Aston Martin DB9

Obwohl im Moment alle Aufmerksamkeit dem Aston Martin-Youngster V8 Vantage gebührt, möchte ich mich noch einmal dem Coupé-Bruder DB9 widmen. Immerhin verließ er als erster die neuen Werkshallen in Gaydon und eröffnete damit eine neue Ära des traditionsreichen Konzerns. In genau diesen Hallen befinde ich mich nun und nutze die Wartezeit bis zur Fahrzeugübergabe für eine kleine Besichtigung.

Um eines gleich zu Beginn klar zustellen: „Ja, alle neuen Astons werden am Fließband gefertigt!“ Allerdings bewegt sich das Band in Zeitlupe und somit besteht der Herstellungsprozess eines Aston Martin immer noch zu einem hohen Prozentsatz aus Handarbeit, begleitet von einer strengen, permanenten Qualitätskontrolle. Wenn ich diese Werkstätte mit der von Ferrari in Maranello vergleiche, so gibt es kaum Unterschiede (Warnung: es werden noch weitere Vergleiche mit Ferrari folgen).

Nach einer kurzen Übergabe sitze ich nun im DB9 und ein typischer englischer Herbsttag wartet darauf, von mir und meinem Gefährt erkundet zu werden. Es geht in Richtung Osten an die Küste von Suffolk, genauer nach Orford. Dort erwartet mich die berühmte Butley Orford Oysterage. Bei einem halben dutzend Austern lasse ich die bisher absolvierte Strecke aus fahrtechnischer Sicht Revue passieren: Der im DB9 verbaute Motor ist eine Variante des 6,0 Liter Triebwerks aus dem Vanquish / DB7. Ein Zwölfzylinder-Motor mit 456 PS in Kombination mit einem Chassis aus Aluminium bedeutet gute Beschleunigungswerte. Und doch braucht man auf den Komfort nicht zu verzichten. Selbst bei höheren Geschwindigkeiten auf den schlecht gepflegten englischen Landstraßen wird jede Bodenwelle und jedes Schlagloch mit Gleichmut vom Fahrwerk geschluckt. Trotz nasser, belaubter Fahrbahn sorgen die vielen elektronischen Helfer für Traktion.

Aston Martin DB9Aston Martin DB9

Zurück im Auto ertasten meine Hände instinktiv die Schaltwippen hinter dem Lenkrad und verwandeln die zuverlässige Automatik in eine recht gute manuelle Schaltung. Nun ja, mit dem fast fließenden Gangwechsel der Ferrari F1-Schaltung kann das sequentielle Getriebe des Aston nicht mithalten und zwangsläufig kommen einem die Schaltpausen wie eine halbe Ewigkeit vor. Also anstatt zu Rasen, entscheide ich mich für sportlich, elegantes Cruisen durch die englischen Landschaften.

Beim Beschleunigen begleitet mich ein brüllendes Gebell aus Richtung des Motors, das mich mehr an den Klang der guten alten Aston Martin-V8 erinnert, als an das etwas farblos klingende Schnurren manch moderner Zwölfzylinder. Doch dank der langen Schaltwege lässt sich der DB9 auf weiten Strecken mit einem angenehmen Geräuschpegel fahren. Der DB9 ist eben ein richtiger Landedelmann: im täglichen Umgang ruhig, vornehm zurückhaltend, doch wenn zum Duell herausgefordert, unbarmherzig und kraftvoll.

Da ich den Aston nur für einen Tag fahre, brauche ich mir keine Gedanken über den Gepäcktransport zu machen. Doch sehr schnell weiß man die vorhandenen Fondssitze zu schätzten, um seine Aktetasche oder Reisetasche für den Kurztrip auf der Rücksitzbank zu verstauen. Für sehr viel mehr sind die hinteren Sitzmöglichkeiten allerdings auch nicht zu gebrauchen.

Wie fast jeder Hersteller in der Oberklasse bietet natürlich auch Aston Martin seinen Kunden ein umfangreiches Personalisierungsprogramm. Der Käufer kann aus einer verwirrenden Anzahl von Farben wählen, welche Kombination ihm am besten gefällt. Seit jeher bin ich ein großer Freund der englischen Marke und Leute, die mich kennen, wissen, dass ich sagen werde: „Der DB9 ist ein großartiges Auto!“ Und das stimmt. Meine Begeisterung für diesen Wagen resultiert allerdings nicht allein aus seinen guten Fahreigenschaften, der hohen Verarbeitungsqualität und dem Spaßfaktor, sondern auch durch die positive Wirkung auf seine Umwelt. Überall, wo ich mit dem DB9 auftauchte, wurde mir Respekt und Wertschätzung entgegengebracht und absolut kein Neid. Bleibt mir nur zu sagen: „Advantage Aston Martin DB9!“

Text: Steve Wakefield
Fotos: Classic Driver


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