East African Safari Classic Rally 2013: Nach 60 Jahren keine Spur zahmer

2.500 Meilen über die härtesten Pisten Ostafrikas. Das bietet, nein, fordert die East Africa Safari Classic Rallye. Die Devise: Staub statt Schnee.

Ein Tribut ähnlich der legendären Mille Miglia. Nur etwas länger, härter und viel staubiger.

Als vor über 60 Jahren die ersten Teams zur Ostafrika Safari aufbrachen, ahnten sie noch nicht, dass Jahrzehnte später eine Classic-Version als Hommage ihren Fährten folgen sollte. Ein Tribut ähnlich der legendären Mille Miglia. Nur etwas länger, härter und viel staubiger. Milde ausgedrückt. Denn es geht auf über 2.500 Meilen quer durch Ostafrika. Mehr auf Pisten und losem Sand als auf befestigten Straßen. Marter für alles, was sich bewegt. Alle teilnehmenden Fahrzeuge dürfen nicht jünger als Jahrgang 1978 sein. Essentiell wichtig: Sie sollten schnell und vor alles Dingen haltbar sein.

In diesem Jahr bewies ein Ford Capri neben klassischen Porsche 911 die überzeugendste Ausprägung dieser Tugenden - Seite an Seite mit kernigen Ford Escorts und Datsuns. Doch auch Ferrari 308 GT4 und eine Chevrolet Corvette wagten sich in den Wüstensand: spektakulär anzusehen, nur leider nicht ganz so erfolgreich. Hinter den Lenkrädern absolute Rallye-Novizen, aber auch frühere World Rallye Champions; ein ebenso weites Spektrum.

Fahren ohne Sicht

Fahren auf Sicht, reichlich schwierig bei Wänden aus Staub. Doch genau darin lag die Herausforderung. In den gewundenen, anspruchsvollen Sektionen der Taita Hügelkette, im Auf und Ab des Rift Tals und langen schnellen Strecken ohne Orientierungspunkte. Hier im Flachland von Tansania legte Bjorn Waldegård, früherer World Rallye Champion seinen Porsche 911 in einem ausgetrockneten Flussbett aufs Dach. Zack, rumms. Schlagartiges Ende. Die Crew entstieg dem Wrack unverletzt. Ohne den heißen Favoriten witterten die Verfolger ihre Chance: Stig Blomqvist, ebenfalls ein früheres Rallye-Ass mit globaler Auszeichnung und mit einem Porsche 911 bewehrt, wie auch Ian Duncan, der Kenia-Mann, in seinem Ford Capri V8 Perana.

Doch als die Rallye geradewegs zurück nach Kenia führte und im Amboseli National Park ihre Halbzeit erreichte, trug Duncan‘s Capri einige harte Blessuren davon, welche Blomqvist zur Führung verhalfen. Fünfzig Sekunden Vorsprung dokumentierten die Zwischenergebnisse. Sollte der reichen? Hinter den Duellanten brachte Paris-Dakar-Veteran Gérard Marcy seinen Porsche 911 in Stellung und trieb ihn immer weiter an. In seiner Staubschleppe folgten zwei Datsun 260 Z, gehetzt von zwei weiteren Porsche Crews.

Treibsand und Flussbetten in der Rückrunde

Kontrastprogramm in der Rückrunde: Schlammpackungen für alle. Dazu feiner Treibsand und Flussbetten. Diesmal nicht ausgetrocknet! Eine feine und fiese Mischung veritabler Herausforderungen, die reichlich Material kostete. Das Feld rückte näher zusammen und tauschte die Führung beinahe solidarisch untereinander aus. Der letzte Tag sollte die Entscheidung bringen. Der Datsun von Geoff Bell kapitulierte, weil Motorkühlung und -lüftung endgültig versagten. Beim Ferrari 308 GT4 flog der V8 dem Team gleich ganz um die Ohren. 54 weitere Teams jedoch kämpften erbittert weiter um Sieg und Treppchen, statt „nur“ um die Ehre, dabei gewesen zu sein. Dem Ende wohnte eine gewisse Tragik inne: Stig Blomqvist wähnte sich wohl schon als Erster im Ziel, als nur zwanzig Meilen vor eben diesem ein spitzer Stein einen Reifen und damit seinen Traum platzen ließen.

Am Ende gewinnt ein Ford Capri V8

Und so galoppierte Ian Duncan mit Navigator Amaar Slatch im Ford Capri V8 als Erster durchs Ziel. Nach vier Minuten Staubschleppe folgten schließlich Blomqvist und Parmander auf Porsche 911. Und erst eine knappe Stunde später Marcy und Prévot, ebenfalls auf Porsche 911. Duncan und Slatch konnten sich der Anerkennung aller Zuschauer und Konkurrenten sicher sein: Sie haben diesmal in Ostafrika solide und ganz sauber abgestaubt! Gratulation!

Endergebnis 2013

1 Ian Duncan/Amaar Slatch, Ford Capri V8, 16hr 54m 46s

2 Stig Blomqvist/Staffan Parmander, Porsche 911, 16hr 58m 00s

3 Gérard Marcy/Stéphané Prévot, Porsche 911, 17hr 39m 45s

4 Steve Perez/John Millington, Datsun 260Z, 17hr 50m 49s

5 Onkar Rai/Baldev Chager, Porsche 911, 17hr 54m 16s

6 David Horsey/Alex Horsey, Porsche 911, 18hr 04m 16s

7 John Lloyd/Gavin Laurence, Ford Escort Mk2, 18hr 16m 18s

8 Grégoire de Mévius /Alain Guehennec, Porsche 911, 18hr 32m 54s

9 Manvir Baryan/Jaswinder Chana, Porsche 911, 18hr 51m 44s

10 Patrick van Heurck/Alain Lopez, Porsche 911, 18hr 57m 59s

Text: Franca Davenport
Fotos: McKlein

Informationen zur East African Safari Classic Rally unter: www.eastafricansafarirally.com

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