Fiat 8V Supersonic

Schon als er 1953 debütierte, war der Fiat 8V Supersonic ein unvergleichlicher Solitär.

Fotos: Michel Zumbrunn (Studio Photos), Jeroen Booij & L’Automobile Magazine

Selbst die extremsten Ferrari oder Maserati sahen neben ihm plötzlich langweilig aus. Vierzehn Stück wurden gebaut, eines wird jetzt in Kalifornien beim Schaulauf der automobilen Schönheiten, dem Pebble Beach Concours d'Élégance, zu sehen sein.

Um den Fiat 8V Supersonic gebührend zu würdigen, muss man zunächst einen Blick auf den Alfa Romeo 1900 Conrero werfen. Jenes Fahrzeug ging auf eine Idee von Virgilio Conrero zurück, seinerzeit das Turiner Tuning-Genie von Alfa Romeo. Der Schweizer Herrenfahrer Robert Fehlmann hatte ihn gebeten, einen Sportwagen für die Mille Miglia 1953 zu konstruieren, aufgebaut auf der Basis des Motors des Alfa Romeo 1900C Sprint und mit Komponenten aus Fiat 1400 und Lancia Aurelia. Für die Karosserie wandte sich Conrero an seinen Freund Giovanni Savonuzzi, der mit dem Cisistalia Berühmtheit erlangt hatte und zum Designchef der Carrozzeria Ghia avanciert war.

Fiat 8V Supersonic

Ein atemberaubendes Design

Savonuzzi war es, der diese einmalige „Supersonica“-Form entwarf, die auch heute noch atemberaubend wirkt. Man muss sich nur die Wirkung dieses Sportwagens im Straßenbild von 1953 vorstellen: Eine tief gezeichnete Gürtellinie, lange Motorhaube, ein geducktes Dach über einem kompakten Greenhouse und Heckleuchten, die aussehen, als seien sie von den Auspuffrohren eines Düsenjets inspiriert worden. Das kombinierte Heckfenster-Dach-Element war aus einer großen, gekrümmten Plexiglasplatte geformt worden, um das Cockpit mit Licht zu versorgen. Bemerkenswert ist auch dieses pfeilähnliche Gestaltungselement, das bei den Vorderrädern beginnt und am Heck abschließt.

Der Supersonic wurde erstmals beim Turiner Autosalon 1953 ausgestellt, wo er sofort alle Blicke auf sich zog. Leider war dem Conrero-Alfa Romeo nur ein kurzes Leben beschieden, denn während der 1000 Meilen von Brescia nach Rom und zurück - das Rennen, für das er schließlich geschaffen worden war – wurde er schwer beschädigt.

Der legendäre "Otto Vu"

Obwohl das Fahrzeug nur zwei kurze öffentliche Auftritte hatte – in Turin und in Brescia beim Auftakt der Mille Miglia – , war die Resonanz auf dieses gewagte Design so groß, dass Ghia plante, mit Fiat als Partner eine limitierte Auflage basierend auf einem existierenden Chassis zu bauen. Der Umstand, dass Fiat gerade einen neuen, vielversprechenden 2-Liter-Achtzylinder – den legendären "Otto Vu" – entwickelt hatte, beeinflusste sicher diese Entscheidung. Außer Ferraris V12 waren bei Alfa Romeo, Lancia und Maserati sonst ausschließlich Vier- und Sechszylinder-Motoren im Einsatz. Die Karosserie des neuen Fahrzeugs war nahezu identisch mit dem Fehlmann-Auto, der Hauptunterschied war das Fehlen der komplizierten Plexiglashaube. Der Sportwagen feierte beim Pariser Salon im Oktober 1953 Premiere, wo er von der Presse gefeiert und zum schönsten Automobil des Salons erkoren wurde.

Als eines von nur 14 gebauten Modellen ist das Pebble-Beach-Exemplar der vorletzte Fiat 8V Supersonic, der gebaut wurde. Die Spezialisten Strade e Corsa aus den Niederlanden (die bislang 13 der 14 Otto Vus restauriert haben) leisteten einen kompletten mechanischen Aufbau und waren zugleich beratend bei der Karosserie- und Interieur-Restaurierung in Italien zur Hand. Der Supersonic besticht durch eine subtile Kombination aus dunkelgrauem Metalliclack und dunkelblauem Leder im Innenraum. Jedes Detail wurde genau nach den damaligen technischen Spezifikationen rekonstruiert, von den zwei Weber-Doppelvergasern bis hin zum schlanken, von Holz eingerahmten Nardi-Lenkrad.

Die beeindruckende, mehrjährige Instandsetzung wurde bereits mit 1. Plätzen beim Concours Paleis het Loo in Holland, beim Schloss Dyck Concours in Deutschland und beim Uniques Special Ones Concours in Italien belohnt. Eine angemessene Würdigung der handwerklichen Meisterschaft und Expertise des engagierten Teams.

Technische Daten

Prototyp:
Ghia Supersonic Alfa Romeo 1900 'Conrero'
Design:
Giovanni Savonuzzi für Carrozzeria Ghia

Motoren:
Fiat 2-Liter-V8-Motor "Otto Vu", vier Weber-Doppelvergaser

Leistung:
bis 125 PS

Premiere:
Pariser Salon 1953

Stückzahl:
14 Exemplare insgesamt

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