Der Piollet 315 hatte das Zeug zur französischen Sportwagenlegende

Als wir erstmals auf Fotos des Piollet 315 gestoßen sind, hatten wir wirklich keine Ahnung, was das wohl sein könnte. Erst nach einiger Recherche und mit der Hilfe eines Übersetzers konnten wir die Geschichte dieses attraktiven französischen Sportwagens aus den sechziger Jahren wieder ausgraben.

Ausdauer zahlt sich aus

Wie so oft bei eigenständig entwickelten Sportwagen war auch der Piollet 315 die Vision eines einzelnen Mannes. Der Franzose Jacques Piollet war ein glühender Automobil-Enthusiast und begann schon sehr früh mit dem Bau von Karts und Autos zu experimentieren. Während seiner Militärzeit in Algerien entwickelte er schließlich die Idee für das kesse Grand Touring-Coupé, das man auf diesen Bildern sieht. Nach seiner Rückkehr in die Heimat im Jahr 1961 verbrachte er die nächsten vier Jahre damit, seine Vision in einer Scheune in der Auvergne zu verwirklichen. Es waren Exerzitien, die ihm Willenskraft und Beharrlichkeit abverlangten, aber als er 1965 auf dem 53. Pariser Autosalon endlich seinen Prototyp  vorstellen konnte, war der Eigenbau der Liebling der französischen Presse.

Die Zahl 315 im Modellnamen hatte übrigens nichts mit einer technischen Spezifikation des Coupés zu tun, sie stand bloß für die Summe der Jahre, die Piollet für die Entwicklung und Konstruktion aufgewendet hat. Vergleicht man die sportlichen Grand Tourer dieser Epoche, beispielsweise von Ferrari oder Maserati, dann erkennt man, welche Inspirationsquellen für die rassige und sinnliche Karosserie dienten. Für den Unterbau benutzte Piollet einen damals innovativen Rohrrahmen, die Technik stammte vorwiegend von Peugeot: Motor, Antriebswelle und Getriebe wurden vom 404 ausgeliehen, die Vorderachse zum Beispiel vom 403. Leider ist nicht bekannt, weshalb keine weiteren Exemplare gefertigt wurden. Aber man kann sich gut vorstellen, mit welcher Begeisterung Piollet mit seinem ganz eigenen Sportwagen durch Paris kurvte. Wir hoffen, dass andere Enthusiasten ihm damals zu gewinkt haben. Chapeau, Jacques!

Fotos: Jean Tesseyre/Paris Match via Getty Images