Celebrity Cars - Wenn prominente Besitzer für Rekordpreise sorgen

Ist ein Auto allein deswegen mehr wert, weil es einen berühmten Vorbesitzer hatte? Oder kommt es darauf an, wer dieser prominente Besitzer war, was er mit dem Auto unternommen und was es ihm bedeutet hat? Classic Driver-Autor Simon de Burton ist diesen kniffligen Fragen nachgegangen.

Ein gewisses Körperteil

Wenn Sie einen Klassiker erwerben möchten, wie wichtig sind Ihnen dann zum Beispiel Originalität, Topzustand, Matching Numbers, fehlerfreie Technik und beste Fahrbarkeit? Oder zählt für Sie mehr, welcher - pardon - Allerwerteste bereits einmal den Fahrersitz wärmte?

Ein langweiliger Trip?

In den nächsten Wochen ergeben sich etliche Gelegenheiten, diese grundlegenden Fragen zu klären - denn einige spektakuläre Celebrity Cars kommen unter den Hammer - darunter der Porsche 911 Turbo von Steve McQueen und einer der zwei Ferrari Testarossa, die in der TV-Serie „Miami Vice” glänzten. Dann wird auch noch der unnachahmlich coole Bentley Flying Spur „Blue Lena” angeboten, mit dem sich einst Rolling Stone Keith Richards mit den damaligen Supermodels Anita Pallenberg und Deborah Dixon und einem eingebauten Plattenspieler nach Marokko chauffieren lies. War bestimmt unendlich öde, diese lange Fahrt.

Petrolhead aller Petrolheads

Einen gut erhaltenen Porsche 911 / 930 Turbo kann man schon für umgerechnet etwa 140.000 und 210.000 Euro kaufen. Dennoch taucht der schiefergraue Porsche, der einst Steve McQueen gehörte, beim Auktionshaus Mecum im Katalog mit dem Zusatz „Schätzwert auf Nachfrage” auf - in der Sprache der Versteigerer bedeutet das nichts anderes als: „Wenn Sie schon fragen, dann können Sie ihn sich auch nicht leisten”. Der Namen des Stars ist natürlich immer ein Zugpferd, gerade bei Interessenten eines bestimmten Alters, denn unter echten Petrolheads gilt er nach wie vor als das Alphatier. In den letzten Jahren haben Automobile, die mit seiner Gegenwart irgendwie in Berührung gekommen sind, geradezu astronomische Preise erzielt. Ein paar Beispiele: Der Porsche 911, der in der Anfangssequenz von „Le Mans” zu bewundern war, erzielte 1,2 Millionen Euro. Für knapp 16 Millionen Euro wurde der Ford GT40, an dessen Steuer McQueen für diesen Film ebenfalls saß, verkauft. Und sein Vier-Nocken-Ferrari 275 GTB wechselte für gut neun Millionen Euro den Besitzer. Die Preise waren mindestens doppelt so hoch, wie bei vergleichbaren Exemplaren ohne den McQueen-Faktor.

Der Makel der Z-Liste

Wenn man mal vom „King of Cool“ absieht, erhöht sich durch einen berühmten Namen wirklich automatisch der Kaufpreis eines Klassikers? Gerade beim Wertzuwachs am oberen Ende der Skala sowie der großen Bedeutung von Ursprünglichkeit und bestem Zustand fällt dieser sogenannte Promi-Bonus kaum noch ins Gewicht. Noch eine Probe aufs Exempel: Der Ferrari 250 SWB California Spider, der als Scheunenfund vor einigen Monaten für Schlagzeilen sorgte und angeblich Frankreichs Filmstar Alain Delon gehört haben soll, hätte vermutlich auch ohne diese nicht ganz gesicherte Provenienz jene 14 Millionen Euro erlöst.

Promis ohne Benzin im Blut

Und wie hält man es mit Celebrity Cars, die zwar aus den prominenten Garagen stammen, aber deren Besitzer keine Enthusiasten, keine echten Car Guys waren? Hat der Ferrari 857 von 1955, der bei Gooding & Co vor einiger Zeit für über 5,6 Millionen Euro versteigert wurde, wirklich nur soviel erzielt, weil sich Andy Warhol darin von einem eigens angeheuerten Fahrer bewegen lies? Dafür dürfte aber jener Mercedes-Benz 560SL, den Sean Penn einst Madonna schenkte und der 2014 beim Auktionshaus Bonhams für knapp 70.000 Euro unter den Hammer kam, vom Glanz der Pop-Diva (und ihrer Co-Piloten) profitiert haben.

Staatsmännische Polsterung

Ganz offensichtlich ist die Verbindung von Wert und prominentem Fahrer schließlich bei jenem Land Rover Serie I, der Winston Churchill zu seinem 80. Geburtstag geschenkt wurde. Er wurde vor einigen Jahren für umgerechnet 170.000 Euro verkauft - das Vierfache eines unbekannten Exemplars. Und dass, obwohl sich der Landy in nicht ganz salonfähigem Originalzustand befand. Dafür hatte er noch die extrabreite Bestuhlung, um die stattliche Rückseite des großen britischen Staatsmanns in angemessenem Komfort zu betten. Das allein sorgte wohl schon für Mehrwert.

Photos: Getty Images / Edward Quinn Archive / Bonhams / Gooding & Company / RM Sotheby's / Mecum / Rémi Dargegen