Welcome to Windrush – wo Londons Superautos überwintern

Dank des relativ milden Wetters genießen Londons Classic- und Supercars heuer etwas länger Auslauf. Doch mit Weihnachten vor der Tür geht es für viele nun in den Winterschlaf. Wir besuchten eines jener Unternehmen, die sich auf die Hege und Pflege der guten Stücke spezialisiert haben.

Windrush Car Storage entsprang dem Wunsch seines Gründers Tim Earnshaw, seinen während des Studiums in fünfjähriger Freizeitarbeit selbst gebauten Morgan auf MG-Basis vernünftig unterzustellen. Weil er keine geeignete Unterkunft für seinen liebgewonnenen Klassiker fand, machte er sich an die Konstruktion eines eigenen „Autohauses“. Das erweckte bald das Interesse von Freunden und Bekannten, sodass Earnshaw sein Hobby zum Geschäft machte. Neben seinem Hauptjob im Bereich Formel 1-Logistik öffnete er seine Halle anfangs halbtags.

Seitdem sind zehn Jahre vergangen, und längst hat Windrush in Form einer 200 Wagen fassenden, zweistöckigen Anlage in den Cotswolds expandiert. Dazugekommen ist aktuell eine weitere Herberge für 100 Autos in West-London, um so der immer größeren Nachfrage nach einem Winterquartier im Umfeld der Hauptstadt gerecht werden zu können. Auch wenn die trockene und sichere Unterbringung eines Modells das Kerngeschäft bleibt, hat Windrush sein Angebot um einen Concierge-Service erweitert: Darunter fallen globale Transporte, Wagenpflege, Service & Wartung bis hin zu Restaurierungen. Wir sprachen mit Earnshaw über die Kunst einer Rundumversorgung für einige der behütetsten Automobile Londons.

Was passiert, wenn Ihnen jemand sein Auto erstmals vorbeibringt?

Dann wenden wir eine Art „Rezept“ für alle Dinge an, die wir in den letzten Jahren gelernt haben. Egal ob Mini Metro oder Ferrari 458 Speciale – jeder Wagen geht durch eine 20 Posten starke Checkliste. Das dauert drei Stunden und wird komplett fotografisch dokumentiert. So kann der Besitzer – selbst wenn er gerade am anderen Ende der Welt ist  - genau überprüfen, wie gründlich wir seinen Wagen unter die Lupe nehmen.  

 Während dieses Prozesses lernen wir jedes Auto individuell kennen. Und wissen dann genau, wo wir ansetzen müssen, um es auf unsere hohen Standards zu bringen. Wir können Defekte lokalisieren, die dem Besitzer vermutlich noch nie aufgefallen sind. Und sie beheben, ehe das Auto wieder aus dem Winterschlaf geholt wird. 

Wodurch unterscheidet sich Ihr Unternehmen von anderen Betrieben mit ähnlichen Serviceversprechen?

Beim Begriff „Car Storage“ denken viele zunächst an eine Scheune, in der staubige, dreckige Autos im Zentimeterabstand über- und untereinander gestapelt sind. Zum Glück können wir solche Zerrbilder zerstreuen: Unsere Gebäude sind klimaüberwacht, wir halten die Batteriespannung konstant und zwischen den Autos ist so viel Luft, dass sie bei Bedarf schnell von ihrem Standplatz abgezogen werden können.

Darüber hinaus geht es uns um die Details. Nehmen Sie zum Beispiel einen Kunden, der sein Auto nur einmal im Jahr benutzt. Wenn er dann irgendwo in der Einöde mit verschmutzter Windschutzscheibe und leerem Behälter für die Waschanlage strandet, ist das sehr ärgerlich. Oder schlimmer: Wenn zusätzlich noch die Batterie schlapp macht. Da wir selbst „Car guys“ sind, wissen wir, wie frustrierend so was sein kann. Daher haben wir aufgrund unserer eigenen Erfahrungen solche vermeintlich „kleinen“ Probleme in die anfangs erwähnte Checkliste aufgenommen.

Nach zehn Jahren im Geschäft – welche Autos faszinieren Sie noch?

Wenn man jeden Tag im Umfeld solcher Fahrzeuge arbeitet, kann leicht eine Desensibilisierung eintreten. Okay, wenn da ein neuer Aston Martin oder Ferrari reinkommt, erzeugt das schon noch einen leichten Schauer auf der Haut. Doch am meisten empfinde ich für Autos, die nicht unbedingt einen hohen Geldwert repräsentieren, sondern für ihren Besitzer eine sentimentale Bedeutung haben. Weil es ihr erstes Auto war, sie darin geheiratet haben oder mit ihm auf eine unvergessliche Reise gegangen sind.

Ich mag Autos mit einer Geschichte, mit einer Seele. Einer meiner Favoriten ist ein bescheidener Ford Capri. Er hat noch immer seine Original-Farbe Gold und einen 1,6-Liter-Motor. Der Vater des Besitzers
erwarb ihn neu und vererbte ihn an den Sohn. Er ist nur einen Bruchteil dessen wert, was einige unserer Exoten erzielen - doch für diesen Mann ist das Auto von unschätzbarem Wert. Solch ein Modell anvertraut zu
bekommen, ist für mich ein sehr dankbarer Aspekt meines Jobs.

Ein weiterer spannender Nebeneffekt unserer Arbeit sind selbst für uns neue und ungewöhnliche Bedienlösungen. Zum Beispiel bei einem Alpina-BMW, der vor sechs Monate hereinkam. Wir stellten fest, dass die
Luftdruck-Ventile für die Reifen hinter den Radkappen versteckt waren – die Luft ging durch eine Radspeiche und dann bis in den Reifen. Und speziell ältere Wagen haben alle ihre eigene Anlass-Prozedur. Solche Dinge begeistern uns, und so soll es auch sein. Denn in der Natur unserer Geschäfts liegt es, besonders genau auf jedes Detail zu achten.

Fotos von Amy Shore für Classic Driver © 2015