche für Frauen und schnelle Autos – auch wenn er nie einen Führerschein besaß. Baaders Schwäche für BMW brachte den Münchener Automobilen kurzfristig sogar den Spitznamen „Baader Meinhoff Wagen“ ein.

Schlegelmich, der sich bereits kurz nach dem „Carnapping“ einen neuen Porsche gekauft hatte, durfte seinen 911 Targa in einer Aservatenkammer in Wiesbaden besuchen (oben im Bild). „Der Porsche war notdürftig von gelb in violett umlackiert worden, doch in der Tür habe die Visitenkarte eines Gourmet-Restaurants in Frankreich gefunden, das ich mit dem Wagen besucht hatte.“ Mitnehmen durfte er den Porsche jedoch nicht – er wurde als Beweisstück für Baaders Verwicklungen in verschiedene Fälle genutzt, später verliert sich seine Spur. Zu gerne würde Rainer Schlegelmich heute wissen, was aus dem Wagen geworden ist: „Mit dieser Historie müsste der Porsche ja einiges wert sein!“ Um sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des mutmaßlichen Porsche 911 Targa führen, wird deshalb ausdrücklich gebeten.

 

Weiterführende Links

Zahlreiche Porsche 911 hätte Andreas Baader im Classic Driver Marktplatz gefunden.

 

 

Foto: Rainer W. Schlegelmilch / Getty Images