Rennbaron, Spin Doctor – Huschke von Hansteins Porsche 356 könnte viel erzählen

In seiner Doppelrolle als Rennleiter und PR-Direktor machte Huschke von Hanstein die junge Marke Porsche weltweit bekannt. Und zimmerte kräftig mit am Mythos der Zuffenhausener Autos. Zwei Jahre lang war dieser Porsche 356 Carrera 2 das Dienstfahrzeug des Rennbarons und jovialen Kommunikators...

Der 1911 in Halle geborene Sohn eines preußischen Husarenoffiziers entwickelte schon gleich nach der Schule ein lebhaftes Interesse am Motorsport. Seine Rennsportkarriere startete Fritz Huschke Sittig Enno Werner von Hanstein zunächst auf zwei Rädern, ehe er 1934 bei der 2000-Kilometer-Fahrt durch Deutschland auf einen Hanomag Rekord mit 1,5-Liter-Motor umstieg. Im Anschluss beteiligte sich der Freiherr an Trial-Wettbewerben und Langstreckenfahrten, die ihn bis nach Marokko führten. 1937 sah man von Hanstein, der nebenbei noch ein Studium bestritt, auf einem Adler-Stromlinienwagen bei den 24 h von Le Mans. 

Bergmeister und Mille Miglia-Sieger

Huschkes Motorsportlaufbahn gipfelte 1938 im Gewinn der Deutschen Bergmeisterschaft auf BMW 328 und im Gesamtsieg bei der wegen des bereits ausgebrochenen Krieges auf einem Rumpfkurs in der Po-Ebene ausgetragenen Mille Miglia von 1940. Dass ihm seine Mitgliedschaft in der motorisierten SS - Huschkes schwarzer Berg-328 trug das Kennzeichen SS-333 und SS-Abzeichen an den Seiten -  bei seinen motorsportlichen Aktivitäten förderlich war, nahm der Baron in Kauf. Schließlich stellte ihm die Nazi-Organisation auch einen Mechaniker und Transporter zur Verfügung und beschaffte auch alle Motorsport-Lizenzen. Die SS soll auch erwirkt haben, dass von Hanstein einen der stromlinienförmigen BMW bei der „Mille“ fahren durfte. Nach dem Krieg rückte der Opportunist Huschke trotz seiner nicht ganz blütenreinen Vorkriegs-Biographie schnell in führende Positionen auf. Und entfaltete bald sein angeborenes Talent für publikumswirksame PR-Arbeit. Ganz Lobbyist, Strippenzieher und Diplomat, freundete sich der Tausendsassa 1952 mit Ferry Porsche an. Der ihm erst zum Werksfahrer und dann zum Rennleiter und PR-Chef ernannte.   

Weltenbummler, PR-Guru, Organisations-Genie 

Nun war der reisefreudige, weltmännisch auftretende und polyglotte Herrenfahrer ganz in seinem Element. Immer wie aus dem Ei gepellt und fließend in vier Sprachen, organisierte von Hanstein die Aktivitäten der noch jungen Marke und machte Porsche auch in Überseemärkten bekannt. Manchmal griff er auch noch selbst ins Steuer; dabei sprang immerhin der Gesamtsieg bei der Targa Florio von 1956 und die Berg-Europameisterschaft von 1960 heraus. Stirling Moss, einer der berühmtesten Schüler der Hansteinsche Schule, sagte einmal: „In jener Zeit war Huschke mehr als das Gesicht des Porsche-Rennteams – er WAR das Porsche-Team.“ Als Leiter der Presseabteilung stand dem Hans Dampf in allen Gassen natürlich auch ein Dienstwagen zu. Diesen Porsche 365B Carrera 2 GS Coupé aus dem Pressefuhrpark fuhr der Baron zwischen 1963 und 1965. Es wird erzählt, dass Huschke zu keiner Zeit mit etwas anderem als einem Porsche vorfuhr. Fotos dieses 356 bei einem Skiausflug in den Alpen scheinen das zu bestätigen. 

Der radikalste 356 aller Zeiten

Der vom Karosseriewerk Reutter hergestellte 356 ist, wie von einem Pressewagen zu erwarten, sehr gut ausgestattet. Davon zeugen das sehr seltene Schiebedach, Scheibenbremsen an allen vier Rädern und der 130 PS starke Carrera 2000 GS-Viernockenwellen-Motor vom Typ 587/1. Dieser prominente 356 wird aktuell vom Classic Driver Händler Maxted-Page Ltd. zum Verkauf angeboten. „Der Carrera 2000 GS war 1964 Porsches Top-Modell“, sagt Firmengründer Lee Maxted-Page. „Zugleich war es der technisch radikalste 356, den Porsche jemals gebaut hat.“

Trotz des bedeckten Himmels werden auf den Bildern unseres Fotografen Rémi Dargegen die optischen Reize des von Grund auf restaurierten 356 offensichtlich. Genauso fuhr ihn damals der Baron – bis hin zur Originalfarbe Ivory mit ihren elfenbeinfarbigen Schattierungen. Und wenn man auf den schwarzen Ledersitzen mit Mittelbahnen im Pepita-Muster Platz nimmt und das Holzlenkrad umfasst, wird deutlich, dass dies kein gewöhnlicher 356 ist. Nein, hier saß Huschke, er fuhr ihn!

Das Gesicht von Porsche

Von Hanstein blieb auch nach seiner Pension ein Ruheständler im Unruhestand. So sah man ihn zum Beispiel in seinem Sommerdomizil in Südfrankreich mit den Formel 1-Fahrern Lauda, Regazzoni, Hill, Jarier und Wilson Fittipaldi beim gemeinsamen Motocross-Fahren mit Enduro-Maschinen. Er blieb dem Rennsport verbunden, auch als zeitweiliger Sportpräsident des AvD und ganz allgemein als Vorzeige-Persönlichkeit und Markenbotschafter. Das „Porsche-Gesicht“ der 1950er und 1960er Jahre“ starb 1996 im Alter von 85 Jahren. Dem Motto „Adel verpflichtet“, blieb er bis zum Schluss treu. Jeder, der einmal das Glück hatte, dieser überlebensgroßen Person persönlich zu begegnen, wird seinen einnehmenden Charme und seine unerschütterliche Passion für Porsche und den Motorsport in Deutschland im Gedächtnis behalten. Unter anderem war es auch von Hanstein, der die Popularität der in den USA erstmals gestarteten Formel Vau-Rennwagen erkannte und sie dann nach Deutschland holte – wo sie dann ebenfalls und über ganz Europa einen Siegeszug antraten. Huschke war eben ein genialer Marketing-Stratege. Als Tribut an einen seiner verdienstvollsten Mitarbeiter hat Porsche sogar ein weiteres Ex-Hanstein-Dienstauto in seine permanente Sammlung aufgenommen – ein dunkelgrünes Porsche 356A 1600S Coupé mit cremefarbigem Interieur. Nun liegt es an Ihnen, es dem Porsche-Museum gleich zu tun.

Fotos: Rémi Dargegen für Classic Driver © 2016 / Getty Images / Porsche Archive