Die wichtigsten Ergebnisse der Amelia-Island-Auktionen 2015

In Amelia Island servierten gleich drei Auktionshäuser – Bonhams, Gooding und RM Sotheby’s – ein Auktionsbuffet. Platzhirsch RM Sotheby’s machte seinem Status alle Ehre, mit einer Quote von fast 100 Prozent und einem Rekordumsatz von 60 US-Millionen Dollar. Wir fassen die Ergebnisse zusammen.

Vorkriegswagen dominieren bei Bonhams

Den Auktionsauftakt machte Bonhams am letzten Donnerstag und bewies dabei, dass der Markt für Vorkriegswagen absolut präsent ist: Der Cord Model L-29 Town Car mit einer Karosserie von Murphy & Co, in dem Schauspieler John Barrymore sich einst chauffieren ließ, brachte mit 1,76 Millionen US-Dollar inklusive Aufpreis die höchste Summe ein. Knapp dahinter folgte ein American Underslung 50hp Roadster für knapp 1,74 Millionen Dollar. Ebenso über eine Million Dollar, wenn auch nur knapp, erzielte der 1932er Stutz DV-32 Super Bearcat Convertible (1.012.000 USD). Unter den moderneren Sportwagen überraschte ein 1952er Alfa 1900C Sprint Coupé mit einem Ergebnis von 415.800 US-Dollar sowie ein 1980er Ferrari 512 BB für 359.700 Dollar. Der weiße BMW M1, Baujahr 1981, brachte mit 605.000 Dollar ebenfalls ein stolzes Ergebnis ein. Bei der ersten Auktion von Bonhams in Amelia Island setzten die Briten insgesamt rund 14 Millionen Dollar um – bei einer Verkaufsquote von 79 Prozent.

Wenig Ausreißer bei Gooding

Gooding & Company konnte am Freitag immerhin rund 76 Prozent seiner Automobile verkaufen, jedoch waren wenige davon wirkliche Ausreißer. Keinen neuen Besitzer fand das Highlight der Auktion, der Maserati 200 SI – trotz eines Liveauftritts von Stirling Moss, der einmal selbst hinter'm Steuer dieses Maserati Rennen gefahren war. Dafür erzielte der 1974er Porsche 911 Carrera 3.0 RSR im Café-Mexicano-Livree immerhin knapp 1,24 Millionen Dollar. Keine Million brachte derweil der seltene Porsche 993 GT2 ein, der Verkaufspreis lag aber immerhin bei 973.500 US-Dollar. Umgerechnet sind es fast 925.000 Euro und damit sicherlich eine neue Benchmark für dieses Modell. Über den bereits hohen Erwartungen jenseits einer Million Dollar wurde der himmelblaue Ferrari 599 SA Aperta verkauft: Knapp 1,16 Millionen Dollar zahlte ein Ferraristi für den 80 Mal gebauten Ausnahme-Sportwagen. Den höchsten Erlös der Auktion brachte ein Ur-Ahne des 599 ein - der in einer Garage aufgespürte 1967er Ferrari 275 GTB/4. Er wurde für 3,3 Millionen US-Dollar verkauft und lag damit knapp unter den Erwartungen.

Neuer Name, neue Rekorde bei RM Sotheby‘s

Die erste Auktion unter neuer Firmierung war für RM Sotheby’s mit einer Verkaufsquote von 98 Prozent und einem Gesamtumsatz von 60.328.550 US-Dollar ein riesen Erfolg. Den größten Anteil trug sicherlich der 1960er Ferrari 400 Superamerica SWB Cabriolet bei, der für 6,38 Millionen Dollar einen neuen Besitzer fand. Unter den 13 Million-Dollar-Cars blieben derweil die beiden hochdotierten Jaguar leicht hinter den Erwartungen zurück: der XJR-9 kam nicht über 2,15 Millionen – die Prognose hatte bei drei bis fünf Millionen Dollar gelegen – und der auf 3,75 bis 4,25 Millionen Dollar geschätzte D-Type wurde für "nur" 3,68 Millionen Dollar verkauft. Ebenfalls knapp unter den Erwartungen blieb die Semi-Competition-Cobra von 1967 mit 2,1 Millionen Dollar.

Dafür überraschten die "neuen Ferraris" umso mehr: Ein F512 M wurde für unglaubliche 462.000 Millionen Dollar (Schätzpreis: 325.000 bis 375.000 USD) verkauft, ein Ferrari 365 GTC/4 für 495.000 Dollar (Schätzpreis: 300.000 bis 375.000 USD) und bei einem Ferrari 512 BB fiel der Hammer erst bei 418.000 Dollar (Schätzpreis: 325.000 bis 375.000 USD). Der "Garagenfund-Daytona" bewies seinen romantischen Wert und brachte solide 770.000 Dollar ein. Die aber bei weitem größte Überraschung war ein moderner Ferrari 599 GTB, der für eine irrsinnige Summe von 682.000 US-Dollar verkauft wurde. Der Schätzpreis lag bei realistischen 200.000 bis 275.000 Dollar. Entweder wollte der neue Eigentümer unbedingt einen der letzten Ferrari mit manuellem Getriebe und klassischem Schaltstock haben - oder hat einfach das "B" im Modellnamen mit einem "O" verwechselt.

Porsche-Turbo-Fieber auf allen drei Hochzeiten

Es lag bereits in der Luft, dass luftgekühlte Porsche 911 Turbos bei den Auktionen in Amelia Island hohe Erlöse einbringen könnten. Und so kam es schließlich auch: Den höchsten Erlös erzielte Gooding für einen Porsche 911 / 993 Turbo S im seltenen Farbton "Ocean Jade Metallic" mit 440.000 US-Dollar – 40.000 Dollar über dem höheren Schätzwert. Der Vorgänger, ein 1994er Porsche 964 Turbo 3.6, wurde für 330.000 Dollar versteigert. Bei RM war es das 1988er Slant-Nose-Cabrio, das mit 363.000 Dollar den höchsten Erlös unter den Turbos einbrachte. Ein Coupé aus dem Vorjahr in gleicher Farbe, jedoch ohne Flachschnauze, brachte 220.000 Dollar ein. Der eierschalenfarbene 3,3-Liter-Turbo von 1979 wurde für 253.000 Dollar verkauft. Bei Bonhams erzielte ein gewöhnlicher 993 Turbo von 1997 aus fast erster Hand 210.000 US-Dollar.

Fotos: Bonhams, RM Sotheby's, Gooding & Co.