Weswegen wir als Klassikerenthusiasten die Journées d'Automne so lieben

Kulinarische Hochgenüsse, umwerfend schöne Locations und eine feine Auswahl an klassischen Autos, die man selbst sofort besitzen will. Journées d'Automne bietet ein unvergessliches Wochenende entspannter Ausfahrten unter Gleichgesinnten. Das ließ sich J. Philip Rathgen nicht entgehen.

Journées d'Automne. Das klingt entweder nach einem todtraurigen französischen Chanson oder einem Roman von Rosamunde Pilcher. Aber natürlich weit gefehlt, weil diese Tage des Herbstes in Wahrheit ein wunderbares Klassikertreffen sind und jeden Oktober in die Region südlich von Paris einladen. Was vor ein paar Jahren als herbstlicher Ausflug von wenigen autoverrückten Freunden begann, ist zwar heute angewachsen, aber immer noch mit einer intimen persönlichen Note. Ein Insidertipp: So feiert man stilvoll das Saisonfinale der Klassikerkalender. 

„Du wirst es liebten”, schwärmte Rémi Dargegen, als ich ihm erzählte, dass ich endlich bei den Journées d'Automne dabei sein werde. Dieses ganz spezielle Meeting von einer Gruppe Freunden für eine Gruppe von Freunden war schon seit vielen Jahren auf meiner Bucket List. Und tatsächlich, als das argentinische Barbecue Asado am Freitagabend vor der Kulisse der spektakulären Ruinen des Château de Fére-en-Tardenois duftend brutzelte, hatte ich eher den Eindruck, bei einem altmodisch harmonischen Familienfest eingeladen zu sein.

Enthusiasten und Freunde waren dem Ruf aus Frankreich, England, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz, den USA und sogar aus Argentinien gefolgt, um großartige Küche und grandiose Weine - wir sind immerhin hier in der Champagne -, großartige Schauplätze und Straßen sowie eine wirklich ausgewählte Schar klassischer Autos zu genießen. Wilhelm Schmid, der begeisterungsfähige CEO von A. Lange & Söhne und zugleich der zurückhaltende Titelsponsor der Journées d'Automne, fuhr zusammen mit seiner Frau Yvonne in seinem beeindruckenden Porsche 911S von Dresden hierher. „Für mich ist diese Veranstaltung der Höhepunkt meines persönlichen Autojahrs”, verriet er mir. „Ich würde sie für nichts in der Welt verpassen wollen.”

Am Samstag steuerten wir den zwar kleinen aber dennoch herausfordernden Circuit des Écuyers für einen ungemein entspannten Trackday an. Das Teilnehmerfeld reichte von einem Rolls-Royce Silver Cloud von 1912, der auf den entzückenden Namen „Nellie” getauft worden war, bis hin zu einem Lotus Elan von 1973 - Autos aus fast jeder Epoche der Automobilgeschichte und nach jedem Geschmack. Noch nie habe ich soviel gegenseitige Wertschätzung unter Besitzern klassischer Automobile erlebt wie an diesen schönen Tagen im Herbst.

Auf dem kleinen Rennkurs war das Geschehen eher von Spaß als von verbissenem Wettkampf geprägt: Jeder Fahrer konnte so viele Runden absolvieren wie er wollte und im Lauf des Tages die persönliche Leistungskurve ein wenig verbessern. Wir entdeckten sogar eine Reihe von Teilnehmern, die ihre Autos untereinander austauschten. Allein daran merkte man, wie freundliche und lässig die Atmosphäre war. Und natürlich durften Frotzeleien nicht fehlen. Es war wunderbar erfrischend.

Devon Macneil hatte die weite Reise aus den USA über den Atlantik angetreten und war von den Journées schlichtweg hingerissen. „Es ist etwas ganz Besonderes, weil die Mischung der Autos so unkonventionell ist”, erzählte sie uns. „Ich habe erst eine Runde mit einem Mercedes-Benz 300SL „Flügeltürer” gedreht und mich gleich danach ans Steuer eines Lotus 7 gesetzt. Es war so cool, diesen Unterschied zu erleben. Ich denke, diese idyllische französische Landschaft um uns herum hat auch nicht geschadet.”

Dirk Rumpff, der das kürzliche Flitzer Club-Meeting in Berlin organisierte, hat sich den Ort des Events zu Nutze gemacht, und die Journées d'Automne in einen transkontinentalen Roadtrip mit seinem schönen dunkelgrünen Maserati Khamsin verwandelt. Ich war im Übrigen von der schieren Zahl junger Teilnehmer beeindruckt. Anscheinend trifft dieses familiäre und relaxte Konzept genau den Nerv der jüngeren Generation. Wir entdeckten ein Vater-Sohn-Duo in einem sehr schönen Alpine A110 1600S und ein paar Fahrer, die allein unterwegs waren, aber unglaublich stolz darauf, ihren allerersten Klassiker zu besitzen. 

Man muss einfach ins Schwärmen kommen, weil die Journées d'Automne meiner Meinung nach genau die Art von Klassikerveranstaltung ist, der man eine strahlende Zukunft voraussagen kann. Nicht die strengstens zu befolgenden Tagesprogramme und Zeiten, die man bei vielen anderen, etablierten Events erlebt. Nein, hier herrscht Kür und keine Pflicht. „Leben und leben lassen” ist hier oberstes Lustprinzip, und es funktioniert sehr gut. Rémi hatte völlig Recht. Ich liebe die Journées d'Automne und komme auf jeden Fall wieder zurück - das nächste Mal mit einem Klassiker!

Fotos: Mathieu Bonnevie für Classic Driver © 2019 

Wenn Sie im nächsten Jahr bei den Journées d 'Automne mit von der Partie sein wollen, finden Sie dafür Hunderte von passenden klassischen Autos zum Verkauf im Classic Driver Markt.