Fünf Fragen an Edward J. Bridger-Stille von Historics Auctioneers

Kurz vor Historics nächster Versteigerung am Ascot Racecourse am 2. März haben wir uns mit Direktor Edward Bridger-Stille darüber unterhalten, wie sich das britische Auktionshaus bewährt und seine eigenständige Reputation geschaffen hat.

Historics startet ins neue Jahr am 2. März am Ascott Racecourse mit einer Versteigerung von rund 150 Sammlerautos, die von wichtigen Vorkriegs-Grand Tourer und Roadster der sechziger Jahre bis hin zu erschwinglichen Youngtimer und aktuellen Sportwagen reicht. Aber bevor Sie auf Classic Driver den Katalog studieren und anfangen, zu träumen: Auktionsleiter Edward Bridger-Stille erzählt, was Historics anders als andere macht und weshalb es der perfekte Ort ist, ein Auto zu kaufen oder verkaufen.

Könnten Sie uns etwas über Historics erzählen und wie es sich von anderen britischen Auktionshäusern unterscheidet?

Mark Perkins und ich haben zu unserer ersten Auktion am 2. Juni 2010 eingeladen - diese erste Zeit hat wesentlich zur Entwicklung Historics bis heute beigetragen. Wir hatten von Anfang den Ehrgeiz, den gesamten Markt für klassische Fahrzeuge abzubilden, wir wollten als Geschäftsleute fair und ehrlich sein und unsere Kunden sollten an erster Stelle stehen. Diese Philosophie treibt uns an und belohnt uns mit einer loyalen und wachsenden Klientel.

Was unsere Basis betrifft, waren wir glücklich und stolz 2009 den Segen des Brookland Museum Trust zu erhalten. Bis heute findet hier die Mehrheit unserer Verkäufe statt. Kann an sich einen besseren Ort vorstellen, der den wahren Geist des Classic Motoring atmet?

Im Lauf der letzten zehn Jahre ist die Zahl der in Großbritannien basierten Auktionshäuser stark gewachsen und mit ihr auch das Volumen der Klassiker, die versteigert werden. Das bedeutet zwar das klassische Automobile immer mehr Aufmerksamkeit erzeugen, zugleich ist die Qualität aber auch immer unterschiedlicher geworden. An sich ist das kein Problem, kann aber bedeuten, dass einige der angebotenen Autos nicht ganz richtig dargestellt werden. Wir bleiben kompromisslos in der Verpflichtung, Autos ehrlich und transparent zu präsentieren und zu beschreiben. 

Auf der geschäftlichen Ebene sind wir das erste Auktionshaus, das von der FSA akkreditiert worden ist, denn wir bieten unseren Kunden kostenlose Dienstleistungen wie Transport, Lagerung und Versicherung. Aber wir haben uns in diesem Business auch einen Sinn für Humor bewahrt, denn wir sind bekannt dafür, dass wir auch ausgesprochene Exzentriker anbieten wie beispielsweise den Rolls-Royce Phantom VI als Bestattungswagen, ein klassisches Feuerwehrfahrzeuge komplett mit Anzügen und Schläuchen, ein Batman Batboat und sogar ein Supermarine Spitfire als Restaurationsprojekt, der in einem Garten entdeckt worden war. Das macht alles sehr viel Spaß!

Wie nutzt Historics neue Technologien, um die Prozesse zu optimieren und neue Kunden zu gewinnen?

Ich glaube, es geht hier nicht in erster Linie um neue Technologien an sich, sondern wie man sie am effektivsten einsetzen kann, um Menschen in einer immer geschäftigeren Marktlandschaft zu erreichen - da spielt digitale Technologie natürlich eine große Rolle. Deswegen war Nutzerfreundlichkeit eine Priorität, als wir unsere Website geschaffen haben - das ist schließlich der wichtigste Kommunikationskanal für unsere Kundschaft. Wir waren die ersten die Online-Bieten eingesetzt haben. Seitdem beobachten wir, wie die Zahl der Viewer und Bieter sowohl numerisch wie geographisch wächst. Wie man diese Online-Teilnehmer integriert, verlangt viel Sorgfalt, weil sich dieser Prozess doch so stark von dem traditionellen Erlebnis in Auktionsräumen unterscheidet. Aber für unser Geschäft und im Interesse der allgemeinen Klassikerszene ist es wesentlich geworden, die sozialen Medien zu bespielen. 

Wie drücken sich die veränderten Trends im Sammlermarkt in Ihren Katalogen aus?

Wir haben von Anfang an auf die Vielfalt unseres Angebots gesetzt, denn wir wollen immer ein breites Spektrum an Verkäufern und Käufern ansprechen. Das allererste Auto, das bei Historics 2010 unter den Hammer kam, war ein Lambretta 150 von 1957 als Restaurationsprojekt, der ohne Reserve für beachtliche 202 Pfund verkauft wurde. Zwei Stunden später wechselte ein Bentley Open Tourer von 1931 für 670.500 Pfund den Besitzer.

In diesem Umfeld verändert sich der Markenmix von einer Auktion zur anderen. Das hat zum einen mit der Nachfrage nach spezifischen Marken und Modellen zu tun, aber es gibt auch saisonale Einflüsse und natürlich die wirtschaftliche Gesamtsituation. Alles in allem verlangt der Markt nach Qualität und Authentizität, und das gilt eigentlich für jeden Bereich. Es sind die hochwertigsten Exemplare, die das größte Interesse und beste Preise generieren.

Was darf sich ein Kunde von Historics erwarten?

Vom geschäftlichen Standpunkt aus betrachtet, bieten wir Ehrlichkeit, Professionalität, Transparenz und wir garantieren Verkäufern die Zahlung nach 14 Tagen. Außerdem verlangen wir mit 10 Prozent die niedrigste Kommissionsrate unter den Auktionshäusern. Wer unsere Versteigerungen besucht, darf Freundlichkeit erwarten, kostenlosen Rat und Unterstützung und sich auf einen rundum unterhaltsamen Event freuen. Wir vergessen nie, dass man ein klassisches Auto nicht braucht, sondern es zum persönlichen Genuss erwirbt. Also sollte auch die Versteigerung selbst so angenehm und kurzweilig wie möglich sein. 

Was sind Ihre Favoriten bei der Ascot-Versteigerung am kommenden Samstag?

Was Bentley betrifft, bin ich einfach hoffnungslos verloren, deswegen erfüllt der James Young SI von 1951 alle meine Wünsche. In sportlicher Hinsicht besitzt das Jaguar XK120 Fixed Head Coupé eine wunderschöne Silhouette und einen exzellenten Motor. Um mich in den langen Wintermonaten von vielerlei Ablenkungen abzuhalten, würde ich mich gerne am Restaurationsprojekt Facel Vega II versuchen. Aber ich fürchte, dass mein Portemonnaie nicht dick genug ist, um gegen die Konkurrenz am Samstag mithalten zu können!

Fotos: Tom Shaxson für Classic Driver / Historics Auctioneers

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