Land Rover Defender LXV: Ein Freund, ein guter Freund

Die automobilen Hochkaräter von gestern und heute stehen zur Fotoproduktion bereit. Doch wie transportiert man das Equipment, ohne dabei seinen Stil zu verraten? Classic Driver entschied sich für einen besonderen Lastesel - den Land Rover Defender in der Jubiläumsedition LXV.

Ein robustes Arbeitstier , mit dem man auch zum Black Tie Dinner im Buckingham Palace vorfahren könnte.

Zum Shooting mit den großen Ikonen der Automobilkultur reist man nicht mit dem Allerwelts-Kombi an – so zumindest sehen wir das bei Classic Driver. Und haben uns für eine Reihe von Fotoproduktionen in England von Land Rover ein robustes Arbeitstier ausgeliehen, mit dem man notfalls aber auch zum Black Tie Dinner im Buckingham Palace vorfahren könnte. Der Jubiläums-Defender LXV zum 65. Geburtstag von Land Rover (die Queen bringt es erst auf sechs Jahrzehnte im Zeichen der Krone) wirkt mit ihrem kurzen Radstand zwar auf den ersten Blick wie ein großes Spielzeug. Doch die elegante Lackierung in „Santori Black Sawtooth“ sowie die vollständige Lederausstattung machen dann doch einiges her. Kein Wunder, dass die 65 Exemplare sofort ausverkauft waren. 

 

Und so machten sich die beiden „Classic Driver“ samt Fotoausrüstung mit ihrem „M1 LXV“ an die Arbeit. Erste Herausforderung: Der Londoner Großstadtverkehr, durch den wir uns allmorgendlich schieben müssen. Man braucht eine gewisse Zeit, sich an den Charakter des zeitlosen Offroad-Helden zu gewöhnen: Die Lenkung verlangt vom Fahrer den Einsatz von mehr als zwei Fingern und dazu noch eine gehörige Portion Geduld – das Feedback kommt gefühlt noch per Telegramm. Der kurze Radstand macht die Fahrt über Londons unvermeidliche „Speedbumps“ zum echten Offroad-Abenteuer. Der Fahrer nimmt’s gelassen, sein Beifahrer schüttet sich erst den Kaffee über den Schoss und stellt dann angesichts seiner mehr als bescheidenen Tastentrefferquote das Emails-Beantworten auf dem wild hüpfenden iPad ein. 

Ein aerodynamisches Abenteuer

Auf der Autobahn geht es dann etwas ruhiger zur Sache: Auch wenn die Langstreckeneigenschaften vor sieben Jahrzehnten, als der erste Land Rover konzipiert wurde, sicherlich nicht ganz oben im Pflichtenheft standen, schlägt sich der Defender sehr tapfer. Mit der fast senkrecht stehenden Scheibe radieren wir zwar ganze Fliegen- und Mückendynastien aus dem örtlichen Ökosystem, während die großen Rückspiegel im Fahrtwind ihre ganz einenen Klangkompositionen zum Besten geben. Und doch halten wir stets mit unseren areodynamischeren Vordermännern mit. 

 

 

Einen Defender kauft man sich aus zweierlei Gründen: Wegen seiner beeindruckenden, über Jahrzehnte antrainierten Offroad-Eigenschaften. Oder wegen seines Images. Zur Stilikone hat es der große Kastenwagen erst in den letzten zehn Jahren gebracht – als puristisches Statement für Ecken und Kanten in einer immer organischer werdenden Design-Epoche. Egal, ob wir mit dem LXV bei Duncan Hamilton auf den Hof rollten, um die legendäre Gulf Collection zu inszenieren, oder mit dem neuen Aston Martin DB9 Volante auf Fotoproduktion durch’s englische Outback schaukelten – immer machte der Defender eine gute Figur. Als Ikone „Made in the UK“ steht er mittlerweile sowieso über allen Markengrenzen. Bei Aston winkt uns schon der Pförtner freudig entgegen: „Mit dem Defender bin ich vor 20 Jahren durch Marokko gereist.“ Soviel Sympathie kann wohl kaum ein anderes modernes Auto für sich behaupten – da vergisst man gerne alles Geschaukel.

 

Sowieso ist der Land Rover Defender wohl einer der letzten Klassiker, die man noch neu im Showroom kaufen kann. Seit Mercedes die G-Klasse praktisch eingestellt hat, ist der letzte echte Landy sowieso allein auf weiter Flur. Und auch bei Land Rover steht die Wachablösung an, die nächste Defender-Generation hat mit dem aktuellen Modell wohl nur noch den Namen gemein. Wer also noch ein echtes „Gentlemen’s Workhorse“ besitzen möchte, sollte zuschlagen, bevor es zu spät ist. 

Fotos: Jan Baedeker