Austro Daimler ADR 6 Kellner Cabriolet

Der hier gezeigte Austro Daimler ADR 6 ist sicherlich kein gewöhnliches Automobil. Das Chassis wurde damals von dem Karosseriebaubetrieb Alexis Kellner – Berlin bestellt, um auf dem Fahrgestell einen Aufbau zu fertigen - und auf der IAA Berlin 1928 ein wirklich „besonderes“ Ausstellungsstück präsentieren zu können.

Auf dem IAA-Stand vom Berliner Kellner, fälschlicherweise immer mit Kellner-Paris verwechselt, wurden auf verschiedenen Chassis basierende Cabriolets von Kellner gezeigt. Der Austro Daimler galt als ein echter „Eyecatcher“, der vor allem die Enthusiasten anziehen sollte. Das lag auch an den zahlreichen glänzenden Anbauteilen – sicherlich eine Geschmacksfrage. Innen wurde die Polsterung mit Eidechsenleder bezogen - es könnte jedoch auch eine seltene Schlange gewesen sein.

Genauso besonders war das Verdeck des Cabriolets. Zum einen waren an dem sehr hellen Verdeck keine Sturmstangen (außen) montiert, zum anderen konnte durch ein spezielles Feder- und Hebelwerk das Verdeck einhändig geöffnet werden. Dies war jedoch nicht die einzige technische Raffinesse. Ein Hebel hinter dem Fahrersitz ließ einen Deckel im Heck „aufspringen“, der den „Schwiegermuttersitz“ oder Notsitz für zwei zum Vorschein brachte. Da man jedoch nirgendwo einen „Tritt“ zum Besteigen findet, öffnet man nach dem Betätigen der Türklinke hinter der Fahrertür eine kleine Tür und hebt "gleichzeitig" die Hälfte des noch mit Blech verkleideten Hecks an.

Diese technischen Kuriositäten begeisterten natürlich die Besucher der IAA. Einige Stimmen sprachen von einem „Damenauto“ oder einem „sehr hübschen Schlangenwagen, der jeder hundertprozentigen Eva gefallen wird“. Insgesamt konnte man sich jedoch nicht entscheiden, ob man von einem Cabriolet, Roadster oder von etwas ganz Neuem sprechen sollte. Kellner selbst wurde durch diese Aussage natürlich bestätigt, ein Luxuswagenbauer zu sein.

Obwohl das Fahrzeug mit Chassis-Nr. 27007-70 nach 1928 sicherlich noch auf zahlreichen Ausstellungen präsentiert wurde, ist bis Anfang der 70er Jahre keine nachvollziehbare Historie zu benennen. Im Jahr 1974 bot die damalige DDR eigene Handelsfirma Interport das Fahrzeug im Westen zum Verkauf an. Der Wagen war sehr original. Die Türverkleidungen (Eidechsenpolsterung) waren noch vorhanden, die vorderen und hinteren Sitze nicht. Die Farbe hatte von schwarz zu gelb gewechselt und das Verdeck war hart und ausgeblichen. Bei den originalen Anbauteilen fehlten die Rückleuchten.

Im Februar 1975 wurde der Austro Daimler dann von dem DDR Transportbetrieb Deutrans nach Westdeutschland geliefert und erhielt dort eine Restauration. Genauer gesagt wurde der Wagen komplett zerlegt, defekte Teile repariert und fehlende Komponenten ersetzt, mit dem Ziel es wieder in den Originalzustand zu versetzen. Allerdings entschloss man sich, den Fahrer- und Beifahrersitz mit einem Schlangenbezug aus Kunststoff zu beziehen – der Schwiegermuttersitz wurde mit schwarzem Rindsleder ausgeschlagen.

Dieses Automobil ist sicherlich mehr ein Reise- als ein Sportwagen, der mit einer Geschwindigkeit von 75 km/h leicht und bequem bewegt werden kann, aber doch mit einer Spitzengeschwindigkeit von 105 km/h angegeben ist. Außerdem ist dieser Austro Daimler mit seinem 6-Zylinder Motor (70 PS) ein sehr seltenes Fahrzeug. So wird die gesamte Baureihe des ADR 12/70 PS von 1927-1931 auf max. 800 Fahrzeuge geschätzt. Die Motor- und Getriebekonstruktion stammt von Ferdinand Porsche. Interessant: Das AD "R" steht beim Austro Daimler für Zentral"rohr"rahmen, den der spätere Chefentwickler bei Porsche, Karl Raabe konstruiert hat

Dieser einmalige Austro Daimler ADR 6 steht in unserer Autosuche zum Verkauf. Für weitere Informationen klicken Sie bitte hier.

Text: Classic Driver
Fotos: Schöder & Weise Classics