Audi Mileage Marathon 2008

Alles Diesel oder was? Audi zum Anfassen, zum Erleben auf den Highways, den Interstates, in kleineren und größeren Städten und das 15 Tage lang quer durch Nordamerika. Fast 8000 Kilometer spulten 23 Diesel-Fahrzeuge der Ingolstädter jeweils von Big Apple bis L.A. ab. Nicht gerade umweltfreundlich, werden Umweltaktivisten gegen die gigantische Roadshow einwenden. Was zunächst paradox erscheint, stand doch ganz im Zeichen von Ökologie – und war natürlich getragen von Verkaufsabsichten des Automobilherstellers.

Clean Diesel war das Thema – driven by Audi. Damit galt es mancherorts, gleich zwei Unbekannte zu schlagen: „Was ist Audi?“ und „Diesel im Pkw?“ – Fragezeichen formten sich auf der Stirn unserer Gesprächspartner an Tankstellen, Rastpätzen oder in Restaurants. Gerade im „Niemandsland“ zwischen Memphis und Amarillo verbinden mit Diesel nach wie vor viele Amerikaner dreckigen, nach Petroleum stinkenden Kraftstoff, der ihre Dieselloks und Trucks antreibt. Audi trat nun an, um eine ganze Nation eines Besseren zu belehren. Die Botschaft des „Great American Roadtrip“: Fahrspaß mit großem Drehmoment, der Geldbeutel und Umwelt schont – ein Traum, nicht nur für Amerikaner.

Audi Mileage Marathon 2008Audi Mileage Marathon 2008

Ganz ohne Anklänge an den Motorsport und die sagenhaften Siege der Audi LMP2-Prototypen geht’s nicht. Emanuele Pirro, mehrfacher Le Mans Sieger und erfolgreich auf dem Audi R10 ist vor Ort, um den Startschuss zu einer außergewöhnlichen sportlichen Veranstaltung außer Konkurrenz zu geben. Pirro heißt die Fahrer willkommen und weist sie ein in die Technik seines Diesel-Boliden (V12 TDI Motor, 650 PS, 1200 Nm). Die High Tech des Motorsports kommt auch den Serienfahrzeugen zugute, floss zum Teil in die Audis ein, die von uns alsbald auf der Straße miteinander in sportlichem Wettbewerb stehen.

Die Facts: 148 Fahrer aus aller Welt bewegen die Fahrzeuge in Tagesetappen von bis zu 860 Kilometer zu bekannten Knotenpunkten wie Washington, Chicago, Memphis, Dallas, Amarillo, Denver, Las Vegas oder Monterey. Gegen Regelverstöße bei diesem sportiven Mammutprojekt wachen die IMSA (International Motor Sports Association), zuständig für die Rennserien ALMS (American Le Mans Se-ries) oder Formula Atlantic, und ihr technischer Direktor Charlie Cook. Spätestens beim Anblick der versiegelten Tankdeckel wird klar, dass hier ein Wettbewerb der außergewöhnlichen Sorte stattfindet. Es geht nicht darum, am schnellsten von A nach B zu kommen. Der Meilenmarathon war eine groß angelegte Eco-Driving Veranstaltung unter den realen Gegebenheiten des amerikanischen Straßenverkehrs – plus Gepäck der zwei bis drei Fahrer. Von der silbernen Fahrzeugflotte, bestehend aus A3, A4, Q5 und Q7 in der jeweils stärksten Motorisierung, wie Amerikaner dies lieben, entscheiden wir uns von Chicago bis Denver für den kleinen Bruder des Q7, der im November Premiere auf Europas Straßen feiern wird, den brandneuen Q5 3.0 TDI.

Hybridfahrzeuge japanischer Provenienz oder von GM, insbesondere als SUVs, sieht man unterdessen durchaus regelmäßig auf amerikanischen Straßen. Die groß angelegten Werbekampagnen zeigen Wirkung. Dass Fahrspaß, Komfort, gewaltiges Drehmoment, Spritsparen, anspruchsvolles Design und gar Umweltfreundlichkeit in Diesel Pkws zu finden sind, dafür will Audi mit der neuen Dieselgeneration gewaltig die Werbetrommel rühren. Denn trotz Bluetec Initiative letztes Jahr von Daimler mit dem E 320 in Kalifornien hat der Diesel in Amerika den Durchbruch noch lange nicht geschafft. Zumal Diesel hier (noch) deutlich teurer als Benzin und daher noch lange nicht an allen Tankstellen verfügbar ist.

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Der Q5, eine Mischung aus Sportlimousine und knackigem SUV, überzeugte uns dabei auf der gesamten Strecke mit seinem gezügelten Durst. Eine in den Fahrzeugen verbaute Messtechnik erlaubte es, am Ende eines jeden Tages eine Bewertung vorzunehmen. „Anhand der Verbräuche, die wir ermittelt haben, vergeben wir Punkte: Das Fahrzeug mit dem niedrigsten Verbrauch bekommt die höchste Punktzahl, entsprechend das mit dem höchsten Verbrauch die niedrigste Punktzahl“, erläutert Andreas Metzmeier von der Audi Entwicklung. Zum Sieg unter den Teilnehmern führte eine sparsame, aber zügige Fahrweise. Denn damit sich den Amerikanern nun nicht ein Bild von Autos bot, die auf den Highways und Interstates dahinschlichen, gab es auch Punkte für die erzielte Durchschnittsgeschwindigkeit.

Schnell stellen wir fest, dass wir keine Chance auf den Sieg in unserer Klasse haben, zumal die Kollegen, die sich schnell als Dauersieger in unserer Klasse herauskristallisieren, ihren Q5 zum Tanken regelmäßig an die Zapfsäulen schieben (ob dies dem realen Verkehrsverhalten des Fahrers von morgen entspricht?). Somit hält sich unser Ehrgeiz in Grenzen. Angehalten wegen Geschwindigkeitsübertretungen wurden wir nicht. Aber mal ehrlich, auf den endlos scheinenden Strecken der langen Tagesetappen mit ihrer bisweilen gleichförmigen Landschaft und den Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 55 bis maximal 75 Meilen pro Stunde (90 bis 120 km/h) und im Rhythmus der Hits der 1980er Jahre aus dem Satellitenradiosender Sirius können auch wir der Versuchung, das Gaspedal durchzutreten, nur schwer widerstehen. Ehrgeizige hängen sich in den Windschatten des einen oder anderen großen Trucks. Was tut man nicht alles, um „King of the Road“ der Spritsparer zu werden. Dieses Ziel haben wir knapp verfehlt. Aber Platz 2 ist dennoch beachtlich. Bei einem Verbrauch von 6,8 Litern und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 93,5 km/h sind wir hoch zufrieden mit unserer ökonomischen Fahrweise im ohnehin Sprit sparenden V6-Diesel mit Direkteinspritzung (zum Vergleich: die Sieger bringen es auf knapp 6,3 Liter bei 96,4 km/h). Damit wurden die Werksangaben für den Q5 von 7,5 Liter deutlich unterboten – aber eben nur durch gleichmäßiges Dahingleiten und möglichst wenige Bremsaktionen.

Audi Mileage Marathon 2008Audi Mileage Marathon 2008

Insgesamt sind die Reaktionen, die wir während dieses Diesel-Marathons sammeln, überwiegend positiv. Fragen wie „was muss ich tun, um so ein Auto fahren zu dürfen?“ oder „baut Audi nur Diesel?“ sind an der Tagesordnung. Man weist uns sogar auf Sheriffs in Lauerstellung hin. Bei anderen Teams, die es zahlreich wegen überhöhter Geschwindigkeit erwischt hat, zeigen sich die Gesetzeshüter erstaunlich kooperativ, ziehen sogar locker zehn Meilen oder mehr von der übertretenen Geschwindigkeit ab.

What a show! Nicht nur an ausgewählten Orten in Memphis oder vor Luxushotels glänzen die drehmomentfreudigen SUVs und Coupés um die Wette. Wo immer wir auftauchen, alleine oder im Rudel, gilt uns eine überwiegend herzliche Aufmerksamkeit. Und das, obwohl sich Hybridmotoren aufgrund zahlreicher Kampagnen mehr und mehr im amerikanischen Straßenbild durchsetzen. Doch weil Amerikaner dem Neuen gegenüber aufgeschlossen sind und „Made in Germany“ nach wie vor als Gütesiegel gilt, war der Austragungsort für diese gigantische Kampagne perfekt gewählt. Inmitten der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfes blies die Marke mit den vier Ringen zum Feldzug für ihre sportiven Dieselfahrzeuge quer durch den Kontinent. Wie also steht es um die schöne neue Dieselwelt? Zumindest Audi ist ein Spätzünder auf dem amerikanischen Markt, der sein Drehmoment jetzt jedoch gewaltig verstärkt hat: mit dem Q7 als der „sauberste Diesel der Welt“, so der Hersteller. Und der kleinere Bruder Q5 soll schon bald nachkommen. Zumindest auf dem deutschen Markt kann der Hersteller mit den vier Ringen allen Absatzflauten zum Trotz derzeit Rekordzahlen im Verkauf verbuchen.

Text: Susanne Roeder
Fotos: Audi / Roeder



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