Eine Tour durch Paris mit den jungen Auktionatoren von Leclere

Wir stellen vor: Maxime Lepissier und Erwan de Belleville. Sie gehören zum jungen Team von Leclere Motorcars, einem französischen Auktionshaus für Sammlerautos, das für Furore sorgt. Vor dem nächsten Versteigerung an diesem Wochenende machten wir eine Spritztour mit einem wunderschönen Alfa Romeo.

Am kommenden Wochenende startet Leclere Motorcars beim Avignon Motor Festival in der Provence ins Auktionsjahr mit einer Versteigerung von Sammlerautos, die rund 70 besondere Fahrzeuge und Motorräder umfasst. Das Angebot reicht von klassischen und durchaus bezahlbaren französischen Cabriolets bis hin zu ausgefallenen Youngtimer-Sportwagen. Vor der Auktion wollten wir von Maxime Lepissier und Erwan de Belleville von Leclere wissen, welchen Einfluss die Jugend und Energie des Teams auf ihre Auktionen hat. Um der Optik den passenden Esprit zu verleihen, haben wir uns den wunderbaren Alfa Romeo 1900 CSS Touring von 1955 eines Kunden ausgeliehen, ein Auto, das seinen ganzen Charme vor der historischen Kulisse von Paris entwickelt.

Erzählen Sie uns doch etwas über Leclere und vor allem über die Abteilung Motorcars.

Vor zehn Jahren hat Damien Leclere, ein Auktionator aus Marseille, dieses gleichnamige Maison gegründet. Leclere kam vor drei Jahren nach Paris und bat mich, Pierre Delagneau und Erwan de Belleville eine „mechanische” Abteilung ins Leben zu rufen. Wir haben Leclere Motorcars Anfang 2016 gestartet und konnten gleich im April zu unserer ersten Versteigerung einladen. 

Damien ist 40 Jahre alt und ich 26. Von Anfang an gab es die Idee, mit einer frischen und dynamischen Vision den Markt zu beleben, deswegen wollten wir unsere Sammlerauto-Verkäufe in Drouot im Herzen von Paris abhalten. Das hatte vor uns noch kein anderes Auktionshaus gemacht, zumindest nicht in dieser Größenordnung. Außerdem organisieren wir eine jährliche Versteigerung während des Motor Festivals in Avignon in der Provence. Das ist uns wichtig, weil es die Heimat unseres Besitzers ist und uns zusätzlich erlaubt, den Kundenkreis zu erweitern.

Wie unterscheidet sich Leclere von den anderen spezialisierten französischen Auktionshäusern?

Leclere ist schon aufgrund seines Teams anders als die anderen - allein die vier Menschen, die das Unternehmen steuern, sind schon ungewöhnlich. Wir kommen zwar alle aus der Autowelt, aber in dieser Szene haben wir alle eine unterschiedliche Herkunft. Bevor wir bei Leclere einstiegen, haben wir als Sammler Rallyes organisiert, eine Agentur für Auto-Events geschaffen und sind aus Spaß an der Freude gemeinsam ausgefahren. 

Wir wollen mit unserer Jugend, unserer Leidenschaft und unserer Vision in einem Markt Akzente setzen, der anspruchsvoller als je zuvor geworden ist. Unsere Hauptaufgabe ist es, höchst unterschiedliche und hochwertige Kataloge zu präsentieren und persönliche Beziehungen zu unseren Kunden zu gestalten. Als Teil eines unabhängigen Auktionshauses besitzen wir Freiraum, zudem erlaubt uns Damien Leclere so zu agieren,  wie es für uns passt. 

Wie spiegeln sich in Ihren Katalogen die sich wandelnden Trends im Markt für Sammlerautos?

Unsere Kataloge entstehen nach reiflicher Überlegung, fundierter Beschaffung und dem genauen Blick auf die Entwicklungen des Marktes. Es gibt aktuell so viele Autos am Markt und die Käufer sind sehr bestimmend geworden. Man muss aufmerksam sein und sich die richtigen Fragen stellen, aber es gibt auch wesentliche Trends, von denen man profitieren sollte. Was Design, individuelle Modelle oder Genres betrifft, haben wir zwar unseren eigenen Geschmack, aber wir verfolgen alle Aspekte dieses Business mit Neugier und Leidenschaft. Einen Katalog zusammenzustellen, erscheint auf den ersten Blick einfach und viele versuchen sich daran. Aber um eine Auswahl an Fahrzeugen mit konsequenten und präzisen Schätzungen zu kuratieren ist eine echte Herausforderung. Wir hoffen, dass unsere Auktionskataloge diese harte Arbeit reflektieren. 

Könnten Sie uns etwas über diesen fantastischen Alfa Romeo, der auf den Fotos zu sehen ist, erzählen?

Dieser hinreißende Alfa Romeo CSS Touring von 1955 wurde uns von einem unserer Kunden gebracht, der unsere Meinung wollte. Unser Pariser Partner für die Mechanik, Atelier 46, arbeitet gerade an diesem Auto und deshalb wollten wir unsere Eindrücke vom Zustand bündeln. Bei Leclere Motorcars agieren wir auch als Makler bei Privatverkäufen - das heißt, wir sind immer bereit, unsere Expertise anzubieten, wenn jemand überlegt, sein Auto zu verkaufen. Dieser Alfa ist nichts weniger als sublim. Bei einem so seltenen Auto muss sehr genau abgewogen werden, wie man es am Markt präsentieren möchte.

Was darf ein Kunde von Leclere Motorcars erwarten?

Auf jeden Fall ein herzlicher Empfang! Das mag jetzt überraschend klingen, aber Besitzer klassischer Automobile haben öfters schwierige, ablehnende Erfahrungen mit anderen Auktionshäusern gemacht, wenn ihre Autos nicht ausgesprochen außergewöhnlich sind - beispielsweise ein Scheunenfund. Wir freuen uns auf alle Enthusiasten, egal ob sie einen Renault 4L oder einen Porsche Speedster besitzen. Rund 45 Prozent unserer Kunden kaufen in den Auktionsräumen, was uns beweist, dass wir mit unserer Positionierung und unserer Botschaft richtig liegen. In einem zunehmend digitalisierten Markt ist es einfach gut, wenn man tatsächlich physische Zeit mit den Kunden verbringt, sei es bei ihnen zuhause oder bei einem Dinner.

Letztlich ist es auch ein riesiger Vorteil, dass wir jung sind und unseren Kunden ein sehr zielgerichtetes und maßgeschneidertes Vorgehen anbieten. Uns unterscheidet auch unsere Expertise im Umgang mit modernen Kommunikationskanälen, die Reaktionszeit, unser Netzwerk und die schiere Energie bei Leclere. Somit besitzt unsere Abteilung ein Alleinstellungsmerkmal, das eine echte Alternative zu Wettbewerbern darstellt. 

Welches sind Ihre Favoriten aus der bevorstehen Avignon Motor Festival-Auktion?

Gute Frage! Wahrscheinlich der Jaguar E-Type „Flat Floor” von 1961, der 2014 aus Afrika zurückkehrte und sich in absolutem Originalzustand befindet. Mit so einem E-Type erwirbt man sich ein Stück Geschichte mit großem Potenzial: Man kann ihn komplett restaurieren oder belassen wie er ist, oder nur die Mechanik wieder in Ordnung bringen und die faszinierende Patina dabei erhalten. Unser BMW 3200 CS Bertone von 1964 ist ebenfalls hochinteressant - er lockt mit dem V8 aus dem 507, subtiler Linienführung und seiner Seltenheit. Nicht zu verachten ist auch das Peugeot 504 Coupé von 1977, das auf 6.000 Euro taxiert worden ist und belegt, dass sich durchaus bei Auktionen günstig ersteigern lässt.

Wo sehen Sie Leclere Motorcars in fünf Jahren?

Wir wollen uns weiter seriös und zugleich bescheiden weiterentwickeln. Es ist offensichtlich, dass sich der Markt weiter entfalten wird - aber er wird globaler und die Mobilität an sich wird sich wandeln. Wir möchten Leclere Motorcars so positionieren, dass das Haus sowohl in Frankreich und anderswo Glaubwürdigkeit beansprucht. Natürlich wäre es reizvoll, neue Anwendungsmöglichkeiten und weitere Digitalisierung zu entwickeln, aber der menschliche Faktor bleibt für uns im Mittelpunkt. Die Sammlerszene hat eine sehr gute Zukunft vor sich, und wir bei Leclere wollen weiter daran arbeiten, Käufer und Verkäufer in einem seriösen, professionellen und anregendem Umfeld mit einander zu verbinden!

Fotos: Kevin Van Campenhout für Classic Driver © 2019

Sie finden den gesamten Katalog der Leclere Motorcars Avignon Motor Festival-Versteigerung, die am 24. März stattfindet, im Classic Driver Markt.