Jungfrauen und echte Diven bei RM Sotheby’s in der Villa Erba

Beim Concorso d’Eleganza am kommenden Wochenende lauscht man nicht nur den Wellen des Comer Sees, Reifen auf Kies und Jazz. Feine Hammerschläge signalisieren die alle zwei Jahre stattfindende Villa Erba-Auktion von RM Sotheby’s, die diesmal 66 Autos, Motorräder und sogar eine Yacht aufbietet.

Schützende Umhüllung

Dieses Los hat in den Wochen vor der Villa Erba-Versteigerung nicht nur in der Fachpresse für große Aufregung gesorgt: Der Porsche 911 Carrera RSR 3.8 von 1993 ist so „neu”, dass er immer noch das vom Werk aufgetragene Cosmoline-Schutzfett auf seiner Karosserie trägt. Dieses Exemplar ist eines von nur 51 Stück und hat gerade einmal zehn Kilometer auf der Uhr. Man darf sich fragen, ob dieser unberührte Sportwagen überhaupt je seinen Motor entfesseln wird. Das extravagante Interieur in Guards Red dürfte nicht nach Jedermanns Geschmack sein. Aber vielleicht spielt das auch keine Rolle, denn mit der explodierenden Nachfrage nach luftgekühlten Porsches dürfte der Schätzwert von 2 – 2,2 Millionen Euro durchaus erreicht werden.

Unbestreitbar schön

Zu den Highlights der Villa Erba-Auktion zählen diesmal keine außerordentlichen Ferraris. Dafür lockt einer eher traditionelles Quartett von bemerkenswerten Vorkriegsautos. Da ist der Mercedes-Benz 680 S Torpedo-Sport-Avant-Garde mit Saoutchik-Karosserie von 1928 (Schätzwert: 6,5 – 8 Millionen Euro), der in Pebble Beach bereits „Best of Show” gewann, sowie der grandiose Talbot-Lago T150-C SS „Goutte d’Eau” von 1937, dessen Formen von Figoni & Falaschi stammen (Schätzwert: 3,2 – 3,8 Millionen Euro). Dazu zählt noch der erste Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport Serie 4 (Schätzwert: 2,2 – 2,6 Millionen Euro) und der ausgesprochen seltene Bugatti Typ 57 Atalante Prototyp von 1935 (2,8 – 3,2 Millionen Euro), dessen Karosserie im Molsheimer Werk entworfen worden ist. Diese vier Automobile dürften Besucher wie Aussteller des benachbarten Concorso d`Eleganza Villa dEste entzücken.

Die Heilige Dreifaltigkeit

Es sagt viel aus über die aktuelle Nachfrage nach limitierten modernen Supersportwagen, dass sich vier bedeutende Vorkriegsschönheiten das Rampenlicht mit drei der jüngsten und zugleich technisch faszinierendsten Hybrid-Hypercars teilen. RM ist es als erstes Auktionshaus gelungen, das zu vereinen, was man gemeinhin die „Heilige Dreifaltigkeit” getauft hat: der McLaren P1, der Porsche 918 Spyder und der LaFerrari. Aus dem Trio gefällt uns der für die Straße modifizierte P1 GTR besonders gut – er wird auf Respekt einflössende 3,2 – 3,6 Millionen Euro geschätzt. Kann man sich einen besseren Begleiter für die Fahrt zum Bäcker sonntags wünschen?

Die jungen Wilden

Aber die Super-Supersportwagen bekommen schon die Konkurrenz von zwei weiteren Lieblingen des aktuellen Marktes zu spüren: der Porsche 911R und der Ferrari F12TdF. Der Porsche, der nicht nur weniger als 1.000 Kilometer auf der Uhr hat und in einer eher konventionellen Farbkombination ausgeliefert wurde, soll für geschätzte 390.000 – 440.000 Euro unter den Hammer kommen. Der Ferrari in atemberaubenden „Blu Swaters” ist wunderbar ausgestattet. Nichts wurde bei der Optionsliste vergessen – wir hätten es nicht besser machen können. RM hat einen ambitionierten, aber durchaus erzielbaren Schätzwert von 750.000 – 800.000 Euro festgelegt. 

Ehrgeiz in Gelb 

Ein ebenfalls interessantes Los im Katalog ist der Lamborghini Diablo SE30 von 1994 von dem nur 150 Stück gebaut wurden und der mit 370.000 -450.000 Euro einen guten Wert bietet. Vor allem im Vergleich mit den bereits erwähnten jüngeren „Modern Classics”. Wir sind nicht überzeugt, ob dieses Urteil auch auf die beiden Aston Martin V8 Zagato zutrifft: ein Volante von 1989 und ein Coupé von 1987, beide low mileage. Der Farbton „Fury Yellow” beim Ersten ist so extrem, dass er schon wieder zum unkonventionellen Zagatodesign passt. Aber nachdem bei Bonhams bei der Newport Pagnell-Versteigerung letzte Woche ein Exemplar mit weniger Kilometer und attraktiverer Lackierung mit 281.500 Pfund (inklusive Kosten) unter dem Schätzwert blieb, dürften die veranschlagten 450.000 – 500.000 Euro ein wenig zu ehrgeizig sein.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von RM Sotheby’s © 2017 

Sie finden den Gesamtkatalog der RM Sotheby´s Villa Erba-Auktion, die am 27. Mai 2017 stattfindet im Classic Driver Markt.