Timeless Classics: Ferrari 250 LM

Der fabelhafte Ferrari 250 LM ist ein Kind der Mittelmotor-Revolution, die in den frühen 1960er Jahren die Sportwagenwelt im Sturm eroberte. Nur ein Mann hatte sich der Revolution konsequent in den Weg gestellt: Enzo Ferrari.

Für Il Commendatore hatte ein Motor seinen Platz unter der Fronthaube – und nirgends sonst. Doch die Ingenieure in Maranello ließen sich nicht aufhalten: 1963 gewann ein Ferrari 250 P als erster Mittelmotor-Sportwagen die 24 Stunden von Le Mans – kein Frontmotor sollte dort nach diesem Tag mehr einen Gesamtsieg erreichen. Und auch der Ferrari 250 LM – eine geschlossene Variante des Ferrari 250 PS – dominierte das Geschehen in Le Mans und landete 1965 gleich auf den ersten beiden Plätzen. Es war das letzte Mal, dass Ferrari das legendäre Langstreckenrennen gewann. 

Mathematische Ungereimtheiten

Auf der Rennstrecke ist der Ferrari 250 LM ein außergewöhnliches Auto: flink, ausgewogen und von einem schlichtweg großartigen 3,3 Liter V12 nach vorne getrieben. „Ähem“, hören wir die mathematisch Begabten unter Ihnen anmerken: „Wurden die Ferrari zu dieser Zeit nicht nach ihrem Hubraum pro Zylinder benannt? Wenn man 3.300 durch 12 teilt, kommt man auf 275 – warum zur Hölle heißt er denn nun 250 LM und nicht 275 LM?“ Guter Punkt, doch die allerersten Exemplare hatten noch einen Drei-Liter-Motor und vielleicht dachte Enzo Ferrari, ein weiterer Namenswechsel würde zu Problemen mit der FIA führen. Mit den Rennregulatoren hatte er bereits Bekanntschaft gemacht, als er erfolglos versucht hatte, den Ferrari 250 LM als Ferrari 250 GTO mich leicht versetztem Motor zu verkaufen – der Mittelmotor-Sportwagen war schließlich nie homologisiert worden. So musste das neue Modell im internationalen Rennsport in der Prototypenklasse mitmischen, wo es ausschließlich von privaten Teams eingesetzt wurde. Das änderte jedoch nichts am Erfolg: Der Sieg 1965 in Le Mans ging auf das Konto von Luigi Chinettis NART-Team. 

19 von 32

Insgesamt wurden nur 32 Exemplare des Ferrari 250 LM gebaut. Der Mittelmotor-Revoluzzer ist somit sogar seltener als ein GTO. Das hier gezeigte Exemplar trägt die Nummer 19, und es ist höchst ungewöhnlich, dass der Ferrari niemals auf der Rennstrecke zum Einsatz kam. Luigi Chinetto Motors hatten den Neuwagen einst als Straßenversion an den Casino-Mogul William Fisk Harrah verkauft.

Ein Gewinner im zweiten Leben

Nach einem verheerenden Unfall im Jahr 1969 wanderte der Ferrari 250 LM durch die Hände verschiedener Fahrer. Der aktuelle Besitzer ließ den Ausnahme-Ferrari schließlich vollständig restaurieren, um ihn im Rennsport einzusetzen. In seiner Originalspezifikation und mit dem Zertifikat von Ferrari Classiche sicherte sich der 250 LM im Januar 2014 als „außergewöhnlichster Zwölfzylinder-Ferrari“ den Ferrari Classiche Cup bei den XIII Palm Beach Cavallino Classic. Am 15. und 16. August 2014 wird der Ferrari 250 LM nun von RM Auctions im kalifornischen Monterey versteigert.

Dieser Artikel ist Teil der Serie „Timeless Classics“, die von RM Auctions präsentiert und freundlich unterstützt wird.