Buckminster Fullers Dymaxion war ein Zeppelin für die Straße

Mit Hinterradlenkung, Anfälligkeit für Seitenwinde und dem Profil eines Luftschiffs war das von Buckminster "Bucky" Fuller entworfene Dymaxion zum Scheitern verdammt. Faszinierend ist der Prototyp aus dem Jahr 1933 dennoch.

Es hätte alles so schön sein können. Das Dymaxion-Automobil war einer der zahlreichen genialen Würfe des Erfinders, Architekten und Universalgelehrten Buckminster "Bucky" Fuller, der die Gesellschaft mit effizienten und kostengünstigen Ideen in eine bessere Zukunft führen wollte. Unter dem Arbeitstitel Dymaxion hatte Fuller bereits verschiedene Entwürfe angefertigt, doch auf dem Höhepunkt der weltweiten Wirtschaftskrise entschied er Anfang der 1930er Jahre, dass ausgerechnet ein Automobil die größten Chancen hätte. Das sechs Meter lange Gefährt wurde von einem Ford-V8-Motor angetrieben und konnte elf Personen transportieren, wog aber nur soviel wie ein VW Käfer und verbrauchte gerade einmal 7,8 Liter auf 100 Kilometer. Genial - zumindest in der Theorie.

Steuermann im Heck

Das erste Dymaxion-Automobil wurde 1933 fertig gestellt. Im Bild oben sieht man Captain Al Williams, einen bekannten Hochgeschwindigkeitspiloten und Fahrer, zusammen mit US-Präsident Roosevelts Sekretär Marvin McIntyre und dem Zeppelin auf Rädern. Die Stimmung wirkt ausgelassen, doch eigentlich gab es kaum Grund für gute Laune: Nur wenige Monate zuvor hatte sich der erste Prototyp auf dem Weg zur Weltausstellung nach Chicago überschlagen, der Fahrer war bei dem Unfall um's Leben gekommen. Die folgende Untersuchung sah die Schuld beim dreirädrigen Steuerungssystem des Dymaxions, das zwei Antriebsräder an der Front mit einem Steuerrad am Heck verband. Wegen der vernichtenden Presse - heute würde man wohl "Shitstorm" sagen - wurden nur zwei weitere Exemplare gebaut, das Unfallauto von einst ging zudem Jahre später in Flammen auf. 

Auch wenn das Konzept der Realität nicht stand hielt, fasziniert es doch bis heute: 2010 ließ sich der Star-Architekt Sir Norman Foster beim britischen Restaurationsspezialisten Crosthwaite & Gardiner ein Remake des Dymaxion-Autos konstruieren. „Das Dymaxion zu fahren ist eine Offenbarung“, berichtete Sir Norman Foster damals nach einer ersten Probefahrt. „Bei niedrigen Geschwindigkeiten lässt sich das Gefährt beinahe wie ein Kreisel drehen, während es bei schnellerer Fahrt außerordentlichen Komfort bietet – mehr wie ein Boot als ein Automobil.“

Photo: Underwood Archives / Getty

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