Audi plant die digitale Revolution im Auto

Dass Autos sich immer weiter zum rollenden Computer entwickeln, ist im Schatten der Frage nach der Elektrifizierung des Antriebs beinahe vergessen worden. Audi hat dieses Thema jetzt im Rahmen der Consumer Electronics Show in Las Vegas neu belebt.

Auf der weltgrößten Messe für Verbraucher-Elektronik zeichnete Audi-Vorstandschef Rupert Stadler ein äußerst facettenreiches Bild, welche erweiterten Nutzen man für Komfort und Sicherheit der Autofahrer in naher Zukunft von seinem Wagen erwarten kann. Audi nähme im Premiumsegment bereits heute eine Führungsrolle ein, was die elektronische Ausstattung und die Bedienbarkeit angehe, so Stadler. Diese Position wolle man weiter ausbauen.

Wichtigstes Thema ist hierbei die Sicherheit. Audi will die einzelnen Fahrzeuge auf den Straßen untereinander kommunizieren lassen, so dass Unfälle verhindert werden, Gefahrensituationen gar nicht erst eintreten können. Wenn die Sensorik eines Autos problematische Verhältnisse wie Straßenglätte durch die Aktivierung der Antischlupfregelung oder den Einsatz des ESP detektiert, kann es über die Kommunikationskanäle der Fahrzeuge untereinander diese Informationen weitergeben und so andere rechtzeitig warnen. Dies allerdings ist bislang schon eine Absichterklärung der Hersteller, deren Realisierung in verschiedenen Feldversuchen, unter anderem in der Rhein-Main-Region und markenübergreifend erarbeitet wird.

Audi plant die digitale Revolution im Auto Audi plant die digitale Revolution im Auto

Neu sind jedoch die Hilfsmittel, die zur Umsetzung genutzt werden sollen. Und hierzu zählen schnellere Hard- und Software-Lösungen, die unter anderen mit dem Elektronik-Entwickler NVIDIA in Santa Clara entstanden sind. Die jüngste Errungenschaft präsentierte der Chef des Elektronik-Unternehmens, Jensen Huang, während eines mit Rauch und Scheinwerferblitzen untermalten Bühnenauftritts. Der Tegra II-Chip gilt als der nunmehr schnellste Prozessor der Branche und ermöglicht die Verarbeitung beeindruckender Datenmengen. Er wird unter anderem in einem neuen Smart-Phone eingesetzt, das sich reibungslos mit den Kommunikationseinheiten des Autos vernetzen kann.

Diese Technik scheint ohnehin einen der Wege in die Zukunft zu beschreiben. Toyota und die koreanischen Hersteller arbeiten bereits daran, etwa Navigationsdaten nicht mehr in Speichern im Auto zu hinterlegen, sondern sie über schnelle UMTS-Verbindungen oder noch schnellere zukünftige Techniken von Internet-Servern zu beziehen. Auch Audi hat die permanente Datenverbindung zwischen Auto und Internet auf dem Plan. Musik, Videos, Verkehrs- und sogar meteorologische Daten können so in Echtzeit und stets hochaktuell zur Unterhaltung und für mehr Verkehrssicherheit genutzt werden.

Einen wesentlichen Schritt werde die Signalisation bei der Wegweisung gehen, so Stadler: „Man fühlt sich sehr schnell viel sicherer, wenn die Routenführung über eine 3D-Darstellung angezeigt wird.“ Auch Head-up-Displays würden hierbei immer wichtiger: „Vor fünf Jahren hat diese Technik noch einen Bauraum von gut fünf Litern in der Schalttafel verlangt. Heute sind wir bei nur noch rund drei Litern angekommen.“

Audi plant die digitale Revolution im Auto Audi plant die digitale Revolution im Auto

Schon bald ist unterdessen mit dem Einsatz von volldigitalen Instrumententafeln in 3D-Technik zu rechnen. Hierbei bieten sich neben einer sinnvollen Darstellung der wichtigsten Daten zur Fahrsituation auch designerische Möglichkeiten. Jensen Huang: „Wir können ganz nach Wunsch und Stimmung des Fahrers virtuell verschiedene Materialien abbilden. Stein, Metall oder sogar Glas lässt sich als Dekor der Instrumenteneinfassungen darstellen.“

„German engineering meets Silicon Valley“, so nennt Audi die Kooperationen mit den Soft- und Hardware-Entwicklern in Amerika. Die Routenführung mit Hilfe von Google Maps und das Navigieren zu den sogenannten Points of Interest (Restaurants, Theatervorstellungen und ähnliches) ist da nur ein zarter Anfang. Auch an die Möglichkeit der späteren Aktualisierungen von Technik und Programmen ist gedacht. So könnte man den Gebrauchtwagenwert von Leasing-Rückläufern steigern oder einfach das Auto des Kunden nach einigen Betriebsjahren wieder auffrischen.

Text: Martin Andörfer
Fotos: Audi