Audi Sport quattro (Rallyeversion und Kleinserie)

Ringrausch

Text: Mathias Paulokat
Fotos: Mathias Paulokat / Audi Tradition

Frühe Audi quattro Modelle reifen langsam aber stetig zur Legende. Der 420 PS starke Audi Sport quattro in der Rallyeversion der Gruppe B, wie auch die raren Kleinserienfahrzeuge, dürften schon jetzt diesen Status erreicht haben. 2008 ist das große Geburtstagsjahr des „Kurzen“, wie der Audi Sport quattro liebevoll genannt wird. In der Tat: 25 Jahre sind für ein Fahrzeug eine Zäsur an der Schwelle zum jungen Klassiker. Dennoch wirkt dieser kräftig kompakte Allrad-Audi, ehemals Deutschlands leistungsstärkster Serienwagen, erstaunlich kernig und up to date.

„Tempus fugit“ - die Zeit flieht und beschert uns neue Automobil-Klassiker, in diesem Fall besser: Audi-Klassiker. Vier Ringe zum Jubiläum des starken Vierradantriebs: 25 Jahre Audi sport quattro – 1983 debütierte dieser Audi auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt. Die überaus erfolgreiche quattro Geschichte reicht sogar noch etwas weiter zurück.

Wir erinnern uns: Januar 1981. Der erste Audi quattro springt förmlich mit seinem überlegenen Allradantrieb auf die internationale Rallye-Bühne und an die Spitze des Wettbewerbsfeldes. Der quattro Antrieb aus Ingolstadt lehrte der Konkurrenz das Fürchten. Diese kopierten das Antriebskonzept meist in Form von Mittelmotorfahrzeugen. Audi aber blieb dem Frontmotor treu und somit dichter an den Serienfahrzeugen, die von dem Ruhm profitierten. Jedoch hatte sich im harten Wettbewerbseinsatz der lange Radstand bei zahlreichen Rallyes als Handicap erwiesen.

Getreu dem Firmenmotto „Vorsprung durch Technik“, hielt Audi seine Verfolger auf Distanz. Dies mit einem Kniff, in Gestalt eines um 30 Zentimeter verkürzten Radstands. 2.224 Millimeter betrug dieser, 4.160 Millimeter die Gesamtlänge des Fahrzeugs. Der „Kurze“ war geboren. Damit eine Homologation möglich wurde, baute Audi insgesamt 220 kurze Sport quattros als Straßenversion. Fahrzeuge, die heute nicht nur markige Klassiker, sondern hoch bezahlte Kultfahrzeuge sind. Quattrophile Zeitgenossen spenden in Anbetracht dieser überaus potenten und wegweisenden Sportwagen frenetischen Beifall. Zu Recht, denn Konzept und Performance dieser Ringvorstellung berauschen noch heute.

Vorsprung durch Leistung

Anfang 1984 wurde der kompakte Sport quattro in der Rallyeversion erstmals bei der Korsika Rallye eingesetzt. Kein Geringerer als Walter Röhrl saß hinter dem Steuer, begleitet von Beifahrer Christian Geistdörfer. Im Gegensatz zum ausgereiften Rallye quattro S1, A2 und S2 zeigte der „Kurze“ allerdings noch eine Vielzahl von Kinderkrankheiten, die Audi erst gegen Ende der Saison in Griff bekam. Der bei Classic Driver gezeigte Wagen wurde im Januar 1985 unter Röhrl und Geistdörfer beim großen Rallye-Klassiker Monte Carlo eingesetzt und errang prompt den zweiten Platz. Im Monat darauf fiel das Fahrzeug bei der Schweden-Rallye jedoch aufgrund eines Motorschadens aus. Hiernach nutzten die Ingolstädter ihn als Versuchsträger und als Testwagen. Insgesamt wurden 22 Fahrzeuge als Rallyeversion aufgebaut. Weltweit sind nur noch ganze fünf Stück erhalten geblieben.

Unter der Haube arbeitet ein 5-Zylinder-Leichtmetall-Reihenmotor mit Turbolader und exakt 2.142 Kubikzentimeter Hubraum. Das Aggregat wurde als Doppelnockenwellen-Motor mit je vier Ventilen pro Zylinder entwickelt. 420 PS entsprechend 309 kW bei 7.500 Umdrehungen pro Minute beträgt die maximale Leistungsausbeute dieser Maschine, 460 Newtonmeter bei 5.500 Umdrehungen pro Minute das größtmögliche Drehmoment. Mit einem Gewicht von 1.050 Kilogramm beschleunigt der kurze quattro in nur 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Die Höchstgeschwindigkeit konnte in Abhängigkeit der Getriebeübersetzung variiert werden. In Monte Carlo lief der Audi maximal 190 km/h, in Portugal und Großbritannien 205 km/h. Und gab sich dabei trinkfest: unter Wettbewerbsbedingungen zog der Fünfzylinder zwischen 50 bis 70 Liter Superbenzin in die Brennräume. Nicht pro Stunde, sondern auf 100 Kilometer. Um den brachialen Vortrieb zu stoppen, wiesen einige Fahrzeuge eine Wasser-Sprühkühlung an den Bremsen auf.

Käufliche Kleinserie

Nach dem internationalen Sportgesetz war für die Rallye Gruppe B eine Serie von mindestens 200 Exemplaren des jeweiligen Fahrzeugtyps notwendig. Audi produzierte im Werk Ingolstadt exakt 214 käufliche Exemplare des kurzen Audi quattro. Für damals horrende 203.850 Mark teilte Audi den durchtrainierten Sportler an Enthusiasten in aller Welt zwischen 1983 und 1985 zu. Im Gegenzug erhielten die Käufer zukunftsweisende Hochleistungstechnik. Mit 306 PS (225 kW) war der „Kurze“ bei seiner Präsentation auf der Internationalen Automobilausstellung 1983 in Frankfurt der leistungsstärkste deutsche Serienwagen.

Den Ingenieuren gelang dabei der selten gesehene Spagat zwischen einem reinen Sportwagen mit atemberaubenden Leistungsdaten und einem zuverlässigen Straßenautomobil, das auch im Feierabendverkehr problemlos bewegt werden konnte. Die Karosserie des Sport quattro bestand aus Aramid- und Glasfaserverstärktem Kunststoff sowie aus Carbon- und Kevlar-Verbundstoffen. Aufgrund der kleinen Stückzahl wurde hierfür die Firma Baur in Stuttgart engagiert. Kunststoffteile lieferte der schweizer Betrieb Seger und Hoffmann hinzu.

Der Fünfzylinder-Reihenmotor besitzt im Serienauto einen Hubraum von 2.133 Kubikzentimeter. Der 1.300 Kilogramm leichte Serien quattro erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Antriebskonzept: natürlich auch hier der permanente Vierradantrieb. Ausgeliefert wurde der Audi in nur vier Originalfarben: Tornadorot, Kopenhagenblau, Malachitgrün und Alpinweiß. Auf besonderen Wunsch war auch eine schwarze Sonderlackierung erhältlich. Von den 214 Serienfahrzeugen des Audi Sport quattro gibt es weltweit noch etwa 140 Stück.

Beeindruckende Leistungsdaten

Rallyefahrzeug (Gruppe B):
Motor: Leichtmetall Reihenmotor mit Turbolader, 5 Zylinder
Hubraum: 2.142 ccm
Leistung: 309 kW / 420 PS bei 7.500/min.
Kraftübertragung: permanenter Vierradantrieb
Radstand: 2.224 mm
Gesamtlänge: 4.160 mm
Leergewicht: 1.050 Kilogramm
Beschleunigung: in 3,8 Sekunden von 0 - 100 km/h
V-max: zwischen 190 km/h und 205 km/h
Gesamtstückzahl: 22 Exemplare

Serienfahrzeug:
Motor: 5 Zylinder in Reihe
Hubraum: 2.133 ccm
Leistung: 225 kW / 306 PS bei 6.700/min.
Kraftübertragung: permanenter Vierradantrieb
Radstand: 2.204 mm
Gesamtmaße (L, B, H): 4.160 mm, 1.780 mm, 1.345 mm
Leergewicht: 1.300 Kilogrammm
Beschleunigung: in 3,8 Sekunden von 0 - 100 km/h
V-max: 250 km/h
Gesamtstückzahl: 214 Exemplare