Snapshot 1993: Giugiaro und sein unvollendetes Meisterwerk

Es ist Februar 1993, und im Bugatti Automobili-Werk in Campogalliano sitzt der „Designer des 20. Jahrhunderts“, Giorgetto Giugiaro, neben seinem jüngsten Meisterstück, dem EB112 Concept. Noch ahnt er nicht, dass die aufregende Limousine nicht mehr als ein Mythos bleiben wird...

Die von Romano Artioli aus dem Dornröschenschlaf neu erweckte Marke Bugatti hat mit dem EB110 bereits hohe Wellen geschlagen. Was den italienischen Unternehmer dazu ermutigt, dem innovativen Supersportwagen eine große Limousine folgen zu lassen – genauso, wie es Ettore Bugatti mit dem Typ 57 Galibier einst getan hatte. Für das Projekt verpflichtet er den ohne Zweifel besten Designer von allen, Giorgetto Giugiaro. Mit dem Auftrag, ein viertüriges Fastback-Design zu zeichnen, das mit Designelementen wie dem „Rückgrat“ oder den Felgen im Stil des Royale eine Brücke zu legendären Vorkriegs-Modellen aus Molsheim schlägt. Sogar den Griff des im Kofferraum verstauten Regenschirms lässt der Turiner exakt so formen wie der tanzende Elefant von Rembrandt Bugatti.  Doch wird – allen Beteiligten da noch nicht bewusst – der EB112 niemals Serienstandard erreichen. Finanzielle Probleme lösen Artiolis Bugatti-Träume vorzeitig in Luft auf und sichern dem EB 112 einen vorzeitigen Eintrag im Geschichtsbuch. Was hätte nur daraus werden können? 

Foto: Gamma-Rapho via Getty Images ©