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Audi TT



Der Audi TT einst Kind eines jeden Aktiendepots und in Gefahr zu einem Sekretärinnenrentnermobil zu werden, erhält ein neues Leben.- Schneller größer und erwachsener soll er nun sein und so der gewachsenen Konkurrenz das Fürchten lehren.

Der Audi TT stand bei seiner Präsentation im Jahre 1998 für eine neue Modellgestaltung bei Audi. Weg von dem bisherigen Modellmief, hin zu einer neuen, chiquen Zielgruppe. Und das Experiment gelang. Rund 250 tsd Exemplare vermochte der Ingolstädter Hersteller über die ungewöhnlich lange Produktionszeit von fast 8 Jahren abzusetzen. Acht Jahre ohne tief greifende Modifikationen und, sieht man von dem Debakel mit dem Heckspoiler ab, auch ohne Probleme. Und in der Zeit reifte der einst als Coupe der New Economie belächelte Sportflitzer zu einer Perle des Programms. Klare Form und ein dynamisches Styling verhalfen dem auf der Plattform des VW Golf basierenden Coupes zu dem Zuspruch einer Zielgruppe, wie sie angenehmer kaum sein konnte. Unabhängig, finanzstark und lifestylebewußt waren die Käufer. So gelang Audi ein weiterer Schritt zum Premiumhersteller. Die Neuauflage des TT musste also ein schweres Erbe antreten. Alles was der Vorgänger konnte nur noch besser, nachhaltiger und in einem etwas höherem Preissegment angesiedelt. Quasi das Auto für das nunmehr erwachsen gewordene Intertnetkind. Und, soviel sei vorweggenommen: Operation gelungen- Patient bei bester Gesundheit.

Audi TT Audi TT

Der neue Audi TT ist zunächst etwas größer in seiner Länge und Breite, macht aber insgesamt eine Topfigur. Sowohl in der Stadt, als auch auf langen Touren, wird man die Ausgewogenheit seines Raumangebotes ebenso schätzen, wie die immer noch kompakten Ausmaße. Fast so, als sei der TT der ersten Stunde ausgezogen, um ein richtiges Auto, aber kein Überauto zu werden. Im Innern herrscht dank einer Top Verarbeitung Eitel Freude Sonnenschein. Besonders die sehr hochwertige Instrumenteneinheit und die gut konturierten Sportsitze hinterlassen den Eindruck den Kaufpreis von mind. 32 tsd Euro gut angelegt zu haben. Mögliche Kritikpunkte wie die etwas rar gesähten Ablagemöglichkeiten im Innenraum des TT oder die für groß gewachsene Zeitgenossen etwas kurz geratene Sitzfläche können den positiven Gesamteindruck nicht schmälern. Schließlich reicht der gebotene Raum für Kreditkarte und Handy. Alles Weitere findet Platz im variablen bis zu 700 Liter großen Kofferraum, der im Zweifel für zwei Golfbags oder für das Gepäck eines zwei wöchigen Toskanaurlaubs ausreicht.

Geht es dann los, zum Shopping oder Businessausflug, ist für Beste Unterhaltung gesorgt. Zum einen durch die neue hochwertige Soundanlage des Zulieferers Bose mit optionalem Sourroundsound, zum anderen durch das Motoren und Getriebeangebot. Bereits der 2 Liter Turbomotor in der 6-Gang Frontantriebsvariante verströmt eine Freude am Fahren, die sonst einem Frontantriebsfahrzeug eher fremd ist. Knackig geht es in die Kurven rein und, dank elektronischer Heinzelmänchen, ohne Vortriebskaftverlust genauso zügig wieder heraus. Dabei reagiert die neue elektrische Servolenkung präzise auf die Lenkbefehle und bietet eine ungewohnte Direktheit. Das die Antriebseinheit samt Vorderachse bei engen Kurven mit Bodenwellen bisweilen zum Versetzen neigt und das Heck in bestimmten Situationen keck hervorhüpft, mach dabei für den erfahrenen Piloten erst das Salz in der Suppe aus. Durchzug und Endgeschwindigkeit liegen ebenfalls voll im Erwartungshorizont. Angesichts dieser erfreulichen Antriebseinheit besteht kaum der Wunsch nach zusätzlicher Leistung. Doch, da der TT es in seiner zweiten Auflage auch mit etablierten Sportwagen vom Schlage eines Porsche Cayman oder SLK aufnehmen möchte, bietet Audi den aus dem Vormodell bekannten 3,2 Liter VR 6 Motor mit 250 PS als derzeitige Topmotorisierung an.





Dieser Motor macht dann auch deutlich, wo Bartel den Most holt. Satter Durchzug in allen Lebenslagen gepaart mit fettem Sound, der mit steigender Drehzahl in ein heisernes Fauchen wechselt. Fahrfreude pur. Das Fahrwerk spurt dazu, als gäbe es keine Bodenwellen. Magnetic ride heißt die neue TT Zauberformel bei Audi. Dieses neue elektronische Dämpfersystem hält den TT auch in sehr flott gefahrenen Kurven auf Kurs. Es kann zwischen den Grundabstimmungen Sport und Komfort differenzieren und regelt dann völlig selbstständig die Dämpfung anhand verschiedener Parameter. Die ausgewogene Achslastverteileung des 3,2 Liter quattro Modells sorgt dabei dafür, daß die leichten Momente des Frontrieblers ausbleiben. Gleichgültig mit welchem Tempo man sich der nächsten Kurve nähert, der TT fährt wie auf Schienen. Sollte es doch einmal zu schnell sein, so hält einen das ESP vor größerem Schaden fern. Was leider ein wenig auf der Strecke bleibt ist das Gefühl eines echten Sportwagens alter Schule. Wer hofft, mit dem Hintern mitzulenken, sieht sich ein wenig enttäuscht. Aber macht nichts, das Gebotene macht Spaß genug.



Großen Anteil an dem hohen Fahrspaßpotential hat auch die neue ASF Karosse. Audi hat beim TT erstmals eine Aluminiumkarosse mit Stahlelementen Was auf den ersten Blick für Verwirrung sorgt, macht bei Betrachtung der Achslastverteilung Sinn. Durch den gezielten Einsatz von Stahlblech schaffte Audi es, trotz im Vergleich zum Vorgänger reduziertem Gesamtgewichte, die Achslastverteilung zu optimieren und dem TT ein noch besseres Fahrverhalten anzuerziehen. Das sich dies auch beim Bremsen bemerkbar macht ist nahezu selbstverständlich. Sei am Rande erwähnt, daß der neue TT auch in diesem Punkt überzeugen konnte.

Der neue TT also ein rundum gelungener Sportwagen, bereit die Erfolgsgeschichte des Vorgängers auf neuem Niveau fortzusetzen? Klare Antwort : Ja. Leider wurde auch das Preisniveau der neuen Größe angepasst. Und damit dürfte angesichts schwindener New Economie Gewinne der Kundenkreis etwas Schrumpfen. Macht nichts, Das Auto ist Klasse.

Text & Fotos: Classic Driver


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