Mille Miglia 2014: Aspirin und Champagner

Was für eine Herausforderung – bei der Mille Miglia ging es vergangene Woche wieder bis an die Grenzen für Mensch und Maschine. Ein Tour-Report.

Die Mille Miglia ist das bekannteste historische Rennen der Welt – und noch immer hat sie eine ungebrochene Anziehungskraft. Sie verzaubert Menschen an der Strecke zwischen Rom und Brescia ebenso wie die Teilnehmer in den klassischen Automobilen. Auch in diesem Jahr begann das Abenteuer mit der technischen Inspektion: Führerscheine, Fahrzeugbriefe, FIVA-Papiere – noch muss alles seine Ordnung haben. Das gilt auch für die zahlreichen „bekannten Gesichter“ wie Brian Johnson von AC/DC, Jay Leno, Adrien Brody, Luc Evans und Paloma Thevenet-Picasso mit ihrem Mann Eric Thevenet im roten Lancia. Mark Gessler, in diesem Jahr mit einem Alfa Romeo 6C 1500 GS mit dabei, verrät derweil sein Rezept für eine gelungene Mille Miglia:  „Das Wichtigste bei der Mille Miglia ist es, die Reise zu genießen, sich an den Menschen und Automobilen zu erfreuen – und in einem Stück nach Brescia zurückzukehren. Die guten Ergebnisse entstehen dann ganz von allein.“

Strahlende Sonne und dröhnende Motore

Strahlende Sonne und dröhnende Motoren dann bei der traditionellen „Punzonatura“ auf der Piazza della Vittoria. Man trifft Andrea Zagato mit seiner Copilotin und Ehefrau Marella Rivolta Zagato im 1957er Alfa Romeo 1900 SSZ gleich neben einem Fiat 1100 Gobbone vom „Blonde Insight Team“ und einem äußerst ungewöhnlichen Klassiker, der sich bei genauerem Hinsehen als 1947er Healey Duncan Drone entpuppt. Die Stimmung ist ausgelassen. Am nächsten Tag dann um sechs Uhr morgens der Start: Drei Autos rollen pro Minute von der zentralen Bühne in Brescia. Sogar Moderator Simon Kidston springt hinter’s Steuer eines fantastischen Jaguar D-Type. Das Rennen ist eröffnet – und steckt einige Kilometer weiter bereits im Stau. Doch die Polizei gibt sich italienisch-lässig und leitet die Rennwagen über den Gehweg daran vorbei.

„Vampire“ mit staubigen Gesichtern und blutunterlaufenen Augen

Nach einer aufregenden Nachtfahrt Richtung Padua geht es am zweiten Tag weiter in Richtung Rom. Wecker brauchen die Fahrer bei der Mille Miglia nicht – meist reißen einen die Vorkriegs-Motoren vor dem Morgengrauen aus dem Schlaf. Es geht durch kleine Dörfer, vorbei an jubelnden Einwohnern, und durch blühende Landschaften. Doch 15 oder 16 Stunden hinter dem Steuer hinterlassen ihre Spuren. Und als der Tross am nächsten Morgen in Rom startet, haben sich unter die Fahrer einige „Vampire“ mit staubigen Gesichtern und blutunterlaufenen Augen gemischt. Dafür werden die Fahrer heute mit einer der schönsten Etappen belohnt – noch einmal geht es quer durch die Toskana, bevor die Fahrer mit ihren Maschinen erschöpft aber glücklich das Ziel in Brescia erreichen.

Ein sehr charmantes Abenteuer

Auch Hollywood-Schauspieler Adrien Brody zeigte sich begeistert. Er ging in einem schwarzen Mercedes-Benz 300 SL Gullwing von 1956 ins Rennen. „Ich habe mich schon immer für Autos begeistert – besonders für Klassiker“, gesteht der Oscar-Preisträger. Obwohl er wegen der Vorbereitung auf das Filmfestival in Cannes das Rennen nicht zu Ende fahren konnte, zeigt er sich beeindruckt: „Es hat etwas wunderbares, in Italien zu sein – wie in einem Fellini-Film. Es ist ein sehr charmantes Abenteuer.“

Brodys Platz nimmt Fritz Kaiser ein. Der Classic-Car-Sammler war mit seinem 1947er Cisitalia 202 SC Berlinetta liegen geblieben und kann das Rennen glücklicherweise in seinem Mercedes fortsetzen. Kaiser sitzt bei dieser Veranstaltung übrigens nicht nur am Steuer: Er engagiert sich auch als digitaler Partner und Hauptsponsor. Der von ihm initiierte Classic Car Trust versteht sich als eine Informations- und Wissens-Plattform für Classic-Car-Sammler. Von diesem Know-How profitiert die Rallye zum Beispiel durch die Mille Miglia Link-App. Mit ihr können Teilnehmer die wichtigsten Informationen von ihrem iPhone abrufen und mit anderen Teams kommunizieren.

Più Veloce!

Dann ist die Mille Miglia vorbei – so schnell, wie sie angefangen hat. Den Sieg sichern sich in diesem Jahr Giordano Mozzi und Stefania Biacca im Lancia Lambda Tipo 221 Spider von 1928. Doch Grund zum Feiern hat eigentlich jeder, der die Tausend-Meilen-Fahrt durch Italien unbeschadet überstanden hat. Was allen bleibt, ist die Erinnerung an ein einzigartiges Abenteuer – und der Ruf der Zuschauer am Straßenrand: „Più Veloce!“

Fotos: Massimo Delbò / Staud Fotos made available by The Classic Car Trust

Weitere Informationen zu The Classic Car Trust und zur Mille Miglia 2014 finden Sie unter classiccartrust.com.