Welche Fahrt können Sie bis heute nicht vergessen, Herr Lühn?

Als junger Automobildesigner tauchte Jan B. Lühn im Jahr 2002 beim Pebble Beach Concours erstmals in die Welt der Klassiker ein. Wenig später arbeitete er bereits beim Auktionshaus Christie’s, 2006 gründete er sein eigenes Business. Wir trafen den Automobil-Broker zum Gespräch.

Herr Lühn, welches ist das erste Automobil, an das Sie sich aus Kindertagen erinnern?

Das ist gar nicht so einfach. Porsche 911 haben mich schon früh begeistert. Und ich war fasziniert von den Gruppe-C-Rennwagen in Le Mans. Mein Vater nahm mich während meiner Jugend mit zu den Rennen, wo ich Michael Schumacher im Sauber C9 gegen Jaguar XR9 und Co. antreten sah.

Wie wurde Ihr Interesse für Autos ausgelöst?

Wiederum durch meinen Vater, der mich zu den großen Rennsportveranstaltungen mitgenommen hat. Wir kamen vom Land, und ich schaute damals Formel-1-Rennen über Antenne, die BBC übertrug. Den Sender konnten wir bei uns empfangen, da viele britische Soldaten in unserer Umgebung stationiert waren.

Welche Erfahrung ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Mein Einstieg bei Christie’s. Ich habe eigentlich Automobildesign studiert und bin eher zufällig zu diesem Auktionshaus gelangt. Mein Schlüsselerlebnis, das mich dahin brachte, war der Pebble Beach Concours d'Elegance im Jahr 2002, wo ich als Tourist während einer Reise über diese Veranstaltung stolperte. Dort bin ich das erste Mal mit der Welt der Klassiker und Auktionen in Berührung gekommen und habe auch den Kontakt zu Christie’s geknüpft.

Welche Fahrt können Sie bis heute nicht vergessen?

Meine einsame Fahrt auf der Nordschleife im Porsche 993 RS. Ich hatte an diesem Tag die Strecke für einen Trackday mit Kunden gemietet. Bei meiner letzten Runde war ich ganz alleine auf der Strecke. Ein großartiges und emotionales Erlebnis, das mich bis heute bewegt.

Haben Sie ein Lieblingsautomobil?

Ein Einziges? Eigentlich nein. Ich könnte Ihnen mein Lieblingsautomobil aus jedem Jahrzehnt nennen. Mich fasziniert ein Alfa 8C aus den 1930er Jahren genauso wie die großen Rennsportikonen aus den1960ern und 1970er bis zu den Gruppe-C-Autos der 1980er Jahre. Aber wenn ich wirklich nur ein Lieblingsauto nennen müsste, dann wäre es wahrscheinlich der McLaren F1.

Verfolgen Sie bei klassischen Automobilen eine bestimmte Philosophie?

Für mich lebt ein Klassiker von seiner Originalität und Geschichte. Am meisten begeistern mich unberührte Exemplare.

Nach drei Jahren bei Christie’s haben Sie sich 2006 mit einem eigenen Klassikerhandel selbstständig gemacht. Was ist seither passiert?

Meine Unternehmung als Automobil-Broker habe ich 2006 in meinem Wohnzimmer in Brüssel gegründet. Seither bin ich mit meiner Firma mehrmals umgezogen und habe mich kontinuierlich vergrößert. Vor eineinhalb Jahren eröffnete ich meinen heutigen Showroom in einer ehemaligen Stellmacherei, Baujahr 1906, außerhalb von Münster. Wir haben die historische Scheune aufwändig restaurieren lassen. Früher wuchsen hier noch Disteln, und es gab keine Leitungen für Wasser und Strom. Ich habe den Showroom so gestaltet, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Eine wohnliche Atmosphäre mit einer offenen Küche und einer Schlafmöglichkeit für Kunden aus dem Ausland. Schließlich verkaufe ich ein Hobby, und die Kunden sollen Spaß haben, wenn sie mich besuchen.

Seitdem haben sie zahlreiche historische Rennwagen verkauft. Welcher davon war ihr persönliches Highlight.

Ein Ex-Targa-Florio Porsche 908/3, den ich im Jahr 2006 vermittelt habe - weil er aus verschiedenen Gründen meinen Weg ebnete und den Einstieg ins "große Business" bedeutete. Ein weiteres Highlight war der Ferrari 512 M vom Team Ecurie Franchorchamps mit bedeutender Le-Mans-Historie, den ich letztes Jahr verkauft habe.

Welches Auto würden Sie gerne einmal handeln?

Wahrscheinlich einen Ferrari 250 GTO.

Die Techno Classica 2015 steht vor der Tür. Welche Autos bringen Sie dieses Jahr mit nach Essen?

Ich habe dieses Jahr einen großen Stand in Halle 1. Analog zu meinem Kerngeschäft werde ich eine bunte Mischung aus verschiedenen Sport- und Rennwagen präsentieren. Dazu gehören ein Ford GT40 von 1968 mit Le Mans Historie, ein 1973er Porsche 2.8 RSR Werksrennwagen, ein originaler Lancia Delta Integrale mit Werkshistorie, einen Porsche 550 Spyder und einige ausgewählte Straßensportwagen – darunter ein Bugatti EB110 SS, ein Ferrari 365 GTB/4 Daytona und ein Lamborghini LP400S. Vielleicht gibt es auch noch ein paar Überraschungen…

Fotos: Jan B. Lühn

Das Angebot von Jan B. Lühn finden Sie im Classic Driver Markt – und vom 15. bis 19. April 2015 live auf der Techno Classica in Essen.