Audi A1: Polo für Fortgeschrittene

Mit dem kompakten Audi A1 wagen sich die Ingolstädter nach 35 Jahren wieder in die Polo-Klasse vor. Ob der Luxusmini einen standesgemäßen Einstieg in die Audi-Markenwelt bietet, haben wir ausprobiert.

Das gab’s schon einmal, das kommt auch wieder. So oder ähnlich mochte es den Audi Oberen in den Ohren geklungen haben, als sie den Kompaktwagen Audi A1 auf Kiel legten. Denn bereits in den frühen Siebzigerjahren teilten sich der erste Ingolstädter Kleinwagen namens Audi 50 und der Volkswagen Polo eine Plattform. Mit einem traurigen Ergebnis für die Ingolstädter, denn der Audi 50 entschlummerte nach nur vier Jahren Bauzeit, während der Polo bis heute ein Erfolgswagen ist.

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Der ab Sommer erhältliche Audi A1 setzt zumindest im Hinblick auf seine Abstammung diese Geschichte fort. Dank des Modellbaukastens des Volkswagen Konzerns stammen das Chassis, die Achsen und auch große Teile des Antriebs aus Wolfsburg. Dennoch will der Audi mehr sein, als ein aufgepeppter Polo und macht dies bereits durch sein sportives Design deutlich. Der zunächst nur als Dreitürer lieferbare A1 setzt mit den wahlweise in Kontrastfarbe lackierten Dachholmen, den geschwungenen LED-Tagfahrlichtern und der dynamischen Frontschürze auf konsequentes Posieren vor dem Straßencafé. Den sicheren Auftritt unterstreichen dabei die optionalen Alufelgen in 17 bzw. 18 Zoll, die den A1 in Verbindung mit den an die RS-Modelle des Hauses erinnernden Front- und Heckschürzen besonders sportlich erscheinen lassen. Wer es noch auffälliger wünscht, dem bietet Audi erstmals Designpakete nach Art des Hauses an. Zwar brechen die dann montierten Heck – und Frontspoiler samt 80er Jahre Rallye-Kriegsbemalung mit der traditionell dezenten Linie des Herstellers, doch das große Interesse der Kunden an dem Modeschmuck der besonderen Art schien den Audi-Oberen den Versuch wert zu sein.

Mit deutlich weniger Show, dafür mit umso mehr Material- und Fertigungsqualität wartet der Innenraum des in Brüssel gefertigten Audi A1 auf. Hochwertige Kunststoffoberflächen, Bedienelemente aus echtem Aluminium und, natürlich nur gegen Aufpreis, eine sauber verarbeitete Ledergarnitur machen den Aufenthalt im A1 zu einem angenehmen Erlebnis. Dies umso mehr, als auch das Raumgefühl auf den Vordersitzen befriedigen kann. Hat man erst einmal die durch den Sicherheitsgurt verdeckte Lehnenverstellung justiert und den viel zu kleinen Innenspiegel eingestellt, erfährt man schnell, dass eine Fahrt in der Poloklasse keinesfalls Platzängste hervorrufen muss. Raum gibt es für die Fahrer und Beifahrer genug. Auch an Ablagen herrscht kein Mangel. Auf der asymmetrisch geteilten Hinterbank geht es naturgemäß schon enger zu, sie taugt allenfalls als Notsitz für Erwachsene oder für Kinder. Das dürfte in der Praxis jedoch weniger eine Rolle spielen als der mit 270 Litern recht klein geratene Kofferraum, der sich aber dank der weit aufschwingenden Klappe angenehm Beladen lässt und gegen Aufpreis mit praktischen Details wie einen Taschenhalter und eine 12-Volt-Steckdose ausgerüstet werden kann.

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Doch Audi sieht in dem A1 auch weniger den Lastenesel im Programm als vielmehr den fahrspaßorientierten Stadtflitzer für zwei. Das gründlich überarbeitete Polofahrwerk mit einer Verbundlenkerhinterachse kann im Audi A1 in nahezu allen Punkten überzeugen. Auch in Verbindung mit dem stärksten der vier lieferbaren Motoren, dem 1,4 Liter TFSI mit 122 PS, kommt nie das Gefühl der Übermotorisierung auf. Der bei Bedarf 203 km/h schnelle Audi zieht in zügig gefahrenen Kurven ebenso sicher seine Bahnen, wie er auch kleine Fahrfehler sicher korrigiert. Speziell im Stadtverkehr und auf winkligen Landstraße sorgt die Mischung aus ausgewogenem Drehmomentverlauf des Turbomotors und der exakten und nicht zu leichtgängigen Lenkung immer wieder für viel Fahrvergnügen. Dafür, dass die Leistung stets sicher auf die Straße kommt, sorgt bei dem A1 eine neuartige, in das ESP eingebundene elektronische Quersperre. Ein markentypischer Allradantrieb ist indes derzeit kein Thema für den Audi A1. Die Freude über soviel Dynamik wird allenfalls durch den geschmälerten Fahrkomfort eingetrübt. Speziell, wenn das optionale S-line Fahrwerk mitsamt der üppigen Bereifung montiert ist, teilt das Fahrwerk Frostaufbrüche im Fahrbahnbelag mit schonungsloser Offenheit den Passagieren mit.

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Neben der Topmotorisierung bieten die Ingolstädter noch zwei TDI-Common-Rail-Motoren mit 105 und 90 PS an, die sich durch einen besonders geringen Verbrauch von unter vier Litern auszeichnen. Einen Wert, den auch der zweite Benziner mit 86 PS erreicht. Maßgeblich hierfür sind die bei allen Modellen serienmäßig eingebauten Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung, wie etwa das Start-Stopp-System und eine vom Motormanagement gesteuerte Lichtmaschine. So kann selbst das mit einem Sechsganggetriebe ausgestattete Topmodell in der Praxis mit rund sechs Litern Verbrauch bewegt werden. Ein Wert, der insbesondere mit Blick auf die gebotenen Fahrleistungen in Ordnung geht.

Wenn es nach den Wünschen des Herstellers geht, kann der Kunde das gesparte Geld dann lieber in die zahlreichen Sonderausstattungen investieren. Um den A1 deutlich von den Mitbewerbern abzugrenzen, setzt Audi dabei vor allem auf eine perfekte Multimedia-Einbindung. Angefangen mit einem Bose Surroundsoundsystem mit einem Zehnkanal-Verstärker und einer Leistung von 465 Watt, über ein an die Oberklasselimousine A8 angelehntes Navigationssystem mit einem aus dem Armaturenbrett herausfahrendem Monitor, bis hin zu einer durchdachten Anbindung für iPhone und Co. bietet der A1 alles für den Alltag im Großstadtdschungel. Das jedoch hat seinen Preis und der ist, wen wird es wundern, auch im Falle des Audi A1 premium. Zwar stellt der 1,4 TFSI für 18.200 Euro auf den ersten Blick ein bezahlbares Angebot dar, doch bereits die fehlende serienmäßige Klimaanlage macht deutlich, dass Audi durchaus verstanden hat, wie man selbst in diesem Segment Geld verdienen kann. Doch diese Tatsache hat die Kunden auch in der Vergangenheit nicht davon abhalten können, den Absatz der Ingolstädter auf deutlich über eine Million Fahrzeuge pro Jahr zu puschen. Mit dem A1 wird sich diese Zahl aller Vorrausicht nach noch einmal steigern lassen.

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Text: Sven Jürisch
Fotos: Audi


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