Die 5 spektakulärsten Porsche-Momente in Le Mans

Bis heute gilt Porsche als erfolgreichste Marke, die je in Le Mans antrat. Nach 15 Jahren Abstinenz feiern die Zuffenhausener an diesen Wochenenden ihr Comeback. Zu diesem Anlass blicken wir zurück auf fünf der ergreifendsten Momente von Porsche auf dem Circuit de la Sarthe…

1969: Fast...

Im Rennen des Jahres 1969 trat erstmals der legendäre Porsche 917 an den Start – und das obwohl diese frühen Prototypen als instabil bei hohen Geschwindigkeiten galten. Tragischerweise bestätigte sich dieses Problem binnen nur weniger Rennminuten, als der Privatier John Woolfe in einem 917 tödlich verunglückte. In erfahreneren Händen jedoch war der Porsche-Prototyp nahezu unschlagbar. Der 917 dominierte im freien Training und im Rennen, stellte gleich mehrere Rundenrekorde auf. Dennoch fielen beide Werks-Porsche wegen technischer Probleme aus (nach vier und 21 Stunden), nachdem sie das Rennen angeführt hatten. Sie überließen den betagteren Porsche 908 Longtail vom Team Herrmann/Larrousse und dem Ford GT40 von John Wyer den Kampf um die Krone. Fast hätte Porsche seinen ersten Gesamtsieg eingefahren, doch am Ende überquerte Jacky Ickxs GT40 nur wenige Sekunden vor Herrmanns 908 die Ziellinie.

1970: Das Warten hat ein Ende

Die Enttäuschung über den verpassten Sieg im Jahr zuvor saß tief. Porsche setzte nun alle Hebel in Bewegung, um endlich den Erfolg einzufahren. Man engagierte nicht nur John Wyer, mit dem die berühmte Gulf-Lackierung ins Porsche-Team einzog, sondern unterstützten werksseitig noch zwei weitere Teams in Le Mans. Damit war klar, wie wichtig Ferry Porsche der Gesamtsieg war (er sollte einmal die Startflagge schwenken dürfen als Anerkennung für die 20 Rennjahre, in denen Porsche konsequent in Le Mans antrat). Doch Ferrari hatte ebenfalls die Absicht, mit einer Flotte konkurrenzfähiger Rennwagen in dieser Saison an den Start zu gehen. Die Ferrari-Bedrohung ließ jedoch erheblich nach, als binnen weniger Stunden vier Ferrari 512S ineinander krachten. Das schreckliche Wetter sollte in jener Nacht noch zahlreiche weitere Opfer fordern. Alle drei Werksrennwagen von Porsche schieden letztlich aus– nur der Semi-Werks-917 von Porsche Salzburg, pilotiert von Team Herrmann/Attwood, ergatterte den Sieg. Zur Feier des monumentalen Triumphes fuhr der Siegerwagen in einer Parade durch Stuttgart, zusammen mit dem Zweitplatzierten, dem Martini Racing 917. Und Hans Herrmann ging in Rente, wie er es zuvor seiner Frau versprochen hatte.

1983: Holbert fährt mit Motorschaden zum Sieg

Nachdem Porsche im Vorjahr, dem ersten Jahr der Gruppe-C-Ära, Platz eins, zwei und drei in Le Mans belegt hatte, war das Ziel für die Saison ’83 kein geringeres, als diesen Triumph zu wiederholen. Doch der Rothmans-Porsche 956, gefahren von Mass und Bellof schied wegen mechanischer Probleme aus. In der letzten Stunde des Rennens überhitzte dann der in Führung liegende Porsche von Al Holbert und konnte nicht mehr mit voller Leistung fahren. Derek Bell schloss mit seinem Porsche schnell auf, ungeachtet einer gerissenen Bremsscheibe an seinem Rennwagen. Holbert schaffte es dennoch, den Sieg nach Hause zu fahren – trotz Motorschaden in der letzten Runde. Bell kam wenig später als Zweiter ins Ziel. Falls Sie sich fragen, wie sich 370 km/h (und mehr) Mulsanne-Geraden im 956 „anfühlen“, schauen Sie sich folgende Aufzeichnung aus dem Cockpit von Derek Bell an.

1988: Das Ende einer Ära

Obwohl sich Porsche in der folgenden Zeit immer wieder harten Kämpfen mit Jaguar stellen musste, gewannen die Zuffenhausener während der Gruppe-C-Ära jedes Rennen in Le Mans. Mittlerweile trugen die Werksrennwagen eine schwarz-rot-goldene Lackierung mit Shell-Reklame, und es sah so aus, als würden sie wieder den Sieg einfahren. Im Qualifying belegte das Team Platz eins, zwei und drei. Im Rennen jedoch zeigten sich die Jaguar XJR-9 sehr konkurrenzfähig zu den Porsche-Prototypen. Der britische Rennwagen des Teams Lammers/Dumfries/Wallace wechselte sich an der Spitze des Feldes mehrfach mit dem 962 vom Team Cvon Stuck/Ludwig/Bell ab. Offiziell heißt es, dass der Jaguar zwei Minuten und 36 Sekunden vor dem Porsche die Ziellinie überquerte. Doch tatsächlich war der Abstand erheblich kleiner: Die britischen Zuschauer hatten vor lauter Freude über den Erfolg der XJR-9 (Platz eins, vier und 16) frühzeitig die Rennstrecke gestürmt. Porsche musste sich also nach acht Jahren das erste Mal geschlagen geben und zog sich prompt zurück aus der Prototypen-Klasse. Dies bedeutete gemeinhin auch das Ende der Gruppe-C-Ära.

1998: Der letzte Sieg

Bei Porsche war man frustriert, als der McLaren F1 GTR im Jahr 1995 die Le-Mans-Krone trug. Im Jahr drauf siegte obendrein ein Porsche, der nicht zum Werksteam gehörte. Der Porsche 911 GT1 des Werksteams landete nur auf Platz zwei. In der Saison 1997 schieden dann gleich zwei Porsche-Werksrennwagen aus. Die Wettbewerbsfähigkeit des überarbeiteten 911 GT1-98 sollte sich derweil im folgenden Jahr herausstellen. Und das obwohl sich in diesem Jahr weitere Hersteller wie Mercedes, Nissan und Toyota in Le Mans engagierten. Zwei Porsche LMP1 waren ebenfalls am Start. Doch die GT1-Klasse war vom diesjährigen Reglement begünstigt. Obendrein stellten sich die LMP1-Prototypen der Konkurrenz als unzuverlässig heraus, sodass am Ende die eigentlich unterlegenen Werks-911er Platz eins und zwei der Gesamtwertung erfuhren. Zuletzt folgte seitens Porsche eine 15-jährige Le-Mans-Abstinenz, gegen deren zweiten Hälfte sich Audi als dominierende Kraft in Le Mans bewies. Doch genau das könnte sich am kommenden Wochenende ändern.

Fotos: Porsche, Rainer W. Schlegelmilch / Getty Images

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