
Vom 15. bis 18. Oktober fand die zweite Auflage des Algarve Historic Festivals auf dem Autódromo International Algarve, der portugisischen Rennstrecke in den Hügeln oberhalb von Portimao statt. Spätsommerliches Kaiserwetter, die ewig junge Symphonie von rund 300 historischen Motoren und der phantastische Schnitt des 4,5 Kilometer langen Asphaltteppichs ließen die Herzen der Ortsansässigen und nach Portugal gepilgerten Petrolheads erneut höher schlagen.
Erst 2008 wurde die Rennstrecke in den kargen Hügeln der Küstenregion, zehn Kilometer vom Strand von Portimao entfernt, fertiggestellt. Im Gegensatz zu anderen neuen Strecken kokettiert diese mit Attributen, die man meist nur noch von alten, von der Formel 1 unberührten Strecken kennt. Die Strecke gleicht einer Karussellfahrt durch Bergauf- und Bergabkurven, die Mensch und Maschine einiges abverlangen und gleichzeitig für leuchtende Augen sorgen.
Die Sportprototypen, GTs und Formel-Rennwagen der Masters Historic Racing Serie waren zum Kräftemessen angetreten. Raritäten aus den Fünfzigern bis Siebziger Jahren umfasste das Feld. Spektakulär war ebenfalls der Auftritt von 18 Pre-War Racing Legends, die auf der Strecke permanent am Querfahren waren. Bei so viel Spannung auf dem Asphaltteppich wurden Showeinlagen wie eine Kunstflugeinlage in der Schlucht zwischen Boxen und Tribüne auf der Zielgeraden fast zur Nebensache.
Das Flugspektakel habe ich mir mit Maria Teresa de Filippis, der Grande Dame der Formel 1 und Maserati Legende, angeschaut. Wenn sie an eine Rennstrecke reist, dann um etwas zu bewegen. Allerdings in dem Fall nicht das Volante, sondern als Ehrengast in ihrer Funktion als Vizepräsidentin des Club International des ancienes Pilotes de Grand Prix F1. Im Frühjahr starten auf dem Algarve Raceway wieder historische Motoren – dies soll der Anlass werden, das Jahrestreffen des Clubs 2011 nach Portugal zu bringen.
Zu ihrer aktiven Zeit ist Maria Teresa de Filippis selbst auch in Portugal gestartet. Und so kam es, dass während des Algarve Historic Festivals ein Besucher mit einem Programmheft von 1958 an sie herantrat und um ein Autogramm bat. Damals hatte Maria Teresa de Filippis, Startnummer 22, diesem freundlichen Herren bereits die Starterliste signiert. Nun, 58 Jahre später, unterschrieb sie ein zweites Mal. Die damalige Starterliste zählt alle Legenden der Formel-1-Geschichte auf – meine Familie, wie Maria Teresa lachend kommentierte. Heute stehen die großen Namen ihrer Familie meist nur noch auf den Boliden, dennoch gibt es Fahrer, die ihre Fahrzeuge bis heute bewegen. So etwa Jackie Oliver – ehemals F1-Pilot bei Lotus und Mitgründer des Arrows F1 Teams – der beim Algarve Historic Festival 2010 auf dem Treppchen stand (siehe Ergebnisse) und ebenfalls fleißig Autogramme schrieb. Ebenso am Start war Popsänger Chris Rea, der mir zuletzt in den 90iger Jahren beim F1-Rennen in Silverstone begegnet war. Damals bei einer Jamsession mit Eddie Jordan am Schlagzeug und Damon Hill an der Gitarre.
Eine große Familie eben, die Petrolheads, und es geht ihnen in erster Linie ums Fahren. Wen erstaunt es also, dass bei einer phänomenalen Strecke wie dieser alle schon auf den Rennkalender von 2011 warten.

Klicken Sie hier zu den Ergebnissen des Algarve Historic Festivals 2010.
Text & Fotos: Nanette Schärf
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