Good Lord: Die unglaubliche Geschichte von Hesketh Racing

Für jemanden, der noch vor seinem fünften Geburtstag einen Adelstitel und damit 3.200 Hektar Land mit eigener Pferderennbahn, einem kleinen skurrilen Dorf und einem von Hawksmoor entworfenen Herrenhaus erbt, hat das Wort „normal“ eine ganz eigene Bedeutung.

Hesketh lernte den jungen Fahrer James Hunt kennen, der gerade mit aller Mühe versuchte, einen „Arbeitsplatz“ zu finden...

Kein Wunder also, dass der 22-jährige Lord Alexander Fermor-Hesketh begeistert reagierte, als er während einer Veranstaltung auf den Gleichgesinnten Anthony „Bubbles“ Horsley traf, der ihm den Vorschlag unterbreitete, ein eigenes Formel-3-Team zu gründen (und zu bezahlen). Damit beide etwas zu tun hatten am Wochenende.

So wurde 1972 Hesketh Racing gegründet – mit dem großen und überschäumenden Lord Hesketh als Teamchef und Horsley als nicht gerade brillantem Piloten. Das Duo zog schnell einige Gleichgesinnte an sich – den Lieferwagenfahrer Charles Lucas, Enkel des Architekten der Londoner Albert Hall, sowie Tom Benson, ein erfolgreicher Gastronom aus Chelsea, der fortan das Catering organisierte, und Christopher Simon Sykes, der das fröhliche Treiben des Rennteams mit der Kamera filmisch festhielt. Sykes sollte später ein bekannter Fotograf werden.

Ein schicksalhaftes Treffen

Viele Monate bereiste das Team Europas Rennstrecken mit großem Enthusiasmus, jedoch wenig Erfolg. Bis Hesketh den jungen Fahrer James Hunt kennenlernte, der gerade mit aller Mühe versuchte, einen „Arbeitsplatz“ zu finden – hatte er sich doch jüngst als rücksichtsloser Rennwagen-Crasher einen Namen gemacht. Der ehemalige Schuljunge der Public School war schneidig und spitzbübisch und passte daher perfekt ins Team. Das Team wechselte bald in die Formel 2. Doch Hesketh schlug vor, gleich in die Königsklasse einzusteigen. Die einleuchtende Begründung: Wenn man schon derart viel Geld investiere, solle es auch richtig Spaß machen.

Hesketh Racings erster Auftritt in der Formel 1 fand beim Großen Preis von Monaco statt. Das Team wählte eine Rolls-Royce Corniche und einen Porsche Carrera als Dienstwagen, mit denen sie an den Track oder zur 162 Fuß langen Hesketh-Yacht „Southern Breeze“ fuhren, um ausgiebig zu „relaxen“. Das Boot war stets mit literweise Champagner und zahlreichen attraktiven Frauen beladen.

Eine Geschichte, die niemals wiederholt werden kann

Oh, wie die Konkurrenz darüber lachte, wenn Hesketh in seinem weißen Maßanzug an die Strecke zockelte, während Hunt sich, völlig verkatert vom Vorabend, irgendwie für das Rennen vorbereitete. Doch Hesketh Racing gewann schlagartig an Seriosität, als Hunt im Surtees auf den sechsten Platz fuhr, obwohl er zuvor einen Motorschaden hatte. Damit sicherte sich der Brite den ersten Punkt. Beim Großen Preis von Großbritannien fuhr Hunt dann auf Rang vier, in den Niederlanden auf Position drei und auf Platz zwei in den USA.

Vom Erfolg überwältigt, entwickelte Hesketh Racing kurzerhand seinen eigenen Rennwagen, den Hesketh 308, in dem Hunt 1974 dreimal Rang drei ergatterte. Seinen historischen Sieg sollte Hunt 1975 beim Grand Prix der Niederlande in Zandvoort feiern. Am Ende der Saison landete er sogar auf Rang vier in der Gesamtwertung. Doch gerade als es so aussah, als würde das F1-Märchen Wirklichkeit werden, konnten die finanziellen Mittel des sponsorenfreien Hesketh Racing Teams dem F1-Niveau nicht mehr standhalten. Hunt wechselte zu McLaren. Und der Rest? Der Rest ist Geschichte. Und zwar eine, die niemals wiederholt werden kann.

Fotos: Getty/Rex Features

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